UniCredit übertrifft Gewinnerwartungen, hebt Prognose für 2026 an und signalisiert Commerzbank-Kontrolle bis Jahresende
UniCredit hat im zweiten Quartal besser als erwartete Ergebnisse vorgelegt und seine Gewinnprognose für 2026 angehoben. CEO Andrea Orcel signalisierte, dass die italienische Bank bis Jahresende die vollständige Kontrolle über die Commerzbank anstrebt.
UniCredit hat am Donnerstag einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro für das zweite Quartal vorgelegt und lag damit über dem Analystenkonsens von 2,8 Milliarden Euro. Die Bank hob ihre Gewinnprognose für 2026 auf deutlich über 11 Milliarden Euro bzw. 11,5 Milliarden Euro an. Es waren die ersten Ergebnisse seit Abschluss des öffentlichen Angebots für die Commerzbank, mit dem sich UniCredit zwischen 48 % und 49,5 % des Aktienkapitals des deutschen Rivalen sicherte. CEO Andrea Orcel nutzte die Präsentation der Ergebnisse, um die Beteiligung als Vorspiel zur vollständigen Kontrolle darzustellen.
Von der Beteiligung zur Kontrolle
Orcel sagte den Anlegern, dass sich die Commerzbank-Position „von einer attraktiven Finanzanlage zu einer strategischen Transaktion mit erheblichem industriellem Wert“ entwickele. UniCredit erwartet von dem Schritt eine Rendite von 15 % auf das eingesetzte Kapital und ein zweistelliges Nettogewinnwachstum von 2026 bis 2028, zusätzlich zu dem bereits zweistelligen Wachstum beim Gewinn pro Aktie und bei den Dividenden. Die Bank erklärte, sie könne bei Bedarf eine außerordentliche Hauptversammlung der Commerzbank einberufen, um ihre Strategie umzusetzen.
Die Commerzbank entwickelt sich von einer attraktiven Finanzanlage zu einer strategischen Transaktion mit erheblichem industriellem Wert durch die Umsetzung unseres bewährten Konzepts.
Regulatorischer Weg und Zeitplan
UniCredit rechnet mit den erforderlichen Genehmigungen, unter anderem von der Europäischen Zentralbank, möglicherweise im vierten Quartal 2026. „Kurz danach“ würde sie die Kontrolle übernehmen und mit der Umsetzung ihrer Pläne beginnen. Der Zeitplan deutet darauf hin, dass das italienische Kreditinstitut noch vor Jahresende das Sagen bei der Frankfurter Bank haben könnte.
- UniCredit investiert erstmals in die Commerzbank und löst damit in Deutschland einen Aufschrei aus
- UniCredit legt ein niedriges Übernahmeangebot für die Commerzbank vor
- Angebot läuft aus; UniCredit sichert sich 48–49,5 % des Commerzbank-Aktienkapitals
- EZB und aufsichtsrechtliche Genehmigungen werden erwartet; UniCredit plant die Übernahme der Kontrolle
- Nächste ordentliche Hauptversammlung der Commerzbank; UniCredit könnte zuvor eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen
Politischer und gewerkschaftlicher Widerstand
Die Übernahme hat scharfe Kritik der deutschen Regierung und heftigen Widerstand des Vorstands und des Betriebsrats der Commerzbank hervorgerufen. Berlin hält einen Anteil von 12 %, kann einen Deal aber nicht mehr blockieren, nachdem es seine Sperrminorität von 25 % plus einer Aktie aufgegeben hat. Bundeskanzler Friedrich Merz hat erklärt, er werde eine Fusion nicht verhindern. Orcel sagte gegenüber CNBC, er wolle konstruktive Gespräche mit der Regierung, den Arbeitnehmervertretern und dem Management der polnischen Commerzbank-Tochter mBank führen.
Es sollte kein Problem sein, eine Einigung zu erzielen, die im besten Interesse aller ist.
Orcel fügte hinzu, dass die Commerzbank und die Münchner HypoVereinsbank, die bestehende deutsche Einheit von UniCredit, noch zwei bis drei Jahre lang getrennt weitergeführt würden. Der Ausgang der Gespräche mit den Beteiligten wird darüber entscheiden, ob UniCredit vor der nächsten ordentlichen Hauptversammlung der Commerzbank im Jahr 2027 auf eine außerordentliche Hauptversammlung drängt. Aufsichtsratsmitglied Harald Christ, der einen der beiden für die Bundesregierung reservierten Sitze innehat, hat bereits angekündigt, 2027 zurückzutreten.
Ein europäisches Gegengewicht
Orcels Vorstoß bei der Commerzbank folgt einer langjährigen Strategie von UniCredit zur grenzüberschreitenden Konsolidierung. Zur Gruppe gehören bereits die deutsche HypoVereinsbank und die österreichische Bank Austria, beide 2005 übernommen. Der CEO hat den Deal als Schritt zum Aufbau eines europäischen Bankchampions dargestellt, der mit den dominierenden US-Rivalen konkurrieren kann. In der Präsentation der Bank wurde darauf hingewiesen, dass die Transaktion die Wachstumsdynamik, die Aktionärsrenditen und die Kennzahlen pro Aktie von UniCredit weiter verbessern würde.


