Bayerische CSU-Minister werfen Manfred Weber Untätigkeit bei EU-Naturschutz- und Entwaldungsgesetzen vor
Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Europaminister Eric Beißwenger verfassten einen scharf formulierten Brief an den EVP-Fraktionsvorsitzenden, in dem sie forderten, dass er seinen Einfluss gegen zwei EU-Verordnungen einsetze, die nach ihren Angaben bayerisches Land, Eigentum und Forstwirtschaft bedrohen.
Ein Brief voller Beschwerden
Zwei bayerische CSU-Kabinettmitglieder, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und Europaminister Eric Beißwenger, haben einen kritischen Brief an Manfred Weber, den stellvertretenden Parteivorsitzenden und Vorsitzenden der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, geschickt. Der Brief vom 21. Juli 2026 wirft Weber vor, die Interessen bayerischer Landwirte und Waldbesitzer gegenüber zwei EU-Verordnungen nicht geschützt zu haben: dem Gesetz zur Wiederherstellung der Natur (NRL) und der Verordnung zur Bekämpfung der Entwaldung (EUDR). Kaniber und Beißwenger warnen, dass die Regeln wie ein Damoklesschwert über dem Staat hingen und zu Eigentumseingriffen, übermäßiger Bürokratie und einer Verknappung von Bauland führen würden.
Wie ein Damoklesschwert hängen diese beiden unheiligen Verordnungen über unserer jahrhundertealten bayerischen Heimat.
Die umstrittenen Verordnungen
Beide Verordnungen sind seit langem ein wunder Punkt für Agrar- und Forstverbände in Bayern. Das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur verpflichtet die Mitgliedstaaten zur Wiederherstellung von Ökosystemen, unter anderem durch Ausgleichsflächen, die nach Angaben der Minister die Kosten für neues Bauland in die Höhe treiben würden. Die EUDR verlangt Sorgfaltspflichten in den Rohstofflieferketten zur Bekämpfung der globalen Entwaldung, doch Kritiker in Bayern argumentieren, dass sie bäuerlichen Familienbetrieben und Holzproduzenten unpraktikable bürokratische Auflagen auferlege. Der Brief der Minister warnt vor "massiven Eigentumseingriffen" und realitätsfernen Verfahren.
Ein persönlicher Seitenhieb gegen Weber
Kaniber und Beißwenger greifen direkt die Formulierung auf, die Manfred Weber in seinem umstrittenen Pfingstbrief verwendet hatte, den viele in der CSU als verdeckten Angriff auf Parteichef Markus Söder interpretierten. Weber hatte geschrieben, die Partei müsse "das Richtige" tun und eine "am Gemeinwohl orientierte" Politik betreiben. Nun zitieren die Minister genau diese Sätze an ihn zurück und deuten an, dass Weber selbst diesen Standards nicht gerecht geworden sei, weil er in Brüssel keine Ergebnisse vorweise. Die Botschaft ist eindeutig: Webers eigener moralischer Maßstab wird nun angelegt, um seine Leistung zu messen.
Lieber Manfred, du erinnerst uns zu Recht daran, dass gute Politik das Richtige tun muss. Dass Politik programmatisch führen und dem Gemeinwohl dienen muss, nicht Schlagzeilen hinterherjagen darf.
Agrarverbände erhöhen den Druck
Die Minister verweisen ausdrücklich auf einen separaten Protestbrief des Bayerischen Waldbesitzerverbandes, des Verbandes Familienbetriebe Land und Forst und des Bayerischen Bauernverbandes. Diese Gruppen hatten sich ebenfalls bei Weber beschwert, dass sie von EU-Kontakten und von Weber selbst "nicht richtig gehört, sondern vertröstet oder einfach nicht berücksichtigt" würden. Die gemeinsame Forderung ist unverblümt: Der europäische Frontmann der CSU müsse endlich Ergebnisse liefern und sich gegen die beiden Verordnungen in ihrer jetzigen Form aussprechen. "Wir erwarten endlich Ergebnisse", heißt es in dem zweiten Brief.
Wir bitten Sie, Ihrer politischen Verantwortung als EVP-Fraktionsvorsitzender gerecht zu werden und sich gegen diese Vorhaben in der derzeitigen Form auszusprechen. Die ländlichen Räume sind das politische Rückgrat der bürgerlichen Mitte, und wir erwarten nun endlich Ergebnisse.
Interne CSU-Reibungen verschärfen sich
Die doppelte Intervention verschärft die Bruchlinie innerhalb der CSU zwischen dem Brüsseler Flügel der Partei und der Münchner Landesregierung. Weber muss als EVP-Chef Koalitionskompromisse im Europäischen Parlament aushandeln, während die bayerische Landesregierung vor den anstehenden Wahlen direktem Druck aus ihrer ländlichen Basis ausgesetzt ist. Der Vorfall belebt auch den Schatten von Webers Pfingstbrief wieder und zeigt, dass der Machtkampf zwischen Weber und Söder nicht abgeklungen ist. Indem sie Weber mit seinen eigenen Worten angreifen, haben Kaniber und Beißwenger einen politischen Streit in einen Akt interner Parteiverantwortlichkeit verwandelt.

