Der deutsch-türkische Regisseur İlker Çatak gewann den Goldenen Bären während der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin für den Film „Yellow Letters“. Das prestigeträchtige Festival wurde in diesem Jahr von einem beispiellosen Grad der Politisierung des künstlerischen Raums dominiert. Vor dem Hintergrund des Triumphes herausragender Bilder hallten diplomatische Demonstrationen und Spannungen im Zusammenhang mit dem anhaltenden bewaffneten Konflikt im Gazastreifen laut wider.

Goldener Bär für İlker Çatak

Das deutsch-türkische Werk „Yellow Letters“, das sich mit Autoritarismus auseinandersetzt, wurde als bester Film des Festivals ausgezeichnet. Dies markiert die Rückkehr der Gastgeber in die Weltspitze.

Demonstrationen und politischer Konflikt

Die Festivalausgabe war geprägt von lauten Vorwürfen bezüglich der Haltung der Veranstalter zum Krieg im Gazastreifen und der öffentlichen Boykottierung einer Rede durch einen amtierenden Minister.

Silberne Bären für Giganten

Ein enormes künstlerisches Kapital wurde auch in amerikanischen oder asiatischen Produktionen erkannt, wobei das Handwerk von Stars wie Sandra Hüller und den Machern des Dramas Queen at Sea ausgezeichnet wurde.

Den Goldenen Bären, den Hauptpreis der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin, gewann das politische Drama „Yellow Letters“ unter der Regie von İlker Çatak. Dieser Sieg stellt einen historischen Moment für das deutsche Kino dar und beendet eine jahrelange Durststrecke bei den höchsten Auszeichnungen für lokale Filmschaffende. Der Regisseur, der 2023 mit „Das Lehrerzimmer“ weltweite Aufmerksamkeit und eine Oscar-Nominierung erlangte, präsentiert dem Publikum diesmal eine raue, universelle Allegorie gegen Unterdrückung und Zensur. Der Film erzählt vom Schicksal eines älteren Ehepaars – einer Theaterschauspielerin und eines Hochschuldozenten –, das in einer von einem düsteren Regime unterdrückten Türkei lebt. Interessanterweise aus produktionstechnischer Sicht entschieden sich die Macher aus Sicherheitsgründen, nicht an den Originaldrehorten zu drehen. Die Aufnahmen entstanden in Deutschland, wo das malerische Berlin und das kühle Hamburg mit großem visuellem Erfolg die Hauptstadt bzw. die größten Metropolen am Bosporus darstellten. 22 lata — 22 Jahre wartete man auf einen Goldenen Bären für einen deutschen Regisseur Die Entscheidung des hochqualifizierten Gremiums, das unter der Leitung des zweifellos legendären Wim Wenders tagte, wurde in einer Atmosphäre allgemeiner Erwartung verkündet. Dabei wurde betont, dass die Jurydiskussionen von heftigen Auseinandersetzungen geprägt waren, die aus dem außergewöhnlich ausgeglichenen und exzellenten Niveau der beteiligten Produktionen resultierten. „Wyłoniliśmy trzy tytuły, z których każdy wydawał nam się równie wspaniały i mógł dostać Złotego Niedźwiedzia. I bardzo długo dyskutowaliśmy.” (Wir haben drei Titel ausgewählt, von denen uns jeder gleichermaßen großartig erschien und den Goldenen Bären hätte bekommen können. Und wir haben sehr lange diskutiert.) — Wim Wenders Obwohl die endgültige Wahl des ergreifenden türkisch-deutschen Films auf heißen und vollkommen berechtigten Applaus der Versammelten traf, wimmelte es bei der feierlichen Abschlussgala nur so von anderen großen europäischen und weltweiten Namen. Die Statuen, die die Silbernen Bären darstellen, gingen an mächtige Leinwandpersönlichkeiten, wie etwa an Sandra Hüller, die außergewöhnlich treffend für ihre hypnotisierende Wandlungsfähigkeit in dem Kinowerk „Rose“ ausgezeichnet wurde. Es ist jedoch kein Geheimnis, dass es eine gewisse Verwirrung bezüglich der Preisträger der einzelnen Auszeichnungen gab. Einige amerikanische Medien übermittelten unklare Berichte von Beobachtern, die auf stark voneinander abweichende Interpretationen der Entscheidungen hinwiesen. Hauptpreisträger der 76. Berlinale: 1. Yellow Letters (Goldener Bär - Bester Film); 2. Queen at Sea (Silberner Bär - Nebendarstellerin / weitere Auszeichnungen); 3. Rose (Silberner Bär - Schauspielpreis für Sandra Hüller) Der letzte deutsche Regisseur, der diese ehrenvolle Trophäe persönlich auf den heimischen Leinwänden entgegennahm, war der preisgekrönte Fatih Akin. Konkret wurde 2004 sein erschütterndes, dramatisches Werk mit dem Titel „Gegen die Wand“ bejubelt und ausgezeichnet. Das Berliner Filmfestival selbst ist seit guten Jahrzehnten nicht nur ein Ort des Ringens um herausragendes kameratechnisches und drehbuchautorisches Handwerk, sondern natürlich auch eine politische Bühne und ein moralischer Barometer für Probleme, die die geopolitische Stabilität der ganzen Welt beeinflussen. Vor diesem Hintergrund wird die aktuelle Ausgabe des großen Festes der hunderttausenden Filmbegeisterten jedoch dauerhaft unter dem Zeichen einer radikalen polemischen Dimension gegenüber den aktuellen Machtverhältnissen in Erinnerung bleiben. Scharen von Aktivisten belagerten die Eröffnungen im Gefühl einer wachsenden Ermüdung über die angebliche Zurückhaltung der Organisatoren und kritisierten die Vielzahl unrühmlicher Übersehen angesichts des Kriegsgrauens im Gazastreifen. Die Wucht der Empörung traf persönlich sogar die Regierung des von Wenders geleiteten Gremiums. Ein Wendepunkt zeichnete sich ab, als sich, zum absoluten Entsetzen des Saals, der der Rede von Abdallah Alkhatib lauschte, einer der an der Zusammenfassung teilnehmenden Staatsminister unerwartet von der roten Polsterung seines Stuhls erhob und eilig von der Veranstaltung flüchtete. Es war ein äußerst schmerzhaftes, diplomatisches Symbol für die sich vertiefenden gesellschaftlichen Zerwürfnisse, die durch externe Kriegskrisen ausgelöst wurden.

Perspektywy mediów: Sie begrüßen mit großer Begeisterung den Beitrag des Kinos, das für grundlegende Menschenrechte kämpft und die Strukturen korrupter Regime-Bürokratie entlarvt. Sie verurteilen entschieden das aufdringliche Vereinnahmen künstlerischer Bühnen durch politische Agitatoren, die Losungen von der eigentlichen Beurteilung des Films selbst losgelöst werfen.

Mentioned People

  • İlker Çatak — Deutsch-türkischer Regisseur und Gewinner des Goldenen Bären für "Yellow Letters"
  • Wim Wenders — Vorsitzender der internationalen Jury des Berlinale-Festivals
  • Sandra Hüller — Deutsche Schauspielerin in ausgezeichneten Filmen und Gewinnerin einer der Silbernen Bären-Statuetten
  • Lance Hammer — Amerikanischer Regisseur, ausgezeichnet für die Produktion "Queen at Sea"
  • Abdallah Alkhatib — Filmemacher, der während der Zeremonie über den Gazastreifen sprach
  • Yusuke Iwasaki — Japanischer Regisseur, verantwortlich für den siegreichen Animationsfilm in der Sektion Forum