Der europäische Finanz- und Energiesektor hat das Jahr 2025 abgeschlossen und dabei eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gegenüber makroökonomischen Turbulenzen gezeigt. Marktführer der Versicherungsbranche wie Allianz, Axa und Munich Re meldeten historisch hohe operative Gewinne, unterstützt durch geringere Schadensausgaben für Naturkatastrophen. Parallel dazu konnten Energie- und Industriekonzerne, darunter Eni und Rolls-Royce, ihre operative Effizienz trotz fallender Rohstoffpreise steigern, was zu Ankündigungen hoher Dividenden und umfangreicher Aktienrückkaufprogramme führte.
Rekordergebnisse der Versicherer
Allianz und Axa meldeten historische Gewinne, unterstützt durch eine geringere Anzahl von Naturkatastrophenschäden und steigende Investmenterträge.
Energiesektor trotz Preisrückgang
Eni und Rolls-Royce verbesserten ihre operative Effizienz, was trotz günstigerer Öl- und Gaspreise zu erhöhten Dividenden führte.
Transformation von Poste Italiane
Der italienische Staatsversicherer und Postbetreiber erzielte Rekordumsätze dank der dynamischen Entwicklung von Kurierdienstleistungen.
Die Analyse der Finanzergebnisse für das Jahr 2025 zeigt die Dominanz des Rückversicherungs- und Versicherungssektors. Die deutsche Allianz erzielte einen Rekordbetriebsgewinn von 17,4 Mrd. Euro, was einem Wachstum von 8,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Eine ähnliche Dynamik zeigte Swiss Re, das nach einem schwierigeren Jahr 2024, belastet durch Rückstellungen auf dem US-Markt, einen Nettogewinn von 4,8 Mrd. Dollar erwirtschaftete. Dieses Ergebnis ermöglichte es dem Vorstand, eine Dividende von 8 Dollar je Aktie vorzuschlagen und ein Buyback-Programm im Wert von 1,5 Mrd. Dollar anzukündigen. Die Rückversicherer betonen, dass das Jahr 2025 durch eine relativ geringe Aktivität von Naturkatastrophen gekennzeichnet war, was sich direkt in einer verbesserten technischen Rentabilität im Sachgeschäft niederschlug. Der europäische Versicherungssektor durchläuft seit einem Jahrzehnt einen Konsolidierungs- und Digitalisierungsprozess, der ihn in Verbindung mit den strengen Kapitalanforderungen von Solvency II zu einer der stabilsten Säulen der EU-Wirtschaft gemacht hat.Im Energiesektor demonstrierte das italienische Eni eine hohe operative Effizienz trotz eines Preisrückgangs bei Öl um 14 % und Gas um 25 %. Das Unternehmen erzielte einen bereinigten Nettogewinn von fast 5 Mrd. Euro, reduzierte seine Verschuldung erheblich und steigerte die Kohlenwasserstoffproduktion um 4 %. Erfolge verzeichnete auch das britische Rolls-Royce, dessen Nettogewinn um 37 % auf 2,75 Mrd. Pfund stieg. Das Unternehmen, das sich unter der aktuellen Führung einem tiefgreifenden Wandel unterzieht, wurde von Analysten als „Gelddruckmaschine“ bezeichnet. Im Logistiksektor erzielte Poste Italiane mit über 13 Mrd. Euro die höchsten Umsätze seiner Geschichte, was auf die erfolgreiche Umstellung des Geschäftsmodells von traditionellen Postdiensten auf E-Commerce- und Kurierdienstleistungen zurückzuführen ist. „La performance del 2025 conferma l'efficacia della nostra strategia. Un modello di business resiliente ha permesso di generare flussi di cassa solidi nonostante uno scenario meno favorevole.” (Die Performance 2025 bestätigt die Wirksamkeit unserer Strategie. Ein widerstandsfähiges Geschäftsmodell ermöglichte es, solide Cashflows zu generieren, trotz eines weniger günstigen Umfelds.) — Der CEO von Eni, der die Ergebnisse und die Dividendensstrategie des Unternehmens kommentiert.Weniger optimistische Signale kamen aus dem Bausektor. Der Konzern Holcim verzeichnete einen drastischen Gewinnrückgang von 73,4 %, der auf einmalige währungsbedingte Verluste im Zusammenhang mit dem Rückzug vom nigerianischen Markt zurückzuführen war. Ohne diesen Effekt verzeichnete das Unternehmen jedoch ein Wachstum des Betriebsgewinns, was die Stärke seines Kerngeschäfts zeigt. In Deutschland kehrte der Chemiekonzern BASF im vierten Quartal in die Gewinnzone zurück, was auf rigorose Sparprogramme zurückzuführen ist. Das Gesamtbild der europäischen Börsenunternehmen zu Beginn des Jahres 2026 deutet darauf hin, dass sich diese Unternehmen erfolgreich an höhere Zinsen und eine instabile geopolitische Lage angepasst haben, indem sie sich auf Kostendisziplin und die Maximierung der Renditen für Aktionäre konzentrierten. Nettogewinne ausgewählter Giganten für 2025: Allianz: 11.1, Axa: 9.79, Munich Re: 6.12, Eni: 4.98, Swiss Re: 4.8
Mentioned People
- Claudio Descalzi — Der CEO von Eni, der die Ergebnisse und die Dividendensstrategie des Unternehmens kommentiert.
- Matteo Del Fante — Der CEO von Poste Italiane, der die Rekordergebnisse im Finanz- und Logistikbereich hervorhebt.
- Christoph Jurecka — Der Finanzvorstand von Munich Re, verantwortlich für die Umsetzung des Programms Ambition 2025.