Das Berliner Filmfestival endete mit dem Sieg des deutsch-türkischen Dramas „Yellow Letters” unter der Regie von Ilker Çatak. Die 76. Ausgabe stand im Zeichen intensiver Debatten über die Rolle der Politik im Kino, kontroverser Äußerungen des Jurypräsidenten Wim Wenders sowie Protesten im Zusammenhang mit dem Konflikt im Gazastreifen. Letztlich wurden Werke ausgezeichnet, die sich mit Zensur, Autoritarismus und moralischen Dilemmata der modernen Welt auseinandersetzen.
Triumph des Films Yellow Letters
Das deutsch-türkische Werk von Ilker Çatak über Zensur und Autoritarismus gewann den Goldenen Bären und setzte sich gegen 21 Konkurrenten im Hauptwettbewerb durch.
Kontroversen um Wim Wenders
Der Jurypräsident wurde für den Versuch kritisiert, die Kunst zu entpolitisieren, was er schließlich in seiner abschließenden, versöhnlichen Rede korrigierte.
Erfolg der Sektion Panorama
Der Publikumspreis für den Film „Prosecution” bestätigte das große Interesse des Publikums an sozialen Themen und dem Kampf gegen Extremismus.
Die 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin sind zu Ende gegangen und krönten zehn Tage Vorführungen mit einer von sozialen und politischen Themen dominierten Zeremonie. Der Hauptpreis, der Goldene Bär, ging an den Film „Yellow Letters” von Ilker Çatak. Diese Produktion, die Mechanismen des Autoritarismus und der Zensur von Künstlern analysiert, wurde als die eindringlichste Stimme im diesjährigen Wettbewerb anerkannt. Das Urteil der siebenköpfigen Jury, in der unter anderem Ewa Puszczyńska saß, wurde als Rückkehr zu den politischen Wurzeln des Festivals gelesen. Der Jurypräsident, die Filmlegende Wim Wenders, sah sich mit Kritik konfrontiert, nachdem er zu Beginn der Veranstaltung geäußert hatte, dass Filmemacher sich von aktueller Politik fernhalten sollten. Bei der Abschlussgala milderte Wenders seinen Ton und hielt eine Rede über die Notwendigkeit der Zusammenarbeit von Künstlern, Journalisten und Aktivisten angesichts einer „Welt, die außer Kontrolle gerät”. Er betonte auch, dass das Kino widerstandsfähiger gegen das Vergessen sei als flüchtige Inhalte aus dem Internet. Dennoch war die Gala nicht frei von Spannungen – einige Filmschaffende nutzten die Bühne, um ihre Unterstützung für Palästina auszudrücken, was auf gemischte Reaktionen des Publikums stieß. Die Berlinale, 1951 im geteilten Berlin gegründet, diente von Anfang an als „Fenster zur Welt” und Plattform für politisch engagiertes Kino und war oft Schauplatz ideologischer Konfrontationen zwischen Ost und West. Die neue künstlerische Direktorin, Tricia Tuttle, räumte ein, dass das Festival in „unruhigen Gewässern” segle, verteidigte aber das Recht auf offene Debatte und Meinungsverschiedenheiten als Grundpfeiler der Demokratie. Auch in den Nebenreihen triumphierten aktuelle Themen: Der Publikumspreis in der Sektion Panorama ging an den Film „Prosecution” von Faraz Shariat, der sich mit dem Kampf gegen Gewalt der extremen Rechten in Deutschland befasst. Publikum und Kritiker betonen übereinstimmend, dass die Berlinale 2026 zwar eine schwierige und kontroverse Ausgabe war, der Prestige der Veranstaltung jedoch dank des hohen künstlerischen Niveaus der gezeigten Werke erhalten blieb. „Shared causes have a better chance of resisting the ever-changing wind of consumption of abstraction and over-saturation.” (Gemeinsame Anliegen haben eine bessere Chance, dem ständig wehenden Wind des Konsums von Abstraktion und Übersättigung zu widerstehen.) — Wim Wenders 22 — Filme konkurrierten im Hauptwettbewerb um den Goldenen Bären
Mentioned People
- Ilker Çatak — Regisseur des siegreichen Films „Yellow Letters”.
- Wim Wenders — Jurypräsident der 76. Berlinale, herausragender deutscher Regisseur.
- Tricia Tuttle — Künstlerische Direktorin des Berlinale-Festivals.