
Trump droht mit 200% Zöllen auf Generika ab 2029 und gibt Herstellern zwei Jahre Zeit, Produktion in die USA zu verlagern
Der US-Präsident Donald Trump kündigte auf Truth Social an, dass Importe von Generika ab Sommer 2028 mit 100% Zöllen belegt werden, ein Jahr später steigend auf 200%, mit dem Ziel, die Pharmaproduktion zurück in die USA zu zwingen.
Der Zollfahrplan
Trumps Truth-Social-Beitrag legte einen dreiphasigen Zeitplan fest: Nullzölle ab dem 1. August 2026 für zwei Jahre, dann 100% für ein Jahr ab Sommer 2028, danach 200%. Er sagte, die Maßnahme solle „die Generikaproduktion zurück nach Amerika bringen“. Unternehmen, die innerhalb des Zeitfensters keine US-Anlagen bauen, würden „bestraft“, fügte er hinzu, ohne die rechtliche Grundlage zu nennen.
Ab dem 1. August 2026 werden alle in die USA importierten Generika weiterhin für einen Zeitraum von zwei Jahren einen Zollsatz von null Prozent haben, danach wird der Zoll für ein Jahr auf 100 Prozent und dann auf 200 Prozent erhöht.
Die neue Drohung verschärft den Druck auf Arzneimittelhersteller außerhalb der USA. Bereits im Frühjahr hatte Trump einen 100-prozentigen Zoll auf patentgeschützte Markenmedikamente mit gestaffeltem Start ab Ende Juli angekündigt, wobei Ausnahmen für Unternehmen mit US-Produktion oder besonderen Handelsabkommen bestehen.
Sandoz im Visier
Der Schweizer Generikariese Sandoz, 2023 von Novartis abgespalten, wäre einer der am härtesten Getroffenen. Das in Basel ansässige Unternehmen produziert hauptsächlich in Österreich und Slowenien, die kanadische Produktion ist an einen Partner ausgelagert. CEO Richard Saynor sagte der NZZ im vergangenen Jahr, ein Wiederaufbau der US-Kapazitäten sei unter den derzeitigen Bedingungen nicht wirtschaftlich. Er hat wiederholt gewarnt, dass Zölle auf Generika die Arzneimittelpreise in den USA erhöhen und den Zugang für Patienten verschlechtern würden.
Zölle auf Generika werden Medikamente in den USA teurer machen und den Zugang für Patienten verschlechtern.
Sandoz erzielte im vergangenen Jahr 30 Prozent seines Umsatzes mit Biosimilars und 70 Prozent mit klassischen Generika. Trump erwähnte Biosimilars nicht explizit, aber die Branche geht davon aus, dass sie abgedeckt sind.
- Klassische Generika
- 70 %
- Biosimilars
- 30 %
Originalpräparate und Big-Pharma-Deals verschont
Roche und Novartis, die sich auf originale patentgeschützte Arzneimittel konzentrieren, sind von der jüngsten Zolldrohung nicht betroffen. Washington hat bereits mit den meisten großen Pharmaunternehmen, darunter den beiden Schweizer Gruppen, Abkommen geschlossen. Diese Deals befreien sie von Zöllen im Austausch für die Senkung der Arzneimittelpreise für das Medicaid-Programm, das Angebot von Produkten auf der Direktverkaufsplattform „TrumpRx“ und den Ausbau der US-Produktion.
Auch Schweizer Auftragshersteller wie Siegfried, Bachem und Lonza könnten Konsequenzen spüren, obwohl Details unklar bleiben.
Schweizer Regierung und nächste Schritte
Die USA sind der wichtigste Exportmarkt für Schweizer Pharmaunternehmen. Im April 2026 setzte ein Dekret des Weißen Hauses einen ermäßigten Zollsatz von 15 Prozent auf Schweizer Exporte patentgeschützter Arzneimittel fest. Die Schweizer Regierung bezeichnete die zusätzlichen Zölle damals als „eine zusätzliche Belastung für die exportierende Schweizer Pharmaindustrie“, so das Eidgenössische Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung.
Trump gab Handelsminister Howard Lutnick ein Jahr Zeit, um die Generika-Situation zu überprüfen und weitere Maßnahmen zu empfehlen. Die zweijährige Schonfrist gibt den Herstellern nun ein Zeitfenster, um zu entscheiden, ob sie in die US-Produktion investieren oder mit hohen Zöllen rechnen müssen.
- Nullzoll-Periode beginnt, dauert zwei Jahre
- 100% Zoll auf Generika tritt für ein Jahr in Kraft
- 200% Zoll auf Generika tritt in Kraft


