Die Stiftung des International Center of Photography (ICP), die den Nachlass des legendären Fotojournalisten Robert Capa verwaltet, hat den Behörden Madrids offiziell verboten, seinen Namen für das geplante städtische Zentrum im Gebäude Peironcely 10 zu verwenden. Die am Donnerstag verkündete Entscheidung ist eine Reaktion auf die Initiative von Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida, der den Fotografen, den Schöpfer eines berühmten Fotos aus dem Spanischen Bürgerkrieg, das Kinder vor einer bombardierten Wohnhausfassade zeigt, auf diese Weise ehren wollte. Der Stadtrat von Madrid kündigte an, die rechtlichen Möglichkeiten zu prüfen, um seine Absicht trotz des Verbots weiterzuverfolgen. Der Streit betrifft nicht nur den Namen, sondern auch die Interpretation von Capas Vermächtnis und die Kontrolle über sein Image.
Formelles Verbot der Capa-Stiftung
Die ICP-Stiftung, die die Rechte am Image und Nachlass von Robert Capa hält, gab eine offizielle Erklärung ab, in der sie dem Stadtrat von Madrid die Nutzung des Namens des Fotografen im Zusammenhang mit dem Gemeinschaftszentrum in der Peironcely 10 verbietet. Die Stiftung argumentiert, dass sie nicht vorher konsultiert wurde und dass eine solche Entscheidung ihre Zustimmung erfordert hätte.
Antwort der Madrider Behörden
Der Stadtrat von Madrid unter der Leitung von Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida kündigte an, dass er „alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen“ werde, im Zusammenhang mit dem Verbot. Die Kommunalverwaltung will das Projekt der Namensgebung fortsetzen und sieht darin eine Hommage an den Fotografen und ein wichtiges Element des lokalen historischen Gedächtnisses im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg.
Historischer Hintergrund von Capas Foto
Der Streit konzentriert sich auf das Gebäude Peironcely 10, das durch Robert Capas berühmtes Foto von 1936 verewigt wurde. Die Fotografie, die spielende Kinder vor einer von Kugeln durchsiebten Fassade zeigt, wurde zu einem ikonischen Bild des Leidens der Zivilbevölkerung während der Belagerung Madrids durch die frankistischen Truppen.
Frage der Kontrolle über das Erbe
Der Konflikt macht ein breiteres Problem der Kontrolle über das künstlerische Erbe und das historische Gedächtnis sichtbar. Die Capa-Stiftung bewacht die Integrität des Images des Fotografen, während die lokalen Behörden seine Symbolik für soziale Zwecke und zur Erinnerung nutzen wollen. Das Fehlen einer früheren Zusammenarbeit zwischen den Parteien führte zur aktuellen Sackgasse.
Das International Center of Photography (ICP) in New York, das über die Robert-Capa-Stiftung agiert, erließ am Donnerstag ein offizielles Verbot gegenüber den Madrider Behörden, das ihnen die Nutzung des Namens des legendären Fotojournalisten für ein geplantes Gemeinschaftszentrum unmöglich macht. Die für den künstlerischen Nachlass zuständige Institution teilte mit, dass der Stadtrat von Madrid kein Recht habe, dem Objekt den Namen „Städtisches Zentrum Robert Capa“ zu geben, ohne ihre vorherige und ausdrückliche Zustimmung. Diese Entscheidung ist eine direkte Antwort auf die Initiative von Bürgermeister José Luis Martínez-Almeida, der eine solche Würdigung im Gebäude Peironcely 10 vorgeschlagen hatte. Genau diese Adresse wurde durch eines von Capas berühmtesten Fotos unsterblich, aufgenommen im Dezember 1936 während des Spanischen Bürgerkriegs. Die Fotografie zeigt eine Gruppe spielender Kinder vor dem Hintergrund eines bombardierten Wohnhauses, dessen Fassade von Einschusslöchern durchsiebt ist. Dieses Bild mit dem Titel „Kinder von Peironcely“ wurde zu einer Ikone des Leidens der Zivilbevölkerung während des Konflikts und zu einem Symbol der Belagerung Madrids durch die Truppen von General Francisco Franco. Der Spanische Bürgerkrieg (1936-1939) war ein blutiger Konflikt zwischen den republikanischen Kräften und den nationalistischen Truppen unter dem Kommando Francos, die von Nazideutschland und dem faschistischen Italien unterstützt wurden. Der Konflikt, der Hunderttausende Opfer forderte, gilt als Vorspiel zum Zweiten Weltkrieg und bleibt ein tief spaltendes Ereignis im kollektiven spanischen Gedächtnis. Bürgermeister Almeida, der die konservative Volkspartei (PP) vertritt, sah in der Benennung des Zentrums nach Capa eine Möglichkeit, dieses Erbe zu würdigen und das historische Gedächtnis des Stadtviertels zu beleben. Die Stiftung betonte jedoch in einer veröffentlichten Erklärung, dass sie in keiner Weise zu dieser Angelegenheit konsultiert worden sei und dass Entscheidungen über die Nutzung des Namens und des Images des Fotografen ausschließlich in ihrer Zuständigkeit lägen. Als Reaktion auf das Verbot kündigte der Stadtrat von Madrid über seinen Kultursprecher an, dass er „alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen“ werde, um eine Lösung für die Umsetzung des Projekts zu finden. Dies deutet darauf hin, dass die Kommunalverwaltung nicht so leicht von ihrer Idee ablassen will und möglicherweise nach rechtlichen Wegen sucht, sie umzusetzen, wobei auch eine andere Form der Würdigung in Betracht gezogen werden könnte. „"La Fundación Robert Capa prohíbe al Ayuntamiento de Madrid la utilización del nombre del fotógrafo para el centro municipal de Peironcely 10"” — Robert-Capa-Stiftung Der Streit geht über die einfache Namensfrage hinaus und berührt grundlegende Fragen darüber, wer das Recht hat, das künstlerische und historische Erbe zu verwalten und wie es im öffentlichen Raum gewürdigt werden sollte. Einerseits bewacht die Capa-Stiftung die Integrität und den Kontext des Werkes des Fotografen und fürchtet möglicherweise eine Kommerzialisierung oder Instrumentalisierung seines Namens. Andererseits wollen die lokalen Behörden als Vertreter der Gemeinschaft die symbolische Kraft dieses Ortes für soziale, pädagogische und identitätsstiftende Zwecke nutzen. Der fehlende Dialog zwischen diesen Parteien in der frühen Planungsphase hat zu dem aktuellen Konflikt geführt, der sich hinziehen könnte. Die Situation in Madrid ist ein Beispiel für das breitere Phänomen von Spannungen zwischen Institutionen, die das Erbe von Künstlern verwalten, und Kommunalverwaltungen, die es verbreiten wollen.
Mentioned People
- Robert Capa — Legendärer Kriegsfotograf, Autor des Fotos "Kinder von Peironcely" aus dem Jahr 1936.
- José Luis Martínez-Almeida — Bürgermeister von Madrid, Vertreter der Volkspartei (PP), Initiator der Idee, das Zentrum nach Capa zu benennen.
- Francisco Franco — General, Führer der Nationalisten während des Spanischen Bürgerkriegs, später Diktator Spaniens.