
UniCredit sichert sich nach feindlichem Übernahmeangebot fast die Mehrheit an der Commerzbank
Die italienische UniCredit sicherte sich weitere 17,6 % der Commerzbank und erhöhte ihren Stimmrechtsanteil auf knapp 50 %, nach einem feindlichen Übernahmeangebot, das auf heftigen Widerstand deutscher Politiker und des Managements der Zielbank stieß.
Ergebnis des Übernahmeangebots
UniCredit gab am Mittwoch bekannt, dass Aktionäre, die 17,6 % des ausstehenden Aktienkapitals der Commerzbank vertreten, ihre Aktien angedient hatten, weit vor den ursprünglichen Erwartungen. Zusammen mit dem direkt gehaltenen Anteil von 26,77 % und verschiedenen Finanzinstrumenten kontrolliert die italienische Bank nun 49,65 % der Stimmrechte, so ihre Erklärung. Andere Quellen beziffern den Gesamtanteil auf 47,6 % oder knapp unter 48 %, aber alle bestätigen, dass UniCredit kurz vor der Mehrheit steht. Das Anfang Mai gestartete Übernahmeangebot bewertete die Commerzbank mit 35 Milliarden Euro (40,6 Milliarden US-Dollar) und bot 0,485 UniCredit-Aktien für jede Commerzbank-Aktie, ein Preis, der allgemein als zu niedrig angesehen wurde.
Der Abschluss der Angebotsfristen stellt einen weiteren Schritt bei der Umsetzung der strategischen Investition von UniCredit in die Commerzbank dar.
Politische und Marktreaktion
Das Angebot wurde von der Commerzbank-Führung und führenden deutschen Politikern heftig bekämpft, die es als feindlichen Versuch betrachten, einen nationalen Champion zu übernehmen. Die deutsche Regierung hält noch einen Anteil aus der Rettungsaktion von 2009, was eine politische Dimension hinzufügt. Trotz des Widerstands setzte UniCredit-CEO Andrea Orcel das Vorhaben fort, und das Ergebnis des Angebots deutet darauf hin, dass viele Aktionäre bereit waren, das vergünstigte Angebot anzunehmen, möglicherweise aus Angst vor einem Kursverfall, falls die Offerte scheitert.
Wie Orcel es schaffte
Marktteilnehmer haben sich gefragt, wie UniCredit einen so großen Anteil zu unterdurchschnittlichen Preisen sichern konnte. Zu den Theorien gehören der Einsatz von Total Return Swaps, die die Gegenparteibanken zur Andienung von Aktien verpflichteten, sowie ein Anstieg der Commerzbank-Aktienleihe von 1 % auf fast 10 % in diesem Jahr, so Daten von S&P Global. Die Financial Times berichtete, dass angediente Aktien möglicherweise zur Besicherung von Swaps geliehen wurden, wobei UniCredit mögliche Fehlbeträge decken könnte. UniCredit selbst schlug eine einfachere Erklärung vor: Verkäufer könnten darauf gesetzt haben, dass der Commerzbank-Aktienkurs bei Scheitern der Offerte stark fallen würde.
Wie geht es weiter?
Mit knapp der Hälfte der Stimmrechte ist UniCredit in der Lage, erheblichen Einfluss auszuüben, auch wenn die vollständige Kontrolle möglicherweise weitere regulatorische und politische Genehmigungen erfordert. Der Kampf unterstreicht die Herausforderungen der grenzüberschreitenden Bankenkonsolidierung in Europa, wo nationale Interessen oft mit der Marktlogik kollidieren.
- UniCredit kauft 9 % Anteil und nähert sich der Commerzbank wegen Fusionsgesprächen
- UniCredit startet feindliches Angebot im Wert von 35 Mrd. € und bietet 0,485 Aktien pro Commerzbank-Aktie
- Übernahmeangebot endet; UniCredit sichert sich weitere 17,6 %, Stimmrechte nahe 50 %


