Kurz gefasst
Am 21. Oktober 2026 dankte der US-Gesandte in Sankt Petersburg Putin für die Freilassung eines 74-jährigen Amerikaners – eine Freilassung, die es nach Darstellung Trumps ohne den Verzicht auf Sanktionen nicht gegeben hätte.
Senator Thom Tillis nannte die Äußerungen peinlich und ungeheuerlich, Senator John Cornyn schrieb, Putin sei ein skrupelloser Mörder.
Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre sagte dem Sender NRK, ein hochrangiges Treffen zwischen Russland, den USA und der Ukraine sei grundsätzlich vereinbart, wahrscheinlich Mitte November 2026.
- 20.10.Witkoff trifft Selenskyj in Oslo, auch Stubb und Støre nehmen teil
- 21.10.Witkoff trifft Putin in Sankt Petersburg
- 21. Oktober, abendsWitkoff kehrt nach Oslo zurück und spricht etwas mehr als eine Stunde mit Støre an Bord dessen Jets
Witkoffs Reise nach Oslo und Petersburg
Der US-Gesandte Steve Witkoff traf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am 20. Oktober 2026 in Oslo; auch der finnische Präsident Alexander Stubb und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre nahmen teil. Am 21. Oktober flog er nach Sankt Petersburg, um Wladimir Putin zu treffen. Am Abend kehrte er nach Oslo zurück, tauschte seine formelle Kleidung gegen Jeans und Turnschuhe und sprach etwas mehr als eine Stunde mit Støre an Bord dessen Jets. Støre sagte später dem Sender NRK, die Seiten hätten grundsätzlich ein hochrangiges trilaterales Treffen zwischen Russland, den Vereinigten Staaten und der Ukraine vereinbart, wahrscheinlich Mitte November. Er fügte hinzu, Witkoff habe Putin vermutlich die Arbeiten an einem Waffenstillstand geschildert, der Getreide- und Energieexporte über das Schwarze Meer sichern solle; Einzelheiten der Gespräche in Petersburg nannte er jedoch nicht.
Lob für Putin und Gegenwind aus den eigenen Reihen
In Sankt Petersburg lobte Witkoff Putin als Menschenfreund und zollte ihm Anerkennung – Äußerungen, die russische Staatsmedien aufzeichneten und die sich im Netz weit verbreiteten. Er dankte Putin zudem für die Freilassung eines 74-jährigen Amerikaners, der in Isjum in der Ukraine lebt und den Russland gefangen genommen und verurteilt hatte, weil er angeblich für die ukrainische Armee gekämpft habe. Senator Thom Tillis, der den Senat bald verlässt, nannte die Äußerungen peinlich und ungeheuerlich und forderte Witkoff auf, die Familien der von Putin verschleppten Kinder zu fragen, ob sie dem zustimmen. Senator John Cornyn schrieb, Putin sei ein skrupelloser Mörder. Tillis ist einer von mehreren Politikern, die die jüngste Annäherung der Regierung an Moskau kritisieren, darunter der Verzicht auf Sanktionen nach dem Gesetz, das den Namen Lindsey Grahams trägt. Trump hat erklärt, viele Kritiker hätten ihn angerufen, um sich zu entschuldigen; er argumentierte, die Freilassung wäre ohne den Verzicht auf diese Sanktionen nicht möglich gewesen, und beteuerte, die Vereinigten Staaten hätten Russland nichts im Gegenzug gegeben.
Stockende Gespräche und die Haltung des Kremls
Der BBC-Russlandkorrespondent Steve Rosenberg urteilte, die jüngste US-Diplomatie habe keinen Durchbruch zur Beendigung des Krieges gebracht. Er argumentierte, Putin verspüre keinen Druck, den Konflikt zu beenden, weil Trump engere und profitablere Beziehungen zu Moskau wolle. Rosenberg hält ein Treffen der Staatschefs von Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten, auf das Selenskyj drängt, kurzfristig für unwahrscheinlich. Der Kreml wolle zuerst ein Treffen der Staatschefs von Russland, den Vereinigten Staaten und China, was Putin nach Rosenbergs Worten nach fast fünf Jahren Krieg unter die führenden Politiker der Welt bringen würde. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow sagte, die ukrainische und europäische Position, die Witkoff aus Oslo mitgebracht habe, sei für die Lösung der Krise nicht besonders nützlich. Reuters berichtete, Putin habe zugestimmt, die Friedensverhandlungen mit der Ukraine unter Beteiligung der USA wieder aufzunehmen, und der Kreml erklärte am 21. Oktober, die Gespräche könnten im November 2026 beginnen.
Die Kämpfe in der Ukraine gehen weiter
Während der Diplomatie gingen die russischen Angriffe weiter. In der Nacht vom 20. auf den 21. Oktober wurden bei Angriffen auf Kiew und Charkiw drei Menschen getötet. Die Vereinten Nationen erklärten, im September seien 328 Zivilisten bei russischen Angriffen getötet worden. Russland greift zudem weiterhin die Energieinfrastruktur der Ukraine an, was Sorgen mit Blick auf den kommenden Winter auslöst. Der Internationale Strafgerichtshof erließ 2023 einen Haftbefehl gegen Putin wegen der mutmaßlich rechtswidrigen Deportation und Verbringung ukrainischer Kinder aus besetzten Gebieten nach Russland.