Gisèle Pelicot, die nach dem Prozess in Mazan zu einem weltweiten Symbol im Kampf gegen sexuelle Gewalt wurde, hat ihre Memoiren mit dem Titel „Et la joie de vivre” veröffentlicht. In einer Reihe bewegender Interviews für französische und britische Medien beschreibt die 73-Jährige ihren Weg von der Entdeckung des monströsen Verrats ihres Mannes bis zur Wiedererlangung ihrer Würde und Lebensfreude. Ihre Haltung hat Tausende Frauen dazu inspiriert, laut über erlittenes Unrecht zu sprechen.
Premiere der Memoiren
Das Buch „Et la joie de vivre” beschreibt detailliert den Moment der Entdeckung des Verbrechens und den Prozess der Wiedererlangung der Kontrolle über das eigene Leben durch Gisèle Pelicot.
Kampf gegen die Anonymität
Die Protagonistin verzichtete bewusst auf ihr Recht, ihre Identität zu verbergen, um ein Symbol des Kampfes für die Rechte aller Opfer von sexueller Gewalt zu werden.
Urteil für den Täter
Der Ex-Mann, Dominique Pelicot, wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil er seine Frau jahrelang betäubt und Gruppenvergewaltigungen organisiert hatte.
Gisèle Pelicot, eine Figur, die die Öffentlichkeit mit ihrer Unbeugsamkeit während des Prozesses in Mazan erschütterte, kehrt mit einem persönlichen Zeugnis zurück. Ihr Buch mit dem Titel „Et la joie de vivre” („Und die Lebensfreude”), veröffentlicht vom Verlag Flammarion, beginnt mit der Beschreibung des tragischen Tages 2. November 2020. Damals informierte die Polizei sie über die Auffindung von Aufnahmen, die jahrelange Vergewaltigungen dokumentierten, denen sie in ihrem eigenen Haus zum Opfer gefallen war. Die Ermittlungen ergaben, dass ihr damaliger Ehemann, Dominique Pelicot, sie fast ein Jahrzehnt lang mit Medikamenten betäubte, um Dutzenden fremden Männern sexuelle Übergriffe zu ermöglichen. In Interviews, die sie unter anderem dem Sender BBC Newsnight und dem französischen Fernsehen gab, betont Pelicot, dass der schwierigste Moment nicht die Konfrontation mit den Tätern selbst war, sondern die Notwendigkeit, ihre drei erwachsenen Kinder über alles zu informieren. Die Entscheidung, auf Anonymität zu verzichten, was in der französischen Rechtsprechung ein Präzedenzfall war, zielte darauf ab, die Wahrnehmung von Vergewaltigungsopfern zu verändern. Wie sie selbst betont, wollte sie, dass die Scham die Seiten wechselt und zu den Tätern übergeht. Die heute 73-jährige Pelicot erklärt, dass sie trotz der traumatischen Erfahrungen die Kraft in sich gefunden habe, das Leben wieder zu genießen und eine Stimme für diejenigen zu sein, die noch schweigen. Das französische Strafgesetzbuch sieht einen hohen Schutz der Privatsphäre für Opfer von Sexualstraftaten vor, doch Gisèle Pelicot machte sich bewusst ihr Recht auf Öffentlichkeit des Verfahrens zunutze, was 2024 eine landesweite Debatte über die Definition der Einwilligung im Strafrecht auslöste. Der Prozess, der in Avignon stattfand, endete mit der Verurteilung ihres Ex-Mannes zu einer Strafe von 20 Jahren Freiheitsentzug. In ihren Erinnerungen konzentriert sich Pelicot jedoch nicht ausschließlich auf das Leiden, sondern auf den Prozess des Wiederaufbaus ihrer eigenen Identität. Sie betont die Bedeutung internationaler Solidarität und der Unterstützung, die sie von Frauen aus der ganzen Welt erhielt. Ihre Geschichte wurde zum Impuls für systemische Veränderungen im Umgang mit häuslicher Gewalt und Vergewaltigungen unter Verwendung psychoaktiver Substanzen, und die Autorin selbst gilt heute als Ikone des zeitgenössischen Feminismus. Ich wollte, dass alle Frauen, die Opfer einer Vergewaltigung geworden sind, sich sagen: Frau Pelicot hat es getan, wir können es auch. Ich möchte, dass mein Beispiel anderen dient. Urteil erhielt der Ex-Mann für die Organisation von Vergewaltigungen [{"aspekt": "Anonymität", "vor": "Standardmäßiger Schutz und Schweigen", "nach": "Öffentliches Zeugnis und Transparenz"}, {"aspekt": "Wahrnehmung der Scham", "vor": "Opfer versteckt sich aus Scham", "nach": "Scham geht auf die Täter über"}]
Mentioned People
- Gisèle Pelicot — Französische Aktivistin und Opfer sexueller Gewalt, die während eines aufsehenerregenden Prozesses auf Anonymität verzichtete.
- Dominique Pelicot — Ex-Mann von Gisèle, verurteilt für die jahrelange Betäubung und Organisation von Vergewaltigungen an seiner Frau.
- Victoria Derbyshire — Britische BBC-Journalistin, die ein Interview mit Pelicot führte.