
Xhakas „Redet nur weiter“-Geste und Manzambis Doppelpack heben Schweiz nach toxischem Start über Bosnien
Kapitän Granit Xhaka verwandelte einen späten Elfmeter und zeigte eine „Redet, so viel ihr wollt“-Geste, nachdem zuvor seine Führungsqualitäten kritisiert worden waren. Johan Manzambis Doppelpack bescherte der Schweiz einen 4:1-Sieg, der sie auf Kurs fürs Achtelfinale hält.
Eine angespannte Vorbereitung
Die Schweiz ging unter schwerem Druck in ihr zweites Gruppenspiel der Gruppe B gegen Bosnien-Herzegowina. Das 1:1 im Auftaktspiel gegen Katar war als Enttäuschung gewertet worden, und die öffentliche Kritik von Kapitän Granit Xhaka hatte die Tage seither bestimmt. Trainer Murat Yakin gab zu, die falschen Auswechslungen vorgenommen zu haben, und nahm die Schuld auf sich, während Mittelfeldspieler Remo Freuler einräumte, dass die Aussicht auf ein frühes Aus plötzlich real geworden sei.
Vielleicht brauche ich das ein bisschen, diese Provokationen, diese Meinungen von außen.
Berichte in Schweizer Medien hatten Xhakas Verhalten als „toxisch“ beschrieben und auf Unruhe im Lager angespielt. Kein Teamkollege hatte die Vorwürfe öffentlich angesprochen, bis Freuler sagte, dass Spieler Kritik aushalten müssten. „Wer das nicht kann, ist im Fußball falsch“, fügte er hinzu.
Manzambi liefert nach schwachem Start
Johan Manzambi, der 20-jährige Stürmer des SC Freiburg, war nach dem Katar-Spiel einer der von Xhaka kritisierten Ersatzspieler gewesen. Gegen Bosnien stand er wieder in der Startelf und traf zweimal, wofür er zum Spieler des Spiels gewählt wurde. Sein erstes Tor fiel früh in der zweiten Halbzeit, sein zweites half, die Partie vorzeitig zu entscheiden, bevor Ruben Vargas das dritte Tor nachlegte.
Wenn er bereit ist, wenn sein Kopf klar ist, kann er helfen. Das hat er im ersten Spiel nicht gemacht, heute hat er es gemacht.
Xhaka ließ Manzambi den späten Elfmeter trotz der Chance auf einen Hattrick nicht schießen und sagte, die Zeit des jungen Spielers werde noch kommen. Der Kapitän selbst trat an und verwandelte den Strafstoß tief in der Nachspielzeit, was einen Endstand bescherte, der komfortabler wirkte, als es die Leistung über weite Strecken gewesen war.
Die „Redet nur weiter“-Geste
Xhakas ausgelassener Jubel nach seinem Elfmeter wurde zum prägenden Bild des Abends. Er öffnete und schloss mehrmals seine Hand vor dem Mund – eine Geste, die weithin als an die Schweizer Medien und Kritiker gerichtet verstanden wurde, die seinen Einfluss in Frage gestellt hatten. Hinterher sagte er, die Berichterstattung habe ihn getroffen, aber er sehe darin, auf dem Platz zu liefern, die einzige Antwort, die er kontrollieren könne.
Ich würde lügen, wenn ich sagte, es ginge hier rein und hier raus. Es tut weh, weil es Dinge gibt, die ich nicht verstehe.
Er räumte ein, dass er manchmal Reaktionen provoziere, und erkannte an, dass manche Menschen keine Kritik vertrügen. Aber er betonte, dass er sich immer zuerst selbst kritisiere und dass nur die Unterstützung seiner Teamkollegen und des Trainers zähle.
Ein erleichtertes Lager blickt nach vorn
Trotz der Spannungen feierten die Schweizer Spieler nach jedem Tor und beim Abpfiff gemeinsam. Freuler betonte, die Stimmung sei weiterhin gut und die Mannschaft habe auf die Katar-Enttäuschung reagiert. Yakin, der die Schuld für seine Auswechslungen auf sich genommen hatte, hat nun vier Punkte aus zwei Spielen und steht vor dem letzten Gruppenspiel gegen die Co-Gastgeber Kanada am Mittwoch, das über den Einzug ins Achtelfinale entscheidet.
Wir werden am Donnerstag auf Sieg spielen und wollen die drei Punkte holen.
Bosniens Trainer Sergej Barbarez hatte vor dem Spiel forsch getönt, seine Mannschaft wolle die größeren Nationen schlagen. Verteidiger Nikola Katic nannte es respektlos, dass Bosniens Playoff-Sieg gegen Italien als italienischer Ausrutscher abgetan worden sei. Doch die individuelle Klasse der Schweiz, verkörpert durch Manzambis Spritzigkeit und Xhakas Führungsstärke, machte im SoFi Stadium den Unterschied.


