Nvidia legte rekordhafte Quartals- und Jahresergebnisse vor, doch ihre Aktien fielen am Donnerstag um etwa 5,5 % und zogen den Halbleitersektor und den Nasdaq nach unten. Investoren konzentrierten sich trotz des Umsatzwachstums im Rechenzentrumssegment auf Bewertungen, das Risiko einer "KI-Blase" und Signale zu Lieferengpässen bei Chips. In Europa blieb die Stimmung gemischt, während einige Märkte Rekorde knackten.
Rekordumsätze und Gewinn
Das Unternehmen meldete 68,1 Milliarden US-Dollar Quartalsumsatz und ein starkes Jahr-zu-Jahr-Wachstum, während das Rechenzentrumssegment seinen Umsatz um etwa 75 Prozent steigerte.
Kursrückgang trotz Ergebnisse
Die Aktien von Nvidia verloren etwa 5,5 Prozent, was den Nasdaq und Halbleiterindizes belastete; Investoren verwiesen auf hohe Bewertungen und Bedenken bezüglich einer KI-Blase.
Rotation auf europäischen Märkten
In Europa hielten sich einige Indizes im Plus und erreichten Rekorde, aber mit Chips verbundene Unternehmen, darunter ASML, gerieten unter Druck nach dem Rückgang von Nvidia in den USA.
Signale zu Lieferengpässen
Das Management von Nvidia warnte davor, dass der Engpass bei Chips für den Gaming-Markt bis zum Jahresende anhalten könnte, was die Ergebnisse des Gaming-Segments in den kommenden Quartalen beeinträchtigen könnte.
Nvidia meldete Rekordergebnisse für das letzte Quartal des Geschäftsjahres, mit Umsätzen von 68,1 Milliarden US-Dollar und einem Umsatzsprung im Jahresvergleich von etwa 73 %. Das Unternehmen gab auch an, dass die Umsätze im Rechenzentrumssegment um 75 % gestiegen sind, was das Ausmaß der Nachfrage nach Infrastruktur für künstliche Intelligenz bestätigte. Trotzdem fiel der Kurs des Unternehmens am Donnerstag um ca. 5,5 %, und die Verluste erfassten breiter den Halbleitersektor, was den Nasdaq Composite sowie branchenspezifische Indizes belastete. Bei Schluss stand der Dow Jones nahezu unverändert, während der breite S&P 500 nachgab und der VIX-Index stieg, was größere Nervosität signalisierte. Einige Marktkommentare wiesen darauf hin, dass bei KI-bezogenen Unternehmen die Latte der Erwartungen schneller steigt als die Ergebnisse selbst und Investoren das Risiko einer Überbewertung diskontieren. Veränderungen ausgewählter Indizes und Unternehmen: Nvidia: -5.5, Nasdaq Composite: -1.2, S&P 500: -0.5, Dow Jones: 0.03, VIX: 4.24 68,1 Mrd. USD — Rekord-Quartalsumsatz „Computing demand is growing exponentially.” (Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst exponentiell.) — Jensen Huang
In den 1990er und frühen 2000er Jahren durchliefen die Märkte mehrfach Phasen der Euphorie um neue Technologien, die in dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 gipfelten. Seither vergleichen Investoren die Wachstumsdynamik von Technologieunternehmen häufiger mit ihren Bewertungen und der tatsächlichen Verbreitung der Lösungen. In Innovationszyklen profitierten nicht nur "Plattform"-Unternehmen, sondern auch Infrastrukturanbieter.
Das Thema Bewertungen und Nachhaltigkeit der Renditen von KI-Investitionen tauchte auch in europäischen Kommentaren wieder auf: Einige Investoren rotierten aus teuren, mit Chips verbundenen Unternehmen in solche, die als potenziell von "KI-Disruption" betroffen, aber unterbewertet angesehen werden. In Europa hielt sich der Stoxx 600 Index nahe der Null-Linie, während die Aktien von ASML fielen, als der Markt auf die Bewegung von Nvidia reagierte. Gleichzeitig schlossen einige Parkette im Plus: Mailand stieg um etwa 0,54 %, und in Großbritannien schloss der FTSE 100 auf einem Rekordhoch. In Spanien erreichte der Ibex 35 ebenfalls einen historischen Höchststand. Im Hintergrund tauchten rohstoff- und währungsbezogene Faktoren auf, darunter ein sich festigender Dollar sowie Ölpreisschwankungen im Kontext der USA-Iran-Gespräche. „"The market is set up to prove its point, and Nvidia just didn't quite do it with those results."” (Der Markt ist darauf eingestellt, seinen Standpunkt zu beweisen, und Nvidia hat das mit diesen Ergebnissen einfach nicht ganz geschafft.) — Tom Graff
Ein weiteres Element des Bildes waren Signale aus dem Ergebnisgespräch von Nvidia zu Lieferengpässen bei bestimmten Chips, insbesondere für den Gaming-Segment, was die Ergebnisse im laufenden Quartal belasten könnte. CFO Colette Kress sprach von einer "sehr angespannten" Versorgungslage über mehrere Quartale hinweg, mit einer Chance auf Besserung erst gegen Jahresende. Dies schürte Fragen zur Verfügbarkeit von Speicher und Komponenten in der gesamten Lieferkette sowie dazu, ob die Marktkapitalisierung von Nvidia dem Gewinnwachstum vorauseilt. Einige Analysten erhöhten ihre Prognosen und Kursziele, doch parallel wuchs die Diskussion darüber, ob der Markt nicht nur gute Quartale, sondern auch eine mehrjährige, stabile Wachstumstrajektorie erwartet.
Mentioned People
- Jensen Huang — CEO von Nvidia, kommentierte die Nachfrage nach Rechenleistung für KI.
- Colette Kress — Finanzvorstand von Nvidia, sprach über Lieferengpässe bei Chips für das Gaming-Segment.
- Tom Graff — Investmentdirektor bei Facet, zitiert im Kontext der Marktreaktion auf die Nvidia-Ergebnisse.
- Jake Johnston — Portfoliomanager bei Advisors Asset Management, wies auf das Bewertungsproblem bei KI-Aktien hin.
- Charu Chanana — Chefinvestmentstrategin bei Saxo Markets, beurteilte die anhaltende Volatilität bei KI-Aktien.
- Gabriel Debach — Analyst bei eToro, kommentierte, dass der Markt auf eine mehrjährige Trajektorie schaut, nicht auf ein Quartal.
- Dan Ives — Analyst bei Wedbush, beurteilte die Ergebnisse positiv und verwies auf eine mögliche Aufwertung des Unternehmens.
- Gene Munster — Investor und Marktkommentator, von der BBC im Kontext der Marktskepsis gegenüber KI-Ausgaben zitiert.
- Richard Clode — Portfoliomanager, in Marktkommentaren zur US-Handelsession zitiert.