
Zürcher Polizei setzt Wasserwerfer und Gummigeschosse gegen Gegendemonstranten bei Abtreibungs-Marsch ein
Die Zürcher Polizei setzte am Samstag Wasserwerfer und Gummigeschosse ein, nachdem etwa 200 maskierte Gegendemonstranten auf Fahrrädern die jährliche Marsch-fürs-Läbe-Demonstration in Oerlikon blockiert hatten.
Konfrontation entlang der Demonstrationsroute
Mehr als 1.000 Abtreibungsgegner versammelten sich am Samstagnachmittag auf dem Marktplatz in Zürich-Oerlikon zum jährlichen Marsch fürs Läbe. Teilnehmer aller Altersgruppen, darunter Familien, Kinder und Großeltern, versammelten sich hinter Sichtschutzzäunen, bevor sie unter dem Motto „Gemeinsam für das Leben“ durch den Bezirk zogen. Nur wenige hundert Meter hinter dem Startplatz kam der Zug zum Stillstand, als etwa 200 maskierte Gegendemonstranten auf Fahrrädern die Kreuzung blockierten. Die Gegendemonstranten schoben große Müllcontainer auf die Fahrbahn, zündeten Rauchpetarden und Feuerwerkskörper und riefen Parolen gegen religiöse Fundamentalisten. Die Zürcher Polizei forderte die Radfahrer per Lautsprecher auf, die Straße zu räumen, und wies sie darauf hin, dass sie eine genehmigte Versammlung behinderten. Als die Gruppe sich weigerte weiterzugehen und begann, Glasflaschen auf Polizisten zu werfen, setzte die Polizei zwei Wasserwerfer ein und feuerte Gummigeschosse ab, um die Straße zu räumen.
Während des Umzugs versuchten mehrere Dutzend Personen, einige auf Fahrrädern, wiederholt, die Demonstration zu blockieren oder zu stoppen.
Verlegungsstreitigkeiten und kommunale Beschwerden
Die Versammlung fand zum sechsten Mal in Folge im nördlichen Bezirk Oerlikon statt, nachdem die Stadtverwaltung einen Antrag auf einen Marsch durch die Zürcher Innenstadt abgelehnt hatte. Die Stadt Zürich hatte die Demonstration ursprünglich nach den gewaltsamen Ausschreitungen, umfangreichen Sachschäden und Verletzungen bei der Veranstaltung 2019 nach Oerlikon verlegt. Konservativ-christliche Organisatoren äußerten ihre Enttäuschung über den anhaltenden Ausschluss aus der Innenstadt und argumentierten, dass die Sicherheitsauflagen ihre Veranstaltung unfair benachteiligten. Vom Hauptpodium auf dem Marktplatz aus kritisierte die Vorsitzende des Organisationskomitees, Beatrice Gall, die Entscheidung der Stadt. Gall und ihre Mitveranstalter bestätigten, dass sie formelle Beschwerde beim Bezirksrat eingelegt und eine öffentliche Petition gestartet haben, um die Genehmigung für künftige Kundgebungen in der Innenstadt zu fordern.
Leider sind wir wieder einmal in Oerlikon!
Polizeiliche Sicherheitsmaßnahmen und Festnahmen
Die Zürcher Polizei errichtete strenge Sicherheitsmaßnahmen rund um den Marktplatz, wo freiwillige Ordner an den Eingängen Rucksäcke und Taschen kontrollierten. Nach vorherigen Aufrufen zu Störungen in sozialen Netzwerken überprüften Beamte mehrere Dutzend Personen in den umliegenden Straßen und erließen vor Beginn Platzverweise. Die Behörden nahmen zwei Personen vorläufig fest wegen des Verdachts auf Gewalt und Drohungen gegen Polizeibeamte und überstellten sie zur Untersuchung an eine örtliche Polizeiwache. Mit Helmen, Schutzschilden und Schrotflinten ausgerüstete Beamte rückten in Formation vor, um die beiden gegnerischen Lager den Nachmittag über getrennt zu halten. Obwohl Gegendemonstranten an mehreren Kreuzungen entlang der Strecke wieder auftauchten, hielten die Absperrungen, sodass der Marsch weiterziehen konnte, bevor die Teilnehmer kurz vor 18:00 Uhr zum Marktplatz zurückkehrten, um die Versammlung zu beenden.
- Der erste jährliche Marsch fürs Läbe findet in Zürich vor dem Bundesfasttag statt.
- Ausschreitungen und Sachschäden ereignen sich während der Demonstration in der Zürcher Innenstadt.
- Die Stadtverwaltung verbietet den Marsch in der Zürcher Innenstadt und verlegt ihn nach Oerlikon.
- Gegendemonstranten treffen in Oerlikon ein, während sich über 1.000 Marschierer versammeln.
- Teilnehmer kehren zum Marktplatz zurück, um die Veranstaltung zu beenden, nachdem die Polizei Blockaden geräumt hat.
Thematischer Schwerpunkt und politische Vertretung
Der glaubensbasierte Marsch findet seit 2010 jährlich am Samstag unmittelbar vor dem Bundesfasttag statt. In diesem Jahr widmeten die Organisatoren das Programm der Rolle von Männern und Vätern, mit Schwerpunkt auf der Verantwortung von Partnern gegenüber ungeborenen Kindern und Familien sowie der persönlichen Belastung von Männern nach unerwarteten Schwangerschaftsabbrüchen. Eingeladene politische Persönlichkeiten sprachen zu der Menge, darunter Nicolas Kolly, Nationalrat der Schweizerischen Volkspartei aus dem Kanton Freiburg. Linke Gruppen, die sich gegen 15:00 Uhr versammelten, um gegen die Versammlung zu protestieren, kritisierten die Organisatoren weiterhin dafür, dass sie das Recht der Frauen auf körperliche Selbstbestimmung einschränken und pauschalisierte Darstellungen von Abtreibungen präsentieren wollten.


