Deutsches Kabinett verabschiedet neue Startup-Strategie: Fokus auf Verteidigung, Ausbau des Deutschlandfonds auf 130 Mrd. Euro
Das Bundeskabinett hat heute eine neue Startup-Strategie verabschiedet, die erstmals Sicherheit und Verteidigung in den Mittelpunkt der staatlichen Förderung stellt. Der Plan erweitert den Deutschlandfonds, um bis zu 130 Mrd. Euro privates Kapital zu mobilisieren und Gründer vor einer Abwanderung ins Ausland zu bewahren.
Ein neuer Fokus auf Verteidigung
Das Bundeskabinett hat heute die „Startup- und Scaleup-Strategie“ verabschiedet, die erstmals den Sicherheits- und Verteidigungssektor in den Mittelpunkt der staatlichen Startup-Förderung stellt. Die schwarz-rote Koalition aus CDU/CSU und SPD will verhindern, dass erfolgreiche Gründer bei ihrer internationalen Expansion ins Ausland abwandern. Der Schritt reagiert auf geopolitische und wirtschaftliche Dynamiken, die das Investoreninteresse an Verteidigungstechnologie verstärkt haben. Das Strategiepapier, das der dpa vorliegt, formuliert die Absicht klar.
Dies soll verhindern, dass erfolgreiche Startups während ihrer internationalen Expansion ins Ausland abwandern.
Um diesen Fokus zu operationalisieren, wird die Regierung ein eigenes Direktinvestitionsvehikel für Sicherheits- und Verteidigungs-Startups schaffen und ihnen den Zugang zu öffentlichen Aufträgen erleichtern. Im ersten Halbjahr 2026 zogen Verteidigungs-Startups bereits 579 Millionen Euro an Wagniskapital an, so das EY Start-up-Barometer, was eine starke Investorennachfrage widerspiegelt, die die Strategie kanalisieren will.
Die Kapitalengstelle verbreitern
Der Zugang zu Wachstumskapital bleibt eine kritische Engstelle. Die Strategie erweitert den Deutschlandfonds, ein staatliches Garantieprogramm, das Investitionsrisiken abfedert, um bis zu 130 Milliarden Euro privates Kapital für Zukunfts- und Infrastrukturprojekte zu mobilisieren. Zudem sollen Wagniskapitalinvestitionen in Altersvorsorgeprodukte integriert und Stiftungen weniger Beschränkungen bei Investitionen in Startups ausgesetzt sein. Diese Maßnahmen zielen auf die Finanzierungslücke ab, die junge und kleine Startups benachteiligt, während sich Investoren auf Mega-Deals über 50 Millionen Euro konzentrieren. Die Regierung hofft, durch die Verbreiterung der Kapitalbasis mehr Startups die nötige Finanzierung für ihr Wachstum zu sichern, ohne Deutschland verlassen zu müssen.
Marktrealität: EY-Barometer
Die EY-Daten verdeutlichen die Dringlichkeit: Deutsche Startups sammelten im ersten Halbjahr 2026 rund 5,3 Milliarden Euro ein, ein Anstieg von 14 Prozent im Jahresvergleich. Die Zahl der Finanzierungsrunden sank jedoch um 11 Prozent, da das Kapital in eine Handvoll großer, als sicher geltender Wetten floss. Technologiegetriebene Startups bleiben Investorenlieblinge, wobei Hardware und Verteidigung besonderes Interesse auf sich ziehen. Die Konzentration der Finanzierung auf weniger, größere Deals führt dazu, dass Frühphasenunternehmen oft das Nachsehen haben – eine Dynamik, der die Regierungsstrategie durch die Stärkung der breiteren Basis des Startup-Ökosystems entgegenwirken will.
Fachkräfte und Bürokratie
Die Strategie adressiert auch den Fachkräftemangel. Sie schlägt flexiblere Kündigungsregeln für hochbezahlte Beschäftigungsverhältnisse und attraktivere steuerliche Bedingungen für Mitarbeiterkapitalbeteiligungen vor, um deutsche Startups im globalen Wettbewerb um Talente wettbewerbsfähiger zu machen. Auf der Bürokratieebene soll das Projekt „Schneller Gründen“ Verwaltungsprozesse vollständig digitalisieren, und auf europäischer Ebene ist eine einheitliche Rechtsform geplant, um grenzüberschreitende Aktivitäten für Startups zu erleichtern. Diese Änderungen sollen die Verwaltungslast verringern und Deutschland zu einem attraktiveren Standort für Gründer und Talente machen.


