
FIFA schlägt 10-Milliarden-Dollar-WM-Geschäft mit privaten Investoren vor – EU, UEFA und nationale Verbände laufen Sturm
Gianni Infantinos Vorschlag, die kommerziellen Rechte und Turniere der FIFA in eine neue, für private Investitionen offene Gesellschaft auszugliedern, hat heftigen Widerstand von EU, UEFA und europäischen Verbänden ausgelöst.
Die FIFA hat vorgeschlagen, eine private Gesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) zu gründen, um alle kommerziellen Rechte und Turnierabläufe zu bündeln und Minderheitsbeteiligungen an externe Investoren zu verkaufen. Der Plan, der in einem Brief von FIFA-Präsident Gianni Infantino an die Mitgliedsverbände angekündigt wurde, verspricht, über vier Jahre mehr als 10 Milliarden Dollar für die Fußballentwicklung freizusetzen, mit einer ersten Kapitalerhöhung von 4,2 Milliarden Dollar im Jahr 2026. Verbände, die das Vorhaben bis zum 19. September 2026 unterstützen, würden im Rahmen des neuen FIFA Fast Forward Programme jeweils 20 Millionen Dollar erhalten; die FFE soll am 1. Januar 2027 starten. Die FIFA betont, dass sie die Mehrheit im Vorstand behalten und die alleinige Kontrolle über Governance, Wettbewerbe, Kalender und Regulierungsentscheidungen ausüben werde.
20 Millionen US-Dollar pro Mitgliedsverband – eine Finanzierungsmöglichkeit, die ausschließlich denjenigen Mitgliedsverbänden vorbehalten ist, die teilnehmen möchten.
Europäischer Fußball läuft Sturm
Der Vorschlag stieß sofort auf scharfe Verurteilung durch die UEFA und große europäische Nationalverbände. Die UEFA erklärte, die Idee überschreite „eine Grenze, die Institutionen, die den Fußball regieren, niemals überschreiten sollten“. Hans-Joachim Watzke, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes und Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees, sagte dem Kicker, der europäische Fußball sei in seiner Ablehnung geeint.
Viele europäische Fußballakteure betrachten die FIFA-Pläne als einen absoluten Angriff auf den Fußball. Ich teile diese Position. Hier ist eine rote Linie überschritten worden.
Watzke fügte hinzu, er habe die Angelegenheit mit UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und anderen Kollegen besprochen und bestätigte einen breiten Konsens unter den UEFA-Mitgliedsverbänden. Der englische Fußballverband (FA) zeigte sich „zutiefst besorgt“ und habe weder vorherige Ankündigung noch substanzielle Details erhalten, und kritisierte eine „fehlende Prozess- und Governance-Transparenz“. Der Präsident des französischen Verbandes, Philippe Diallo, äußerte ebenfalls „viele Fragen“ und forderte eine transparentere Entscheidungsfindung.
Vereine und EU schalten sich ein
Die European Football Clubs Association (ECA), die über 850 Vereine vertritt, gab eine Erklärung heraus, in der sie bedauerte, dass sie von dem Plan erst aus den Medien erfahren habe, und darauf bestand, dass ein Vorhaben dieser Größenordnung eine vollständige Konsultation mit den Vereinen erfordere.
Wir bestehen auf der Notwendigkeit einer ruhigen und gründlichen Konsultation zu allen Angelegenheiten, die das Fußball-Ökosystem betreffen, sowie auf der Einrichtung strengerer und transparenterer Governance-Prozesse, um die Nachhaltigkeit des Fußballs zu gewährleisten.
EU-Kommissar Glenn Micallef warnte auf der Social-Media-Plattform X, dass die „rücksichtslose Kommerzialisierung des Fußballs schädlich geworden sei“ und der Plan das gefährde, was den Sport zum weltweit beliebtesten mache.
Diese Vorschläge werfen erhebliche wettbewerbsrechtliche Fragen auf.
Finanzielle Anreize und knappe Frist
Die Verbände haben bis zum 19. September 2026 Zeit, über eine Teilnahme zu entscheiden. Infantinos Schreiben vom 28. Juli stellt die Auszahlung von 20 Millionen Dollar pro Verband als sofortige Belohnung für die Unterstützung des Vorhabens dar; die Mittel sollen ab dem 1. Januar 2027 verfügbar sein. Die FIFA würde durch eine Mehrheitspräsenz im Vorstand die alleinige Kontrolle über die FFE behalten, während die externe Beteiligung, die Berichten zufolge bei etwa 20 % liegt, von einem Konsortium verwaltet würde, zu dem der kürzlich gestartete Thrive-Eternal-Fonds von Joshua Kushner und die Investmentbank J.P. Morgan gehören.
- FIFA kündigt Plan zur Gründung der FFE und Suche nach Minderheitsinvestoren an.
- EU-Kommissar Micallef, UEFA und nationale Verbände äußern starken Widerstand; ECA fordert Konsultation.
- Frist für Verbände zur Entscheidung über Teilnahme und 20-Mio.-$-Zahlung.
- Geplanter Start der FFE und Beginn des FIFA Fast Forward Programme.
Trump-Verbindung und Governance-Ängste
Joshua Kushner ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump. FIFA-Präsident Infantino pflegt ein enges Verhältnis zu Trump, der laut L’Express Infantino während der Weltmeisterschaft persönlich anrief, um die Aufhebung der Roten Karte des amerikanischen Spielers Folarin Balogun vor einem Achtelfinalspiel gegen Belgien zu fordern. Die Beteiligung eines Fonds aus dem Umfeld der Trump-Familie hat die Bedenken hinsichtlich Interessenkonflikten und der Aushöhlung der gemeinnützigen Governance des Fußballs verstärkt. Mehrere Verbände und die EU haben klargestellt, dass sie volle Transparenz und eine breite, inklusive Debatte verlangen werden, bevor die wertvollsten kommerziellen Vermögenswerte des Sports in private Hände übergehen.
- Erste Kapitalerhöhung (2026)
- 4.2 Mrd. USD
- Neues 4-Jahres-Ziel
- 10 Mrd. USD
- Aktueller 4-Jahres-Plan (2027–2030)
- 2.7 Mrd. USD

