Die deutsche Wirtschaft startet ins Jahr 2026 mit Anzeichen einer Belebung, doch der Optimismus wird durch Daten zur Lage der öffentlichen Finanzen getrübt. Das Statistische Bundesamt korrigierte die Defizitzahlen für 2025 auf 119 Milliarden Euro nach oben. Zwar stieg das BIP im vierten Quartal dank des Konsums, doch Unternehmen planen weiterhin Stellenabbau, und die Verbraucherstimmung bleibt auf dem niedrigsten Stand seit der Finanzkrise 2008.
Überraschendes BIP-Wachstum
Die deutsche Wirtschaft verzeichnete Ende 2025 ein Wachstum von 0,3 Prozent, wodurch eine technische Rezession vermieden wurde.
Rekordhaushaltsloch
Das Staatsdefizit stieg auf 119 Mrd. Euro und übertraf damit die früheren Regierungsprognosen und Analystenschätzungen deutlich.
Pessimismus der Verbraucher
Die Sparneigung der Deutschen ist die höchste seit 18 Jahren, was das Potenzial einer handelsgestützten Erholung bremst.
Reduzierungen in der Industrie
Trotz besserer Konjunktur melden immer mehr Unternehmen Pläne zum Stellenabbau, um ihre Rentabilität zu verbessern.
Die neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeichnen ein gemischtes Bild vom Zustand der größten Volkswirtschaft Europas. Das deutsche BIP stieg Ende 2025 unerwartet, was eine tiefere Stagnation verhinderte. Eine Schlüsselrolle spielten Staatsausgaben und privater Konsum, wobei Letzterer auf wackeligen Fundamenten steht. Gleichzeitig veröffentlichte das DIW seinen Konjunkturbarometer, der erstmals seit fast zwei Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum signalisiert und Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung in den kommenden Monaten macht. Gleichzeitig wurde jedoch das Ausmaß der fiskalischen Probleme des Staates offengelegt. Das Haushaltsdefizit für das Jahr 2025 fiel deutlich höher aus als ursprünglich geschätzt und betrug 119,1 Milliarden Euro. Die Lücke in den öffentlichen Finanzen vergrößerte sich trotz einer relativ stabilen Wirtschaft, was hauptsächlich auf erhöhte Sozialtransfers und Kosten für den Schuldendienst zurückzuführen ist. Zwar hielt sich das Haushaltsdefizit in Relation zum BIP bei 2,7 Prozent, also unterhalb der EU-Grenze im Stabilitätspakt, doch die Dynamik der Schuldenzunahme bereitet Ökonomen Sorgen. Die deutsche Finanzpolitik stützte sich traditionell auf die verfassungsrechtliche Schuldenbremse (Schuldenbremse), die 2009 eingeführt wurde, um das strukturelle Staatsdefizit auf ein Minimum zu begrenzen.Eine paradoxe Situation herrscht auf dem Arbeitsmarkt. Trotz besserer makroökonomischer Aussichten zeigt der Beschäftigungsbarometer des Ifo-Instituts eine wachsende Bereitschaft der Unternehmen zum Personalabbau. Firmen, insbesondere im Industriesektor, kämpfen mit hohen Energiekosten und geopolitischer Unsicherheit, was sie zur Optimierung der Arbeitskosten veranlasst. Unterdessen zeigen die deutschen Bürger, besorgt um die Zukunft, die höchste Sparneigung seit der globalen Finanzkrise, was den Einzelhandel direkt trifft. „Die deutsche Wirtschaft zeigt Resilienz, aber eine nachhaltige Erholung braucht nicht nur Konsum, sondern vor allem mutige private Investitionen.” — Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)119 mld € — betrug das Defizit des öffentlichen Finanzsektors im Jahr 2025Die Lage an der Frankfurter Börse bleibt jedoch stabil. Der Index DAX durchbrach die Marke von 25.000 Punkten, angetrieben von guten Ergebnissen der Technologieunternehmen und positiven Signalen aus der Industrie. Investoren scheinen die schwachen Daten zur Verbraucherstimmung zu ignorieren und konzentrieren sich auf die globale Konjunkturverbesserung und die erwarteten Ergebnisse der US-Giganten im Halbleitermarkt.
Mentioned People
- Marcel Fratzscher — Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)