Vier Jahre sind seit der großangelegten Aggression Russlands gegen die Ukraine vergangen. In ganz Deutschland wird die Situation der Flüchtlinge bilanziert, die seit Jahren in der Schwebe leben – zwischen Dankbarkeit für die Hilfe und Sehnsucht nach der Heimat. Nach neuesten Daten halten sich in Hessen etwa 100.000 Geflüchtete auf, in Sachsen-Anhalt über 36.000. Trotz der vergangenen Zeit zeigt ein großer Teil der deutschen und schweizerischen Bevölkerung weiterhin eine hohe Bereitschaft, die Opfer des Konflikts durch Spenden und ehrenamtliche Arbeit zu unterstützen.

Vier Jahre in der Schwebe

Flüchtlinge in Deutschland verlieren die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr in die Heimat und setzen zunehmend auf dauerhafte Integration in der Bundesrepublik.

Hohe Spendenbereitschaft der Gesellschaft

Hilfsorganisationen in Deutschland und der Schweiz verzeichnen weiterhin ein hohes Niveau an Spenden und Unterstützung für die Kriegsopfer.

Administrative Integrationsbarrieren

Die Haupthemmnisse für die Selbstständigkeit der Flüchtlinge bleiben der Spracherwerb und die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen.

Der begangene vierte Jahrestag des Beginns der großangelegten Invasion wurde zum Anlass genommen, die Lebensbedingungen der ukrainischen Diaspora zu analysieren. Im Bundesland Hessen wurden allein im Jahr 2024 17.800 neue Flüchtlinge registriert, während gleichzeitig 7.700 Personen in die Ukraine zurückkehrten. Im Bundesland Sachsen-Anhalt hat die Zahl der registrierten Kriegsflüchtlinge die Marke von 36.000 Personen überschritten. Diese Statistiken zeigen, dass der Migrationsprozess nicht zum Stillstand gekommen ist und ein erheblicher Teil der Flüchtlinge ihren Aufenthalt in den westlichen Ländern aufgrund der anhaltenden Lähmung der kritischen Infrastruktur in ihrer Heimat als langfristigen Zustand betrachtet. Die massiven Migrationsbewegungen aus der Ukraine nach Deutschland haben ihren historischen Präzedenzfall in den 1990er Jahren, doch die aktuelle Flüchtlingswelle ist die größte und schnellste humanitäre Operation in der Geschichte des Nachkriegswesteuropas.Hilfsorganisationen, wie staatliche und private Einrichtungen in der Schweiz, berichten von ungebrochenem gesellschaftlichem Engagement. Enrico Nagelberg, der Vorsitzende des Vereins Ukrainehilfe Birstein und Brachttal, stellt sogar einen Anstieg der Spenderzahl in einigen Regionen fest. Dennoch äußern Flüchtlinge, die in Thüringen oder Hessen leben, wachsenden Pessimismus bezüglich eines schnellen Kriegsendes. Viele Familien bleiben getrennt, da die Männer in den ukrainischen Streitkräften dienen und die Frauen in Deutschland mit Sprachbarrieren und Schwierigkeiten bei der Anerkennung medizinischer oder ingenieurwissenschaftlicher Diplome kämpfen. Die Situation wird durch das Bewusstsein verschärft, dass der Alltag in der Ukraine aufgrund fehlenden Zugangs zu Medien drastisch von der Norm abweicht. „Meine Mama hat nur vier Stunden Strom am Tag. Vergangene Woche gab es kein Wasser, und die Heizung hat nicht funktioniert.” — Ukrainerin, die im Landkreis Main-Kinzig in Deutschland lebtFür viele Ukrainer ist das vierte Kriegsjahr eine Zeit völlig veränderter Lebensperspektiven. Während anfangs die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr dominierte, überwiegen nun die Bemühungen um dauerhafte Integration, Spracherwerb und die Aufnahme einer stabilen Arbeit. Die lokalen Behörden in München und Thüringen versuchen, diese Bestrebungen systematisch zu unterstützen, wobei der Mangel an Schul- und Kindergartenplätzen für die jüngsten Migranten ein Problem bleibt. Das Gefühl der Schwebe wird zum Alltagselement für Millionen Menschen, die nicht wissen, wann ihre Häuser wieder sichere Orte zum Leben sein werden. 1.1 mln — Flüchtlinge aus der Ukraine halten sich in Deutschland auf Anzahl der Flüchtlinge in ausgewählten Regionen (2025/2026): Hessen: 82 200 → 100 000; Sachsen-Anhalt: 31 500 → 36 000

Mentioned People

  • Enrico Nagelberg — Vorsitzender des Vereins Ukrainehilfe Birstein und Brachttal
  • Galina Federenko — Ukrainerin, die im Landkreis Main-Kinzig in Deutschland lebt