Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wies Behauptungen von Vertretern der US-Administration über einen angeblichen Niedergang der europäischen Zivilisation entschieden zurück. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz bezeichnete Kallas die Kritik aus Washington als "modischen Euro-Bashing" und betonte zugleich, dass Russland wirtschaftlich ruiniert sei. Diese Äußerung war eine direkte Erwiderung auf die Worte des US-Außenministers Marco Rubio und die Strategie der Administration von Donald Trump.

Ablehnung der Untergangstheorie

Kaja Kallas hielt amerikanische Behauptungen über die zivilisatorische Auslöschung Europas für unbegründet und nannte sie modischen Euro-Bashing, wies auf die wachsende Zahl von Bewerbern für den EU-Beitritt hin.

Russland ist keine Großmacht

Die EU-Außenbeauftragte wies darauf hin, dass die russische Wirtschaft in Trümmern liege und die Armee Verluste in Höhe von 1,2 Millionen Toten und Verwundeten erlitten habe, wobei sie seit 2014 nur geringe Gebietsgewinne erzielt habe.

Pressefreiheit als Argument

Kallas konterte die Vorwürfe von Marco Rubio und erinnerte daran, dass die Vereinigten Staaten nur den entlegenen 58. Platz im Ranking der Pressefreiheit belegen, während die baltischen Länder an der Spitze stehen.

Gegenmittel gegen Imperialismus

Es wurde darauf hingewiesen, dass die Erweiterung der Europäischen Union die wirksamste Methode sei, um den russischen Imperialismus einzudämmen und die Stabilität an der Ostflanke der NATO zu sichern.

Am letzten Tag der Münchner Sicherheitskonferenz hielt die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik Kaja Kallas eine entschlossene Rede zur Verteidigung des Zustands des Kontinents. Sie bezog sich auf Formulierungen von einer "zivilisatorischen Auslöschung" Europas, die von US-Politikern der Republikanischen Partei geäußert wurden. Kallas betonte, dass Europa weder "woke" noch dekadent sei, und dass Länder weltweit weiterhin die EU-Mitgliedschaft anstreben, was die Stärke und Attraktivität des europäischen Modells beweise. Sie äußerte Verwunderung, dass Belehrungen über mangelnde Pressefreiheit aus einem Land kämen, das Platz 58 im Ranking von Reporter ohne Grenzen belegt, während ihre Heimat Estland auf Platz zwei steht. Die Münchner Sicherheitskonferenz, die seit 1963 stattfindet, ist das weltweit wichtigste Forum für Verteidigungspolitik, das Staatsoberhäupter, Minister und Experten ohne formelle diplomatische Protokolle zusammenbringt. Ein wesentlicher Teil der Rede betraf Russland, das Kallas nicht mehr als Supermacht betrachtet. Sie fügte hinzu, dass nach einem Jahrzehnt der Konflikte und vier Jahren Vollkrieg die territorialen Gewinne des Aggressors im Vergleich zu den geschätzten Verlusten von 1,2 Millionen Opfern marginal seien. Die EU-Außenbeauftragte warnte, dass die größte Gefahr derzeit darin bestehe, dass Russland am Verhandlungstisch mehr erreichen könnte als auf dem Schlachtfeld. Als einzig wirksames "Gegenmittel" gegen den russischen Imperialismus nannte sie die weitere Erweiterung der Europäischen Union. Ranking der Pressefreiheit (ausgewählte Länder): Estland: 2, Vereinigte Staaten: 58 Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, unterstützte Kallas und merkte an, dass die veränderte Haltung der USA gegenüber dem Alten Kontinent ein Impuls für tiefgreifende Reformen sein sollte. Lagarde verglich die Politik der Trump-Administration metaphorisch mit einem "Tritt in den Hintern", der Europa zu größerer wirtschaftlicher und verteidigungspolitischer Eigenständigkeit zwinge. Kallas fasste zusammen, dass, obwohl die Entscheidungsprozesse in Brüssel manchmal langsam seien, die Richtung der Veränderungen zum Schutz europäischer Werte klar definiert sei. „Entgegen dem, was einige sagen, erlebt das "woke" und dekadente Europa keine Auslöschung seiner Zivilisation. Im Gegenteil, Menschen wollen weiterhin unserem Club beitreten.” — Kaja Kallas1,2 Mio. — Opfer auf russischer Seite schätzt Kaja KallasBetont die Würde und Erfolge Europas, verurteilt amerikanische Arroganz und weist auf die Erfolge der Integration und der liberalen Werte der Medienfreiheit hin. | Akzentuiert die Notwendigkeit von Aufrüstung und Reformen und weist darauf hin, dass die amerikanische Kritik, obwohl scharf, zu einer Reflexion über den tatsächlichen Verteidigungszustand der EU zwingt.

Mentioned People

  • Kaja Kallas — Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik.
  • Marco Rubio — Außenminister der USA in der Regierung von Donald Trump.
  • Christine Lagarde — Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Teilnehmerin einer Podiumsdiskussion in München.
  • Emmanuel Macron — Präsident von Frankreich, im Kontext von EU-Reformen erwähnt.