
UniCredit übertrifft Gewinnerwartungen, hebt Prognose an und erwartet Commerzbank-Kontrolle innerhalb von Monaten
Die italienische Bank UniCredit hat einen besser als erwartet ausgefallenen Nettogewinn von 2,9 Mrd. € im zweiten Quartal vorgelegt, ihre Jahresprognose auf deutlich über 11 Mrd. € angehoben und erklärt, sie erwarte, nach der Sicherung von 48 % der Aktien bald die Kontrolle über die deutsche Commerzbank zu übernehmen.
## Gewinnüberraschung UniCredit erzielte im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 2,9 Mrd. €, ein Rückgang von 13 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum, aber deutlich über dem Konsens von 2,8 Mrd. €. Das Ergebnis absorbierte 245 Mio. € an Absicherungskosten im Zusammenhang mit dem Commerzbank-Anteil. Die positive Überraschung veranlasste das Management, die Jahresprognose anzuheben; die Bank strebt nun einen Nettogewinn von „deutlich über 11 Mrd. €“ an, verglichen mit einer früheren Prognose von mindestens dieser Zahl.
Commerzbank-Übernahme schreitet voran
Der italienische Kreditgeber hat durch ein in diesem Monat abgeschlossenes Aktientauschangebot einen Anteil von 48 % an der Commerzbank aufgebaut. CEO Andrea Orcel bezeichnete die Beteiligung als Entwicklung von einer Finanzinvestition zu einer strategischen Übernahme. In einer Präsentation für Investoren sagte er:
Die Commerzbank entwickelt sich von einer attraktiven Finanzinvestition zu einer strategischen Transaktion mit erheblichem industriellem Wert durch die Umsetzung unseres bewährten Konzepts.
UniCredit erwartet die behördlichen Genehmigungen im vierten Quartal, wonach sie die Kontrolle übernehmen und mit der Integration der deutschen Bank beginnen würde. Das Unternehmen versprach, konstruktiv mit Berlin, den Arbeitnehmervertretern und dem Management der mBank, der polnischen Tochter der Commerzbank, zusammenzuarbeiten. Ein Pflichtangebot für die mBank ist erst erforderlich, wenn der Anteil von UniCredit die 50-Prozent-Marke überschreitet, und ein solches Angebot ist derzeit nicht geplant.
- UniCredit investiert erstmals in die Commerzbank und löst damit in Deutschland einen Aufschrei aus.
- Orcel stellt strategischen Plan für die Commerzbank-Übernahme vor.
- UniCredit startet ein günstiges Umtauschangebot für Aktien.
- Das Angebot endet; UniCredit sichert sich 48 % der Commerzbank-Aktien.
- Regulatorische Genehmigungen werden erwartet; UniCredit soll die Kontrolle übernehmen.
Kapital und Aktienrückkauf
Die Auswirkungen der Übernahme auf die Bilanz von UniCredit werden nun als geringer eingeschätzt als zunächst befürchtet. Die Bank schätzt, dass ihre CET1-Quote nach der Transaktion auf rund 13 % fallen würde, ein Rückgang um zwei Prozentpunkte gegenüber dem eigenständigen Niveau, verglichen mit einer früheren Schätzung von 2,8 Punkten. Die Verbesserung ist teilweise auf die Streichung eines Aktienrückkaufprogramms über 4,75 Mrd. € zurückzuführen. UniCredit erklärte, die Akquisition werde in diesem Jahr und in den folgenden zwei Jahren ein zweistelliges Gewinnwachstum antreiben.
Angehobene eigenständige Ziele
Selbst ohne die Commerzbank hob UniCredit seine Gewinnambitionen an. Für 2026 sieht die Bank nun einen Nettogewinn von „deutlich über 11 Mrd. € oder 11,5 Mrd. €“, gegenüber einer vorherigen Untergrenze von 11 Mrd. €. Außerdem wurden neue mittelfristige Ziele eingeführt: mehr als 13 Mrd. € bis 2028 und mehr als 15 Mrd. € bis 2030. Die Anhebungen spiegeln das Vertrauen in die eigenständige Ertragskraft der Bank wider, wobei die Commerzbank-Transaktion zusätzliches Aufwärtspotenzial bietet.
- Prognose 2026
- 11.5 Mrd. €
- Ziel 2028
- 13 Mrd. €
- Ziel 2030
- 15 Mrd. €
Politischer und gewerkschaftlicher Widerstand
Orcels Übernahmekonzept, das erstmals im April vorgestellt wurde, stößt auf heftigen Widerstand des Commerzbank-Vorstands, des Betriebsrats und der deutschen Bundesregierung. Trotz der Feindseligkeit gelang es UniCredit, fast die Hälfte des Eigenkapitals des in Frankfurt ansässigen Kreditgebers zu sammeln. Die Bank prognostiziert nun eine Rendite von 15 % auf ihre Commerzbank-Investition. Sollten die Regulierungsbehörden den Deal bis zum Jahresende genehmigen, würde die Kombination zu den größten Bankenfusionen Europas zählen.


