
Trump schwenkt von Drohungen zu 'Liebe' beim NATO-Gipfel in Ankara nach hinter verschlossenen Türen geäußerter Schmeichelei um
Der US-Präsident traf in Ankara ein und schleuderte Vorwürfe wegen Iran, Grönland und der spanischen Verteidigungsausgaben um sich, lobte aber nach einer nicht-öffentlichen Sitzung eine 'unglaubliche Liebe' und Einigkeit unter den 32 Verbündeten.
Ankunft und erste Spannungen
Donald Trump landete am Dienstag in Ankara und äußerte bereits tiefe Enttäuschung über die NATO. Er beschuldigte Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich, die Vereinigten Staaten im Iran-Krieg im Stich gelassen zu haben, und erneuerte seine Forderung, dass Grönland, ein autonomes dänisches Territorium, von Washington kontrolliert werden solle. Der US-Präsident sagte, er sei nur in die türkische Hauptstadt gereist, um dem Gastgeber Recep Tayyip Erdogan keine Peinlichkeit zu bereiten.
Am Mittwochmorgen eskalierte die Rhetorik. Trump nannte Spanien einen 'hoffnungslos schlechten' Verbündeten und drohte damit, die Handelsbeziehungen abzubrechen, weil Madrid sich weigert, sein neu verkündetes Ziel, fünf Prozent des BIP für Verteidigung auszugeben, zu erfüllen. Spanien verweigerte den USA zudem die Nutzung seiner Stützpunkte für Angriffe auf den Iran. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sah sich gezwungen, zu wiederholen, dass Kopenhagen Grönland notfalls militärisch verteidigen werde.
Hinter verschlossenen Türen: ein Stimmungswandel
Als die Staats- und Regierungschefs am Mittwochnachmittag zu ihrer nicht-öffentlichen Sitzung zusammenkamen, änderte sich die Atmosphäre schlagartig. NATO-Generalsekretär Mark Rutte verbrachte mehrere Minuten damit, Trump überschwänglich zu loben, sagten Teilnehmer, und die Stimmung des Präsidenten hob sich. Trump beschrieb das Treffen später als 'sehr besonders' und behauptete, es habe 'eine Menge Liebe im Raum' geherrscht.
Sie sagten mir, dass sie mich lieben. Das sind erwachsene Menschen, die so etwas sagen, ist das nicht nett?
Laut Teilnehmern wiederholte Trump keine der Anschuldigungen, die er Stunden zuvor öffentlich erhoben hatte. Ein Teilnehmer zitierte ihn mit den Worten: 'Ich will bei euch bleiben.' Die Grönland-Frage, die die europäischen Verbündeten schockiert hatte, als Trump sie bei seiner Ankunft wieder aufgriff, wurde während der nicht-öffentlichen Gespräche nicht wieder aufgeworfen.
- Trump trifft in Ankara ein, äußert Enttäuschung über die NATO, erneuert Anspruch auf Grönland und kritisiert Verbündete wegen des Iran-Kriegs.
- Trump greift Spanien als 'hoffnungslos schlecht' an, droht mit Abbruch der Handelsbeziehungen wegen des Fünf-Prozent-Verteidigungsausgabenziels.
- Nicht-öffentliche Sitzung: Rutte schmeichelt Trump, Präsident sagt, es herrsche 'eine Menge Liebe im Raum', und wiederholt frühere Anschuldigungen nicht.
- Abschlusspressekonferenz: Trump und Rutte preisen den Gipfel als Erfolg, erklären das Bündnis für stärker denn je.
Ungelöste Streitigkeiten
Trotz der warmen Worte blieben die zugrundeliegenden Risse sichtbar. Trumps Hauptbeschwerde – dass die europäischen Verbündeten sich nicht an den US-Militäroperationen gegen den Iran beteiligten – wurde nicht gelöst. Der fragile Waffenstillstand in der Straße von Hormus macht Länder wie Deutschland unwillig, Marineeinheiten für die Minenräumung bereitzustellen, und ein stabiler Waffenstillstand scheint in weiter Ferne.
Wir sind bereit, jeden Zentimeter des NATO-Territoriums zu verteidigen, auch unseren eigenen.
Auch der Streit um die spanischen Verteidigungsausgaben blieb auf dem Tisch. Ministerpräsident Pedro Sanchez hat das Fünf-Prozent-Ziel offen abgelehnt, und Trumps Drohung, den Handel mit Madrid zu stoppen, wurde nicht förmlich zurückgezogen. Die frühere Warnung des Präsidenten, er könne alle amerikanischen Soldaten aus Europa abziehen, schwebte auch nach dem versöhnlichen Finale über der Versammlung.
Gipfel erklärt Einigkeit
Auf der abschließenden Pressekonferenz bestanden sowohl Trump als auch Rutte darauf, dass der Ankara-Gipfel ein Erfolg gewesen sei. Rutte verwies auf den ersten Artikel der Gipfelerklärung, der das Bekenntnis der Verbündeten zur kollektiven Verteidigung gemäß Artikel 5 bekräftigt, als Beweis dafür, dass das Bündnis 'stärker denn je' sei. Er tat die verbalen Angriffe als die Art von Streitigkeiten ab, die Freundschaften festigen.
Dieser Gipfel hat gezeigt, dass das Bündnis enger zusammengerückt ist als je zuvor.
Trump dankte Erdogan und Rutte, lobte die 32 Verbündeten für ihre 'großartige Arbeit' und sagte, das Treffen sende ein Signal 'großer Einigkeit'. Der Präsident, der die Woche damit begonnen hatte, Reportern zu sagen, er sei 'sehr enttäuscht von der NATO', beendete sie mit der Feststellung, er habe 'eine großartige Zeit' gehabt.


