
Varenna am Comer See verhängt Bußgelder bis zu 200 Euro für Touristen in Badekleidung und begrenzt Reisegruppen auf 25 Personen
Das am Comer See gelegene Dorf Varenna hat Bußgelder von bis zu 200 Euro für das Herumlaufen ohne Oberteil oder in Badekleidung eingeführt und geführte Reisegruppen auf 25 Personen begrenzt, um den Massentourismus in den Griff zu bekommen und die Lebensqualität der Einwohner zu schützen.
Varenna, ein malerisches Fischerdorf am Ostufer des Comer Sees in der Lombardei, hat neue Regeln eingeführt, um die Auswüchse des Massentourismus einzudämmen. Der Ort hat rund 650 ständige Einwohner, empfängt aber jedes Jahr Hunderttausende von Besuchern, wobei die täglichen Zahlen in der Hochsaison bis zu 17.500 erreichen (das 25-fache der lokalen Bevölkerung). Am 26. Juni verabschiedete der Gemeinderat zwei wichtige Änderungen der örtlichen Vorschriften: eine Kleiderordnung für öffentliche Räume und strenge Grenzen für geführte Reisegruppen.
Kleiderordnung und Bußgelder
Das Durchqueren des Dorfzentrums ohne Oberteil oder in Badekleidung ist nun verboten. Die Regelung gilt für alle, die sich von den Strandpromenaden und Anlegestellen am Seeufer entfernen, wo solche Kleidung weiterhin erlaubt ist. Zuwiderhandlungen werden mit Bußgeldern zwischen 50 und 200 Euro geahndet. Die Maßnahme richtet sich gegen das, was die Behörden als weit verbreitetes ungebührliches Verhalten bezeichnen, das mit dem historischen Charakter des Dorfes und dem Alltagsleben seiner Bewohner kollidiert.
Grenzen für Reisegruppen
Geführte Gruppen sind auf 25 Teilnehmer begrenzt. Reiseleitern ist die Nutzung von Lautsprechern untersagt, und die Gruppen müssen sich auf Fußgängerwegen halten, um die engen, gepflasterten Gassen nicht zu blockieren. An bestimmten, für den Verkehrsfluss als kritisch erachteten Stellen ist das Anhalten zum Zuhören von Erläuterungen verboten. Reiseleiter, die gegen die Regeln verstoßen, riskieren Bußgelder zwischen 100 und 400 Euro, und Wiederholungstätern kann die Tätigkeit in Varenna für drei bis zwölf Monate untersagt werden. Der Gemeinderat hat nicht ausgeschlossen, in Zukunft festgelegte Routen zu definieren.
Einwohner begrüßen die Regeln
Bürgermeister Mauro Manzoni verteidigte die Maßnahmen in einer Erklärung gegenüber dem Lokalradio.
Varenna ist ein wundervolles Dorf und wir sind stolz darauf, jedes Jahr Hunderttausende von Besuchern aus aller Welt willkommen zu heißen. Die Lebensqualität unserer Einwohner darf jedoch nicht dem Massentourismus geopfert werden.
Auch Ladenbesitzer im Dorf haben Unterstützung geäußert. Einer sagte gegenüber TGCom24 von Mediaset: „Am Strand kann man tun, was man will, aber wenn man herumläuft und Geschäfte, Restaurants, Kirchen oder den Platz betritt, muss man sich anständig kleiden.“ Ein anderer fügte hinzu: „Es war an der Zeit; es ist eine vernünftige Maßnahme. Wichtig ist, dass sie durchgesetzt wird.“
Ein breiterer italienischer Trend
Varenna ist nicht allein. Im Jahr 2022 verhängte Sorrent hohe Bußgelder für das Herumlaufen in Badekleidung, wobei der damalige Bürgermeister von einem „weit verbreiteten ungebührlichen Verhalten“ sprach, das dem Image der Stadt schade. Im Jahr 2023 verbot das gehobene ligurische Resort Portofino Selfies an bestimmten Orten und richtete „Warte-Verbotszonen“ ein, um zu verhindern, dass Touristen zu lange verweilen. In ganz Italien verschärfen beliebte Reiseziele ihre Regeln, um die wirtschaftlichen Vorteile des Tourismus mit der Lebensfähigkeit ihrer Gemeinden in Einklang zu bringen.


