May el-Toukhy bringt den Nachkriegsthriller „Woman Unknown“ im Wettbewerb von Venedig zur Premiere
Die dänische Filmemacherin May el-Toukhy präsentierte am 6. September 2026 in Venedig ihren Film „Woman Unknown“, der sich mit der öffentlichen Ächtung dänischer Frauen befasst, die während des Krieges der Kollaboration mit deutschen Truppen beschuldigt wurden.
Premiere im Wettbewerb von Venedig
Die dänisch-ägyptische Regisseurin May el-Toukhy präsentierte am 6. September 2026 ihren dritten Spielfilm „Woman Unknown“ im Hauptwettbewerb der Filmfestspiele von Venedig. Das Historiendrama erscheint sieben Jahre nach ihrem Film „Queen of Hearts“ aus dem Jahr 2019, der 2023 von Catherine Breillat in Frankreich als „Last Summer“ neu verfilmt wurde. El-Toukhy entwickelte das Projekt nach Regiearbeiten für Fernsehserien wie „The Crown“ und „Cry Wolf“. Gemeinsam mit der Drehbuchautorin Maren Louise Käehne verfasst, wurde der Film als Dreiländer-Koproduktion zwischen Dänemark, Schweden und Lettland realisiert. Der Titel konkurriert auf dem Lido um die höchste Auszeichnung des Festivals, den Goldenen Löwen.
- Veröffentlichung des Regiedebüts „Long Story Short“
- Veröffentlichung des zweiten Spielfilms „Queen of Hearts“
- Weltpremiere des dritten Spielfilms „Woman Unknown“ im Wettbewerb von Venedig
Nachkriegserzählung und Themen
Die Handlung spielt 1945 in Kopenhagen unmittelbar nach dem Ende der NS-Besatzung Dänemarks. Im Mittelpunkt steht Marie, gespielt von Mathilde Arcel, eine aufmerksame Hausangestellte und Kindermädchen, die mit ihrem wohlhabenden, älteren Arbeitgeber Christian, dargestellt von Carsten Bjørnlund, verlobt ist. Christian besitzt eine Kleidungs- und Handschuhfabrik und lebt mit seiner kleinen Tochter Leonora (Flora Yde Sander) in einer gehobenen Mittelklassewohnung. Leonora bewahrt ein verstecktes Foto ihrer verstorbenen Mutter unter ihrem Kopfkissen auf. Während der Hochzeitsvorbereitungen wird Marie angewiesen, das Kleid von Christians verstorbener Frau mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einer Änderungsschneiderin zu bringen. Dabei verbirgt sie eine sexuelle Beziehung mit einem deutschen Soldaten während des Krieges und sieht sich der Gefahr ausgesetzt, von Widerstandskämpfern entdeckt zu werden.
Kreative Ursprünge und Perspektive
El-Toukhy und Käehne entwickelten das Projekt, nachdem sie ein Archivfoto aus den 1940er Jahren studiert hatten, das eine Frau mit einem aufgemalten Hakenkreuz auf dem Rücken zeigt. Die Regisseurin erkundete zunächst ein Drehbuch über Hexenprozesse zur Reformationszeit, verlagerte die Erzählung dann aber auf das Überleben von Frauen und die Fokussierung auf weibliche Körper während der nationalen Befreiung.
Die Gründe, warum sie diese Frauen jagten, waren einfach nicht so interessant.
Die Regisseurin stellte fest, dass die historische Filmkunst rund um den Konflikt lange Zeit weibliche Berichte zugunsten von militärischen Kämpfen vernachlässigt habe.
Es gibt so viele Filme über den Zweiten Weltkrieg, und das stimmt. Aber sie basieren fast alle auf männlichen Erfahrungen und Erinnerungen an den Krieg. Das hat mich wirklich beflügelt. Machen wir doch einfach noch 100 Filme über die Frauen in dieser Zeit, und dann können wir sagen, dass wir damit durch sind, wissen Sie?
Produktion und Kritikerrezeption
Die Produktion zeichnet sich durch die Kameraarbeit von Jasper Spanning, das Szenenbild von Sabine Hviid und eine schlagzeuglastige Filmmusik von Mikkel Hess aus. Zum Nebencast gehören Marina Bouras als strenge Haushälterin Esther und Sofia Nolsøe als Frau Berg, eine unabhängige alleinerziehende Mutter von nebenan. Auf den Straßen vor der Wohnung operieren Widerstandsgruppen mit militärischer Autorität, rasieren den Köpfe beschuldigter Kollaborateurinnen und bringen Hakenkreuze auf ihren Körpern und an ihren Türen an. Kritiker auf dem Lido lobten Arzels beherrschte Darstellung und stellten thematische Parallelen des Drehbuchs zu klassischen psychologischen Thrillern der Jahrhundertmitte fest, darunter Alfred Hitchcocks „Rebecca“.


