
Deutsches Wohnungsdefizit erreicht 1,35 Millionen Wohneinheiten, Bau sinkt auf 206.600
Eine Studie des Pestel-Instituts zeigt, dass Deutschland 1,35 Millionen Wohnungen fehlen, was die Steuereinnahmen um rund 7 Milliarden Euro schmälert und das Bruttoinlandsprodukt um 0,6 Prozentpunkte senkt.
Ausmaß des Defizits
Deutschland steht vor einem landesweiten Fehlbestand von 1,35 Millionen Wohnungen, so die am 26. August 2026 vom Pestel-Institut in Berlin veröffentlichte Studie "Bau-Monitor 2026". Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen sank 2025 auf 206.600 Einheiten – das niedrigste Bauvolumen seit 2012 und weit unter dem geschätzten jährlichen Bedarf von 300.000 Einheiten. Zwischen 2023 und 2025 gingen die jährlichen Fertigstellungen bundesweit um rund 84.600 Einheiten zurück. Das Ifo-Institut prognostiziert für 2026 einen weiteren Rückgang auf 185.000 Fertigstellungen. Obwohl die Baugenehmigungen im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,1 % auf 126.300 Einheiten stiegen, erwarten Branchenvertreter nicht, dass dieser Anstieg die geringeren Fertigstellungen verhindern kann.
- 2022
- 295000 Einheiten
- 2023
- 295000 Einheiten
- 2024
- 251900 Einheiten
- 2025
- 206600 Einheiten
- 2026 (Prognose)
- 185000 Einheiten
Wirtschaftliche und fiskalische Folgen
Der Rückgang im Wohnungsbau zwischen 2023 und 2025 führte zu einem Nettoerlösverlust von 26,9 Milliarden Euro für den Bausektor. Das Bruttoinlandsprodukt lag um 0,6 Prozentpunkte niedriger als es bei einer Basis von 300.000 jährlichen Fertigstellungen gewesen wäre, was zu einem gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtsverlust von mindestens 1 % beitrug. Das Defizit reduzierte die Steuereinnahmen von Bund und Ländern um rund 7 Milliarden Euro. Die Umsatzsteuereinnahmen sanken um 5,1 Milliarden Euro, während die Grunderwerbsteuereinnahmen um 1,9 Milliarden Euro zurückgingen. Pestel-Institutsleiter Matthias Günther äußerte sich in Berlin zu der Situation.
Es werden so viele Wohnungen benötigt wie seit langem nicht, und es werden so wenige Wohnungen gebaut wie seit langem nicht. Beides kommt zusammen: Das ist toxisch.
Regionale Engpässe und Arbeitskräftemangel
Das Defizit konzentriert sich auf wirtschaftsstarke Bundesländer und große Ballungsräume. Nordrhein-Westfalen verzeichnet mit 364.000 Einheiten den größten einzelnen Fehlbestand, gefolgt von Bayern mit 220.000 und Baden-Württemberg mit 201.000. In Norddeutschland fehlen in Niedersachsen 123.000 Wohnungen, in Schleswig-Holstein 44.000, in Hamburg 23.000 und in Mecklenburg-Vorpommern 13.000, während Berlin ein Defizit von mindestens 58.000 Einheiten aufweist. In Bayern beliefen sich die Steuerausfälle auf 1,3 Milliarden Euro bei der Umsatzsteuer, über 350 Millionen Euro bei der Grunderwerbsteuer und mehr als 600 Millionen Euro bei der Einkommensteuer, während die Nettokaltmieten zwischen März 2015 und März 2026 um mehr als 70 % stiegen. Das Pestel-Institut wies darauf hin, dass die Wohnungsknappheit Arbeitnehmer daran hindert, für eine Beschäftigung umzuziehen, sodass offene Stellen unbesetzt bleiben.
- Nordrhein-Westfalen
- 364000 Wohnungen
- Bayern
- 220000 Wohnungen
- Baden-Württemberg
- 201000 Wohnungen
- Niedersachsen
- 123000 Wohnungen
- Berlin
- 58000 Wohnungen
- Schleswig-Holstein
- 44000 Wohnungen
- Hamburg
- 23000 Wohnungen
- Mecklenburg-Vorpommern
- 13000 Wohnungen
Politische Forderungen und Subventionskürzungen
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel, der die Studie in Auftrag gegeben hatte, kritisierte die Haushaltspläne der Bundesregierung, die Wohnungsbauförderung um 1,4 Milliarden Euro zu kürzen, sodass für 2027 nur noch 2 Milliarden Euro vorgesehen sind. Verbandspräsidentin Katharina Metzger sprach sich für die Einführung vereinfachter Baustandards vom Typ E aus.
Der Einbruch im Wohnungsbau ist fatal. 2026 erwarten wir einen weiteren schweren Schlag: nur 185.000 neue Wohnungen, so die Prognose.
Der Verband forderte die Bundesgesetzgeber auf, Mehrfamilienhäuser mit bis zu zwölf Einheiten ohne separate Baugenehmigung zu erlauben, sofern sie den örtlichen Bebauungsplänen entsprechen. Matthias Günther rief das Kabinett von Bundeskanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil dazu auf, den Wohnungsbau als zentrale wirtschaftliche Priorität zu behandeln.


