
Mikroorganismen besiedeln Lavaröhren auf La Palma – Hinweise für Leben auf dem Mars
Ein internationales Team hat die ersten Mikroorganismen identifiziert, die Lavaröhren nach dem Ausbruch des Tajogaite 2021 besiedelten. Die im Fachblatt Environmental Microbiome veröffentlichten Ergebnisse liefern ein natürliches Modell, um zu untersuchen, wie Leben auf dem Mars entstehen könnte.
Eine neugeborene Welt
Nachdem der Tajogaite-Vulkan auf La Palma am 19. September 2021 ausgebrochen war und 85 Tage lang aktiv blieb, hinterließ er frisch geformte Lavaröhren. Diese unterirdischen Räume, die von Forschern als „neugeborene Welt“ beschrieben wurden, enthielten weder Boden noch Vegetation – eine sterile Umgebung, in der Leben bei Null beginnen musste. Das Forschungsteam betrat die Röhren ein bis zwei Jahre nach dem Ausbruch, als die Bedingungen noch extrem waren: Lufttemperaturen erreichten 60 °C, die Gesteinsoberflächen über 90 °C.
Die Lavaröhren stellen eine authentische „neugeborene Welt“ dar, ohne Boden oder Vegetation, in der die ersten Lebewesen den Weg für die Entwicklung des Ökosystems ebnen müssen.
Erste Besiedler
Die Studie zeigt, dass die ersten Mikroorganismen hauptsächlich von außen kamen – über die Luft als Aerosole oder Sporen oder im Zusammenhang mit Tieren wie Vögeln, Nagetieren und Insekten. Diese Einträge brachten organisches Material in die anfänglich sterile Umgebung und begünstigten das Auftreten der ersten biologischen Gemeinschaften. Durch die Analyse, wie sich diese Pioniere unter derart harschen Bedingungen festsetzten, gewannen die Wissenschaftler Einblicke in die grundlegenden Mechanismen der Erholung eines Ökosystems nach einem Vulkanausbruch.
Ein Mars-Analogon
Die Bedeutung reicht über die Erde hinaus. Da Lavaröhren auf dem Mars Ähnlichkeiten mit diesen neu entstandenen unterirdischen Umgebungen aufweisen, dienen die Röhren auf La Palma als natürliches Labor. Die Forschung eröffnet neue Forschungslinien zur Bewohnbarkeit anderer Planeten. Wie die andalusische Regionalregierung anmerkte, helfen die Ergebnisse „zu definieren, wie einige biologische Gemeinschaften in unterirdischen Umgebungen auf dem Mars entstehen, sich entwickeln und erhalten werden könnten.“
Internationale Zusammenarbeit
Das Projekt, das vom andalusischen Rat für Universitäten, Forschung und Innovation unterstützt wurde, umfasste das Institut für natürliche Ressourcen und Agrobiologie von Sevilla (IRNAS-CSIC), das Geologische und Bergbauinstitut von Spanien (IGME-CSIC), die Universität Almería, die Universität Huelva sowie Kooperationspartner der Universität Évora und INESC TEC in Portugal sowie der Kanarischen Speläologischen Föderation. Ihre nun in Environmental Microbiome veröffentlichte Arbeit bietet einen frühen Einblick, wie Leben in einer völlig neuen und sterilen Umgebung Fuß fasst.
Diese Umgebungen sind zu einem natürlichen Labor für die Untersuchung der Grenzen des Lebens unter extremen Bedingungen geworden, was neue Forschungslinien im Zusammenhang mit der Bewohnbarkeit anderer Planeten eröffnet.

