Der Abschluss der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin stand im Schatten eines diplomatischen Skandals. Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib warf der deutschen Bundesregierung Mittäterschaft am "Völkermord in Gaza" vor, was zum demonstrativen Verlassen der Gala durch Minister Carsten Schneider führte. Das Ereignis überschattete das Urteil der Jury unter dem Vorsitz von Wim Wenders, die den Goldenen Bären dem politisch engagierten Drama "Yellow Letters" verlieh.
Goldener Bär für İlker Çatak
Der deutsch-türkische Regisseur erhielt den Hauptpreis für das Drama über Zensur mit dem Titel "Yellow Letters".
Diplomatischer Skandal bei der Gala
Minister Carsten Schneider verließ den Saal nach den Vorwürfen des Regisseurs Abdallah Alkhatib gegen Deutschland.
Manifestation von Abdallah Alkhatib
Der Debütpreisträger warf der Bundesregierung Mittäterschaft am Völkermord im Gazastreifen vor.
Polnischer Akzent in der Jury
In der Jury, die die Wettbewerbsfilme bewertete, saß die polnische Produzentin Ewa Puszczyńska.
Die diesjährige Preisverleihung des Berlinale verwandelte sich in eine Arena scharfer politischer Manifestationen, die in deutschen Regierungskreisen Empörung auslösten. Hauptauslöser war der Auftritt von Abdallah Alkhatib, dessen Film "Chronicles From the Siege" mit dem Preis für das beste Debüt ausgezeichnet wurde. Der Regisseur, eingehüllt in ein palästinensisches Kufiya, bezeichnete die militärischen Aktionen Israels direkt als Völkermord und nannte die deutschen Behörden deren Partner. Als Reaktion auf diese Worte verließ Carsten Schneider, der anwesende Minister, die Zeremonie in einem Protestakt. Das Berlinale gilt seit seiner Gründung 1951 als das politischste unter den großen Filmfestivals und wird oft zum Schauplatz ideologischer Manifestationen, was in der Vergangenheit unter anderem zu Boykotten von Staaten des Ostblocks während des Kalten Krieges führte. „The German federal government is a partner in the genocide being committed by Israel in Gaza.” (Die deutsche Bundesregierung ist Partner des Völkermords, den Israel in Gaza begeht.) — Abdallah Alkhatib Im Schatten des politischen Sturms kürte die Jury, in der unter anderem die polnische Produzentin Ewa Puszczyńska saß, den Gewinner des Hauptwettbewerbs. Der Goldene Bär ging an İlker Çatak für den Film "Yellow Letters". Das Werk analysiert die Mechanismen von Zensur und Autoritarismus, was sich in das diesjährige Profil des Festivals einfügt, das sich für engagiertes Kino einsetzt. Der Juryvorsitzende, Wim Wenders, versuchte, die Stimmung zu entschärfen, indem er eine Rede über das Kino als widerstandsfähigeres Werkzeug gegen das Vergessen als das Internet hielt. Doch die Gewinner der Nebensektionen und die übrigen Preisträger kehrten in ihren Reden wiederholt zum Thema des Nahostkonflikts zurück, was die künstlerische Leiterin Tricia Tuttle als Teil des demokratischen Diskurses bezeichnete, trotz der offensichtlichen Spannung unter den Offiziellen. 22 — Filme konkurrierten im diesjährigen Hauptwettbewerb Kritiker weisen darauf hin, dass sich das Festival in einer schwierigen Lage zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Neutralität befindet. Während einige den Mut der Filmschaffenden loben, werfen andere – darunter führende deutsche Medien – den Organisatoren Einseitigkeit der Botschaft und das Fehlen einer Verurteilung des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 in den Reden der Preisträger vor. Die angespannte Atmosphäre der Abschlussgala der 76. Ausgabe wird sicherlich eine langfristige Debatte über die Grenzen politischen Engagements in der Kultur auslösen.
Mentioned People
- Abdallah Alkhatib — Syrisch-palästinensischer Regisseur, Debütpreisträger, Autor von Völkermordvorwürfen.
- Carsten Schneider — Deutscher Minister der SPD, der die Gala aus Protest verließ.
- Ilker Çatak — Regisseur des Films "Yellow Letters", Gewinner des Goldenen Bären.