Berberin, ein Pflanzenalkaloid, das in sozialen Medien als natürlicher Ozempic beworben wird, wirkt in erster Linie über den Darm und nicht durch einen direkten Einfluss auf den Stoffwechsel – das geht aus einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit von Forschern der Medizinischen Universität Warschau hervor. Die 2025 im „International Journal of Molecular Sciences“ veröffentlichte Studie „Berberine in Bowel Health: Anti-Inflammatory and Gut Microbiota Modulatory Effects“ zeigt, dass ihre Wirkung auf den Körper verteilt und indirekt ist und von der Darmmikrobiota abhängt. Die Wissenschaftler betonen, dass die Substanz kein Hormonpräparat ist und keine spezifischen Rezeptoren aktiviert, und dass der gewichtsreduzierende Effekt weder einfach noch garantiert ist.
Wirkung über den Darm, nicht direkt
Berberin ist kein Hormonpräparat und wirkt nicht durch die Aktivierung spezifischer Rezeptoren wie populäre Inkretin-basierte Medikamente vom Typ Ozempic. Ihr Einfluss auf den Stoffwechsel ist indirekt und erfolgt durch die Beeinflussung der Darmmikrobiota, von Entzündungen sowie der Integrität der Darmbarriere, wodurch sich die Bedingungen verändern, die den Stoffwechsel prägen.
Ergebnisse abhängig von individueller Flora
Die Effekte einer Berberin-Supplementierung sind weitgehend von der individuellen Zusammensetzung und Funktion der Darmbakterien einer Person abhängig. Das bedeutet, dass die Ergebnisse zwischen Personen, die dasselbe Präparat einnehmen, erheblich variieren können, was dem Versprechen einer einfachen und garantierten Wirkung widerspricht.
Am besten erforscht: Einfluss auf den Darm
Laut Wissenschaftlern ist der Einfluss von Berberin auf die Darmgesundheit am besten dokumentiert, einschließlich der Modulation der Mikroflora, der entzündungshemmenden Wirkung und der Unterstützung der Darmbarriere. Die Darm-Hirn-Achse ist eine vielversprechende Forschungsrichtung, aber ihre klinische Bedeutung bedarf weiterer Analysen.
Studie widerlegt Social-Media-Mythen
Die wissenschaftliche Übersichtsarbeit widerlegt populäre Mythen, die in sozialen Medien verbreitet werden, wo Berberin als einfache, pflanzliche und wirksame Alternative zu modernen Medikamenten zur Gewichtsreduktion dargestellt wird. Die Wissenschaft weist auf einen komplexeren, indirekten und weniger vorhersehbaren Wirkmechanismus hin.
Berberin, ein pflanzliches Alkaloid, das in sozialen Medien oft als „pflanzlicher Ozempic“ bezeichnet wird, wirkt in Wirklichkeit auf indirekte und von der Darmmikrobiota abhängige Weise, nicht über einen einfachen hormonellen Mechanismus – so das Ergebnis einer wissenschaftlichen Übersichtsarbeit Warschauer Forscher. Die 2025 veröffentlichte Arbeit eines Teams der Medizinischen Universität Warschau mit dem Titel „Berberine in Bowel Health: Anti-Inflammatory and Gut Microbiota Modulatory Effects“ wirft ein neues Licht auf die Wirkung dieser Substanz und stellt ihre populäre Darstellung als natürliches Äquivalent zu Inkretin-basierten Medikamenten in Frage. Die Wissenschaftler stellen klar, dass Berberin kein Hormonpräparat ist und keine spezifischen Rezeptoren im Körper aktiviert. Stattdessen, so die Autoren der Übersichtsarbeit, liegt der Schlüssel zur Wirkung von Berberin im Darm. Die Substanz beeinflusst die Darmmikrobiota, verringert Entzündungen und verbessert die Integrität der Darmbarriere. Diese Effekte sind eng mit der individuellen Zusammensetzung und Funktion der Darmbakterien verbunden, was bedeutet, dass die Ergebnisse der Supplementierung von Person zu Person erheblich variieren können. Somit findet das Versprechen eines einfachen und garantierten Gewichtsverlusts, das oft in Online-Vergleichen suggeriert wird, in der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnis keine Bestätigung. Das bedeutet, dass Berberin auf die Bedingungen einwirkt, unter denen sich der Stoffwechsel bildet, anstatt ihn direkt zu steuern. Berberin ist ein Alkaloid, das aus der Wurzel der Berberitze und anderen Pflanzen gewonnen wird und seit Jahrhunderten in der traditionellen asiatischen Medizin, u.a. in Ayurveda und der traditionellen chinesischen Medizin, verwendet wird. Das moderne Interesse an ihr im metabolischen Kontext begann in größerem Umfang mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, die ihr Potenzial zur Senkung des Blutzuckerspiegels und zur Unterstützung der Gewichtsreduktion nahelegten. Dr. n. med. inż. Anna Duda-Madej, die in den Analysen zitiert wird, betont, dass die mikrobiotische Ebene und ihr Zusammenhang mit der Darmbarriere und Entzündungsprozessen am besten erforscht sind. Besonders vielversprechend erscheint die Darm-Hirn-Achse, auch wenn ihre klinische Bedeutung weiterer Untersuchungen bedarf. Der Literaturüberblick in der renommierten Fachzeitschrift „International Journal of Molecular Sciences“ bestätigt, dass die mit dem Darm verbundenen Mechanismen am besten dokumentiert sind. In den sozialen Medien hingegen wird die Substanz zu einem unangefochtenen Star der Nahrungsergänzung, oft verglichen mit modernen Inkretin-basierten Medikamenten, was einen einfachen Mechanismus und garantierte Wirkung suggeriert, während die Wissenschaft auf einen komplexeren und heterogeneren Prozess hinweist.
Mentioned People
- Anna Duda-Madej — Wissenschaftlerin der Medizinischen Universität Warschau, Mitautorin der Übersichtsarbeit über Berberin