Am Montag, während des traditionellen Höhepunkts des Karnevals in Deutschland, präsentierte Jacques Tilly in Düsseldorf eine Reihe mutiger Satirewagen. Der deutsche Künstler, der derzeit von einem Moskauer Gericht wegen früherer Kritik am Kreml verfolgt wird, ließ sich nicht einschüchtern. Er bereitete drei neue Installationen vor, die sich gegen Wladimir Putin richten, darunter eine, die direkt den gegen ihn laufenden Strafprozess in Russland kommentiert.
Satirische Antwort auf die Anschuldigungen
Der Künstler Jacques Tilly präsentierte in Düsseldorf einen Wagen, der Putin zeigt, wie er einen Narren angreift, was eine Reaktion auf den Moskauer Prozess ist.
Gefängnisdrohung für den Künstler
Dem in Russland in Abwesenheit angeklagten Bildhauer drohen 10 Jahre Lager wegen angeblicher Beleidigung der Armee und des Präsidenten in früheren Werken.
Spaltung unter den Karnevalsstädten
Während Düsseldorf den Kreml angreift, verzichteten Köln und Mainz auf Wagen mit Putin, was Kontroversen auslöste.
Trump und AfD im Visier
Neben russischen Themen verspotteten Satiriker Donald Trump sowie den Aufstieg der Partei AfD in deutschen Umfragen.
Die diesjährigen Feierlichkeiten des Rosenmontags in den rheinischen Metropolen standen im Zeichen politischer Spannung und kompromissloser Satire. Die größte Aufmerksamkeit erregte Jacques Tilly, der berühmte Karnevalswagen-Designer aus Düsseldorf, der seit Monaten im Visier der russischen Justiz steht. Ein russisches Gericht wirft ihm Beleidigung von Staatsorganen und Streitkräften vor, wofür ihm im dortigen Rechtssystem sogar zehn Jahre Gefängnis drohen. Der Prozess, der in Abwesenheit geführt wird, soll am 26. Februar wieder aufgenommen werden. Tilly antwortete auf diese Maßnahmen in seinem einzigartigen Stil, indem er einen Wagen konstruierte, der einen riesigen, bedrohlichen Wladimir Putin zeigt, der einen kleinen Karnevalsnarren mit einem Schwert durchbohrt. Dieser Narr, das Alter Ego des Künstlers, wehrt den Angriff nur mit einer Papierklappe ab, was den Kampf der freien Meinungsäußerung gegen den unterdrückenden Staatsapparat symbolisieren soll. Wie Tilly selbst erklärte, handelt es sich um einen „Kampf mit sehr ungleichen Waffen”, bei dem Papiersatire auf die repressive Maschinerie des Kremls trifft. Daneben gab es in der Stadt andere Motive, darunter Donald Trump in einer zweideutigen Allianz mit dem russischen Führer. Die Tradition politischer Wagen in Düsseldorf reicht in die Nachkriegszeit zurück, als der Karneval zu einem Sicherheitsventil für Kritik an der Macht wurde. Jacques Tilly erweitert seit 1984 die Grenzen dieser Freiheit und macht aus dem rheinischen Umzug ein Ereignis von globaler Reichweite. Während in Düsseldorf auf Konfrontation gesetzt wurde, zeigten sich die Karnevalskomitees in Köln und Mainz zurückhaltender und verzichteten in diesem Jahr auf direkte Darstellungen Putins auf offiziellen Wagen. Dies löste eine Debatte über die Grenzen der Selbstzensur aus, obwohl sich die Organisatoren aus Köln mit Tilly durch andere Gesten solidarisierten, wie etwa Plakate, die künstlerische Freiheit fördern und von der Gruppe Blau-Gelbes Kreuz getragen wurden. Trotz frostiger Witterung gingen Hunderttausende auf die Straßen deutscher Städte, und der traditionelle Zoch in Köln erstreckte sich über eine Länge von sieben Kilometern. „Das ist ein Kampf mit sehr ungleichen Waffen. Auf der einen Seite die scharfen Waffen des russischen Staates, auf der anderen unsere Satire, die nur aus Papier ist und nicht tötet.” — Jacques Tilly 10 Jahre — so viel Gefängnis droht Tilly im Prozess vor dem Moskauer Gericht Die übrigen Plattformen konzentrierten sich auf innere deutsche Angelegenheiten und die bevorstehenden Wahlen in den USA. Die Satiriker verschonten auch Oppositionsführer wie Friedrich Merz oder kontroverse Aktionen der Partei AfD nicht. Die gesamte Veranstaltung zeigte, dass der deutsche Karneval einer der wenigen Orte bleibt, an dem politische Korrektheit einem schonungslosen Kommentar der Realität weicht, selbst angesichts realer Strafdrohungen von externen Mächten.
Mentioned People
- Jacques Tilly — Deutscher Bildhauer und Satiriker, Schöpfer legendärer Karnevalswagen in Düsseldorf.
- Władimir Putin — Präsident Russlands, Hauptziel von Tillys Satire und Initiator des Strafverfahrens gegen ihn.
- Donald Trump — Ehemaliger Präsident der USA, auf Wagen im Kontext seiner Beziehungen zu Russland dargestellt.