Die neueste Ausgabe der Studie Berlin-Monitor für das Jahr 2025, veröffentlicht vom Berliner Senat für Integration, Arbeit und Soziales, liefert besorgniserregende Daten. Das Vertrauen in die Demokratie als beste Staatsform hat in der deutschen Hauptstadt ein historisches Tief erreicht. Zugleich zeigt die Studie tief verwurzelte queerfeindliche Einstellungen sowie eine Offenheit für autoritäre Machtmodelle. Senatorin Cansel Kiziltepe spricht von einem „schrillen Warnsignal”.

Historisch niedrige Unterstützung für Demokratie

Nur 86% der Berliner Einwohner halten Demokratie für die beste Staatsform. Das ist ein Rückgang um 5 Prozentpunkte seit 2020 und der niedrigste Wert in der Geschichte der Studie.

Verfestigte Abneigung gegenüber LGBTQ+-Personen

Jeder fünfte Berliner (20%) hält den Anblick eines sich küssenden homosexuellen Paares für „ekelerregend”. 19% sehen Transgeschlechtlichkeit als Bedrohung für die Gesellschaft.

Anfälligkeit für Autoritarismus und Verschwörungstheorien

Jeder Zehnte befürwortet die Herrschaft eines starken Führers ohne Parlament. Jeder Vierte glaubt an einen „großen Austauschplan” oder ist der Meinung, dass „Medien lügen”.

Kritik am Fehlen politischer Konsequenzen

Experten und Opposition werfen der Regierungskoalition aus SPD, Grünen und Linken vor, sich auf Erklärungen zu beschränken, anstatt konkrete Strategien zur Gegensteuerung zu entwickeln.

Die Ergebnisse des jährlichen Berlin-Monitors für das Jahr 2025 legen eine tiefe Vertrauenskrise in grundlegende demokratische Werte unter den Berliner Einwohnern offen. Obwohl die Mehrheit von 86% die Demokratie weiterhin für die beste mögliche Staatsform für Deutschland hält, ist dies der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebungen. Im Vergleich zum Jahr 2020 bedeutet dies einen Rückgang um fünf Prozentpunkte. Diese Daten wurden von den Autoren der Studie als „schrilles Warnsignal” für Politiker und die gesamte Gesellschaft bezeichnet. Die regelmäßige Überwachung gesellschaftlicher Einstellungen gegenüber der Demokratie hat in Deutschland eine besondere historische Bedeutung, die aus den Erfahrungen der Weimarer Republik und der Machtergreifung der Nationalsozialisten resultiert. Zeitgenössische Studien wie die Leipziger Autoritarismus-Studien oder der Berlin-Monitor setzen die Tradition der Vorurteilsforschung fort, die in den 1950er Jahren von der Frankfurter Schule (Theodor W. Adorno) begründet wurde. Der Bericht zeigt nicht nur eine Erosion des Vertrauens in das System, sondern auch anhaltende, tiefe Vorurteile gegenüber Minderheiten. Jeder fünfte Befragte (20%) stimmt der Aussage zu, dass der Anblick eines sich öffentlich küssenden homosexuellen Paares für ihn „ekelerregend” sei. Ein fast identischer Prozentsatz (19%) sieht Transgeschlechtlichkeit als eine reale Bedrohung für die Gesellschaft. Die Studie offenbart zudem eine beunruhigende Anfälligkeit für autoritäre Ideen. Etwa 10% der Befragten zeigen Offenheit für das Konzept eines starken Führers, der ohne Hindernisse durch Parlament oder Gerichte regiert. „„Die Zahlen sind ein schrilles Warnsignal. Sie zeigen, dass sich in Berlin nicht nur Vorurteile, sondern auch demokratisch problematische Einstellungen festsetzen”” — Andreas Zick, Direktor des CEDIS. Zusätzlich stimmt jeder vierte Einwohner rechtsextremistischen Aussagen zu, wie dem Glauben an einen „großen Austauschplan” der deutschen Bevölkerung oder der Überzeugung, dass „Medien und Politiker lügen”. Veränderungen demokratischer Einstellungen in Berlin (2020 vs. 2025): Unterstützung für Demokratie als beste Staatsform: 91% → 86%; Billigung eines 'starken Führers' ohne parlamentarische Kontrolle: Daten nicht verfügbar → ~10%; Einstufung eines Kusses gleichgeschlechtlicher Personen als 'ekelerregend': Daten nicht verfügbar → 20%; Wahrnehmung von Transgeschlechtlichkeit als Bedrohung: Daten nicht verfügbar → 19% Die Reaktionen der Politiker sind gemischt. Die Senatorin für Integration, Cansel Kiziltepe von der SPD, betont die Bedeutung der Ergebnisse und die Notwendigkeit zum Handeln. „„Wir müssen diese Ergebnisse sehr ernst nehmen. Sie zeigen, dass Demokratie nicht einfach da ist, sondern immer wieder erkämpft und verteidigt werden muss”” — Cansel Kiziltepe. Die Opposition sowie ein Teil der Experten kritisieren jedoch den Berliner Senat für das Fehlen einer konkreten Strategie und die Reduzierung der Reaktion auf allgemeine Aufrufe zur „Haltung”. Christian Goiny von der CDU wirft der Regierungskoalition (SPD, Grüne, Linke) Untätigkeit und mangelnde Programme zur Bekämpfung der Radikalisierung vor. Inzwischen deutet die Studie darauf hin, dass eine der Ursachen für den Vertrauensverlust die Wohnungskrise und das Gefühl sozialer Ungerechtigkeit in der Stadt sein könnte, das besonders die jüngere Generation betrifft. Die Autoren der Studie betonen, dass die Ergebnisse nicht nur einen gesellschaftlichen Rand betreffen, sondern die Einstellungen eines bedeutenden Teils der Berliner Bevölkerung widerspiegeln, was eine Herausforderung für die gesamte politische Klasse darstellt.

Mentioned People

  • Cansel Kiziltepe — Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales in Berlin für die SPD, kommentiert die Studienergebnisse.
  • Andreas Zick — Direktor des Centrums für Extremismus- und Demokratieforschung (CEDIS) an der Universität Leipzig, Autor der Studie Berlin-Monitor.
  • Christian Goiny — Politiker der CDU, der die Reaktion des Berliner Senats auf die Studienergebnisse kritisiert.