Während der Abschlusszeremonie des 76. Internationalen Filmfestivals Berlin kam es zu einem politischen Skandal. Abdallah Alkhatib, ausgezeichnet für den Film „Chronicles From the Siege“, beschuldigte die deutsche Regierung der Mittäterschaft am „Völkermord in Gaza“. Aus Protest gegen diese Formulierung verließ Umweltminister Carsten Schneider den Saal. Dieser Vorfall fügt sich in die wachsenden Spannungen um die deutsche Position zum Nahostkonflikt ein.
Vorwürfe der Mittäterschaft
Regisseur Abdallah Alkhatib nannte die deutsche Regierung einen Partner im Völkermord, als er den Preis für den besten Debütfilm entgegennahm.
Protest des Ministers
Carsten Schneider, Umweltminister unter dem Dach der SPD, verließ den Saal als Reaktion auf die extreme Rhetorik des Preisträgers.
Fehlende Ausgewogenheit der Botschaft
Medien kritisieren die Gala dafür, dass die Opfer des Hamas-Angriffs nicht erwähnt wurden, während gleichzeitig ein starker pro-palästinensischer Akzent gesetzt wurde.
Ausgezeichnetes Debüt
Der Film „Chronicles From the Siege“ erhielt 50.000 Euro Preisgeld im Rahmen einer neuen Festivalsektion.
Die Abschlussgala des 76. Berlinale-Festivals wurde, anstatt sich ausschließlich auf künstlerische Erfolge zu konzentrieren, zur Bühne eines heftigen politischen Streits. Der Hauptauslöser war die Rede von Abdallah Alkhatib, einem syrisch-palästinensischen Regisseur, der den Preis für den besten Debütfilm (Best First Feature) für sein Werk „Chronicles From the Siege“ entgegennahm. Der mit dokumentarischem Ansatz realisierte Film zeigt das Schicksal von Zivilisten, die versuchen, eine Belagerung zu überleben. Alkhatib, der auf der Bühne mit einem traditionellen Kufiya-Tuch auftrat und eine palästinensische Flagge hielt, nannte die deutsche Regierung einen „Partner im Völkermord“. Auf diese Worte reagierte der anwesende Umweltminister Carsten Schneider von der SPD sofort, indem er demonstrativ die Veranstaltung verließ. Die Entscheidung der Jury, Alkhatibs Werk in der Sektion „Perspectives“ mit 50.000 Euro auszuzeichnen, löste bei einigen Kommentatoren Empörung aus, die auf die Einseitigkeit der Botschaften während der Gala hinwiesen. Viele Kritiker bemerkten, dass bei den zahlreichen pro-palästinensischen Reden der Preisträger die Terroranschläge der Hamas vom Oktober 2023 fast vollständig unerwähnt blieben. Diese Situation stellte die Festivalleitung in eine schwierige Lage, da der Direktion zuvor vorgeworfen worden war, politische Themen vermeiden zu wollen. Die diesjährige Ausgabe zeigte jedoch, dass eine vollständige Trennung von Kunst und gewaltsamen geopolitischen Konflikten derzeit unmöglich ist. Historisch galt die Berlinale stets als das politisch engagierteste der drei großen Filmfestivals, zu denen auch Cannes und Venedig gehören. Diese Tradition reicht bis in die Zeit des Kalten Krieges zurück, als das Festival eine kulturelle Visitenkarte des geteilten Berlins war.Es ist wichtig zu betonen, dass der Vorfall mit Minister Schneider kein Einzelfall war. Mehrere andere Preisträger nutzten ebenfalls ihre Reden, um Israels Handlungen zu verurteilen, was den Eindruck von Chaos während des offiziellen Abschlusses der Veranstaltung verstärkte. Obwohl der Hauptpreis, der Goldene Bär, an den Film „Gelbe Briefe“ von Regisseur İlker Çatak ging, dominierte der politische Skandal die Schlagzeilen der Medien weltweit. Ein Regierungssprecher betonte später, Berlin weise die Völkermordvorwürfe entschieden zurück und betrachte Israels Handlungen als Selbstverteidigungsrecht. „Germany is a partner in the genocide in Gaza by Israel.” (Deutschland ist ein Partner beim Völkermord in Gaza durch Israel.) — Abdallah Alkhatib
Mentioned People
- Abdallah Alkhatib — Syrisch-palästinensischer Regisseur, ausgezeichnet für den Film „Chronicles From the Siege“, Autor der kontroversen Rede.
- Carsten Schneider — Deutscher Umweltminister im Auftrag der SPD, der die Gala aus Protest verließ.
- İlker Çatak — Regisseur des Films „Gelbe Briefe“, Gewinner des Goldenen Bären.