Der spanische Kongress der Abgeordneten hat den kontroversen Gesetzentwurf der Partei Vox abgelehnt, der ein vollständiges Verbot des Tragens von Burkas und Niqabs im öffentlichen Raum vorsah. Die Initiative, die von der Volkspartei unterstützt wurde, scheiterte vor allem am Widerstand der katalanischen Partei Junts per Catalunya. Trotz der formalen Niederlage der Rechten hat die Debatte tiefe gesellschaftliche und politische Gräben in Bezug auf die Grenzen der Religionsfreiheit, der öffentlichen Sicherheit und der Wege zur Durchsetzung von Frauenrechten in einem modernen demokratischen Staat offengelegt.
Ablehnung des Vox-Gesetzentwurfs
Das Unterhaus des spanischen Parlaments lehnte den Gesetzentwurf, der das Tragen von Burkas und Niqabs im öffentlichen Raum verbieten sollte, mit 177 zu 160 Stimmen ab.
Gemeinden führen Einschränkungen ein
Trotz der Parlamentsentscheidung hat die Stadt Alcalá de Henares ein lokales Verbot für das Betreten von öffentlichen Einrichtungen mit vollständiger Gesichtsverschleierung erlassen.
Strategisches Spiel von Junts
Die katalanische Partei Junts per Catalunya blockierte das Vox-Gesetz, reichte aber gleichzeitig einen eigenen Gesetzentwurf ähnlicher Art ein, um politische Eigenständigkeit anzustreben.
Das spanische Parlament wurde zum Schauplatz eines heftigen ideologischen Streits, nachdem die rechte Partei Vox einen Gesetzentwurf zum Verbot der Gesichtsverschleierung an öffentlichen Orten eingebracht hatte. Diese Initiative richtete sich direkt gegen Burkas und Niqabs. Während einer hitzigen Debatte im Kongress der Abgeordneten argumentierten Befürworter des Verbots, dass solche Kleidungsstücke ein Symbol der Unterdrückung von Frauen seien und die Grundsätze der Gleichheit untergrüben. Die Volkspartei (PP) unterstützte den Antrag und betonte die Notwendigkeit, die Würde der Frauen zu schützen. Allerdings warfen linke und regionale Parteien der Rechten vor, Frauenrechte zu instrumentalisieren, um Islamfeindlichkeit zu schüren. Letztendlich wurde der Gesetzentwurf mit 177 zu 160 Stimmen abgelehnt. Seit 2011, als Frankreich als erstes europäisches Land ein Verbot der Gesichtsverschleierung an öffentlichen Orten einführte, haben unter anderem Belgien, Österreich und Dänemark ähnliche Regelungen übernommen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschied 2014, dass solche Verbote die Religionsfreiheit nicht verletzen, wenn sie dem Konzept des „gemeinsamen Zusammenlebens“ dienen. Eine Schlüsselrolle bei der Ablehnung des Gesetzentwurfs spielte die katalanische Partei Junts, die sich zwar ideologisch für eine Einschränkung der Vollverschleierung ausspricht, aber die Initiative von Vox nicht unterstützen wollte. Stattdessen reichte die Partei von Miriam Nogueras einen eigenen Gesetzentwurf ein, was auf den Versuch hindeutet, vor den anstehenden Regionalwahlen die Initiative in dieser Frage zu übernehmen. Parallel zu den Ereignissen in Madrid begannen lokale Gemeinden, eigenständig zu handeln. Ein Beispiel ist Alcalá de Henares, wo Stadträte von PP und Vox ein Verbot des Betretens städtischer Gebäude in Niqabs und Burkas beschlossen. Diese Situation schafft eine komplizierte rechtliche Landschaft, da der Oberste Gerichtshof bereits 2013 darauf hinwies, dass Einschränkungen der Religionsfreiheit den Rang eines nationalen Gesetzes erfordern. Abgeordnete stimmten gegen den Gesetzentwurf der Partei Vox Kritiker des Verbots, einschließlich muslimischer Organisationen, betonen, dass das Problem in Spanien marginal sei, da die Zahl der Frauen, die eine Vollverschleierung tragen, auf nur einige Dutzend bis einige Hundert Personen geschätzt wird. Der Sprecher des PSOE, Patxi López, bemerkte, dass repressives Recht zu einer noch größeren sozialen Isolation dieser Frauen führen könnte. Journalisten und Kommentatoren weisen wiederum auf den „Wettlauf um Härte“ zwischen rechten Parteien hin, die versuchen, Wähler zu gewinnen, die von Identitätsfragen besorgt sind. Diese Debatte, obwohl technisch durch die Ablehnung des Antrags beendet, bleibt im öffentlichen Raum offen und wird voraussichtlich bei der Prüfung des von Junts eingereichten Gesetzentwurfs wieder auf die Tagesordnung kommen.Dagegen: 177, Dafür: 160, Enthaltungen: 13 ["Ja, aus Sicherheits- und Gleichheitsgründen", "Nein, das ist eine Einschränkung der Religionsfreiheit", "Ja, aber nur in Behörden und Schulen", "Ich habe keine Meinung"]
Mentioned People
- Miriam Nogueras — Sprecherin der Partei Junts im Kongress, lehnte den Vox-Gesetzentwurf ab und förderte ihre eigene gesetzgeberische Initiative.
- Patxi López — Sprecher der Sozialisten im Kongress, kritisierte den Verbotsvorschlag als Form der Stigmatisierung.
- Susanna Griso — Fernsehjournalistin, die Politiker, die das Tragen der Burka im Namen der Toleranz verteidigen, scharf kritisierte.