Im deutschen Bundesland Baden-Württemberg bauen Naturschutzaktivisten eigenhändig Dämme an austrocknenden Bächen, um der lokalen Population des Europäischen Bibers zu helfen. Ihr Ziel ist es, die Tiere in ihren bisherigen Lebensräumen zu halten, bevor diese auf der Suche nach Wasser in landwirtschaftliche Gebiete vordringen und Konflikte mit Menschen auslösen. Die Initiative ist unter Experten umstritten, die sie als kurzfristigen Eingriff ansehen, anstatt auf systemische Maßnahmen wie die Renaturierung von Flüssen zu setzen.
Beispiellose Intervention von Umweltschützern
Naturschutzaktivisten in Baden-Württemberg ergreifen direkte Maßnahmen, indem sie einfache, hölzerne Dämme an austrocknenden Wasserläufen bauen. Dies zielt darauf ab, den Wasserspiegel künstlich anzuheben und Ersatzgewässer für Biber zu schaffen, die in Dürrezeiten den Zugang zu den Unterwassereingängen ihrer Baue verlieren.
Prävention von Konflikten mit Landwirten
Das Hauptmotiv der Aktivisten ist die Verhinderung der Migration von Bibern auf Ackerflächen und in Obstgärten. Dort verursachen die Tiere durch das Graben von Höhlen in Deichen oder das Annagen von Bäumen Schäden, was oft zu Anträgen der Landwirte auf Abschussgenehmigungen führt. Die Maßnahmen zielen somit darauf ab, sowohl die Art als auch die wirtschaftlichen Interessen der Menschen zu schützen.
Kritik von Teilen der Experten
Die Initiative stößt auf Kritik von Teilen der Naturforscher und Förster, die sie als kurzsichtig ansehen. Sie fordern, sich statt auf kurzfristige Eingriffe auf die Wiederherstellung der natürlichen Wasserrückhaltung in der Landschaft durch Renaturierung von Flüssen, Wiederherstellung von Überschwemmungsgebieten und Bepflanzung zu konzentrieren.
Breiteres Dilemma des Naturschutzes
Der Streit um die Dämme für Biber veranschaulicht ein grundsätzliches Problem des modernen Artenschutzes: Inwieweit sollte der Mensch aktiv eingreifen, um Tieren bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen, und inwieweit sollte er natürlichen Prozessen ihren Lauf lassen und dabei lokales Aussterben riskieren?
Angesichts immer häufigerer und schwererer Dürren, die die sich erholende Population des Europäischen Bibers in Deutschland bedrohen, gehen Umweltschützer in Baden-Württemberg von Worten zu Taten über. Ihre beispiellose Initiative besteht im physischen Bau von hölzernen Dämmen an austrocknenden Bächen. Ziel ist die direkte Anhebung des Wasserspiegels, um die Biber in ihren bisherigen Rückzugsgebieten zu halten. „Wenn der Biber kein Wasser hat, geht er auf die Suche. Oft landet er auf Feldern, wo er anfängt, Höhlen in Entwässerungsdeichen zu graben oder Bäume in Obstgärten anzunagen” – erklärt einer der Aktivisten, der von deutschen Medien zitiert wird. Solches Verhalten führt zu Konflikten mit Landwirten, die dann eine Genehmigung zur Erlegung des Tieres beantragen können, das dann als Schädling eingestuft wird. Der Europäische Biber, einst in ganz Europa verbreitet, wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts durch intensive Bejagung wegen seines wertvollen Fells, Fleisches und des Bibergeils, einer Substanz für Medizin und Parfümerie, nahezu ausgerottet. Erste Schutzversuche gab es bereits in den 1920er Jahren, und die systematische Wiederansiedlung in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern begann in größerem Umfang in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, was heute als einer der größten Artenschutzerfolge des Kontinents gilt. Die Aktionen der Umweltschützer haben somit einen präventiven und pragmatischen Charakter: Sie schützen sowohl die Tiere vor der Notwendigkeit einer riskanten Migration als auch die Interessen der Landwirte vor Schäden. Nicht alle Naturschutzexperten befürworten jedoch diese Methode. Einige kritisieren sie als kurzfristig und oberflächlich. „Das bekämpft die Symptome, nicht die Ursache” – kommentiert ein Forstexperte. Die Ursache sei systemisch und mit dem Klimawandel verbunden, der sich in Süddeutschland durch lange niederschlagsfreie Perioden und extreme Hitze äußere. Diese Experten plädieren stattdessen für Maßnahmen in größerem Maßstab, wie die Renaturierung von Flüssen und Bächen, die Wiederherstellung natürlicher Überschwemmungsgebiete und die Pflanzung von Vegetation, die die Wasserrückhaltung in der Landschaft erhöht. <kluczowa-liczba wartość=