
Susanne Pawliks Debütroman ‚Weiterschwimmen‘ zeichnet die Trauer und Heilung einer Mutter durch tägliche Schwimmzüge nach dem Tod ihrer Tochter nach
Nachdem ihre Tochter 2017 an Krebs gestorben war, begann Susanne Pawlik mit einem täglichen Ritual: 40 Bahnen schwimmen. Ihr Debütroman ‚Weiterschwimmen‘ verarbeitet diese Erfahrung zu einer Geschichte von Trauer und Heilung.
Die Diagnose
Im Sommer 2017, während eines Familienurlaubs, brach Susanne Pawliks Welt zusammen. Die Protagonistin ihres Romans, Bea, entdeckt beim Eincremen einen Knoten am Bauch ihrer Tochter Karla. „Plötzlich war sie da. Die Beule an Karlas Bauch. Beim Eincremen. Links, direkt neben der Niere“, schreibt Pawlik in enger Anlehnung an ihr eigenes Leben. Was folgt, ist ein Alltag zwischen Krankenhaus und Zuhause, geprägt von Stomabeuteln, Einwegspritzen, Sauerstoffgeräten und Brettspielen im Krankenzimmer. Das Kind, einst voller Energie mit „feinen Löckchen auf der Stirn“ und ständig in Bewegung, verblasst.
Trauer beginnt vor dem Tod
Pawlik betont, dass die Trauer lange vor dem Tod ihrer Tochter begann. „Bei der Diagnose fing im Prinzip schon eine Art von Trauer an“, sagte die 55-jährige Autorin. „Man verabschiedet sich vom Gedanken an ein gesundes Kind, von der Normalität. Meiner Meinung nach wird über diese Art von Trauer viel zu wenig gesprochen. Alle denken, getrauert wird erst, wenn jemand gestorben ist.“
Das Ritual des Schwimmens
Schwimmen wurde zu einer Lebensader. Pawliks Figur Bea bevorzugt – wie die Autorin selbst – ein Waldbad gleich jenseits der Grenze in Österreich, wo niemand ihre Geschichte kennt. „Wo ich einfach nur die bin, die morgens ihren Kilometer schwimmt“, stets auf der Außenbahn. Der Reiz lag in der Fähigkeit des kalten Wassers, sie wieder mit ihrem Körper zu verbinden. „Dass man seinen Körper wieder spürt, sich selber wieder spürt. Und auch dieses sich körperliche Auspowern, weil man im Kopf so ausgepowert ist“, erklärte sie. Die 40-Bahnen-Routine gab Struktur und einen mentalen Flow-Zustand. „Für mich war es lebensrettend, weil es mich immer wieder gesammelt hat.“
‚Swim of Consciousness‘
Die Grundlage des Buches bildeten kleine Notizen, die Pawlik während ihrer Trauerjahre schrieb. Sie nennt ihre Methode „Swim of Consciousness“ – eine Anspielung auf James Joyces „Stream of Consciousness“ aus ‚Ulysses‘. „Beim Schwimmen kann man nur andenken. Da kann man nicht Gedanken zu Ende spinnen, da kann man sie nur spüren. Man kann sie aber nicht zerdenken“, sagte sie. „Analytisch kann man unter Wasser nicht sein, nur emotional.“ Der Roman wechselt zwischen erzählten Passagen und kurzen, poetischen Zweizeilern im Brustschwimmtakt. Jeder Poolbesuch wird mit Luft- und Wassertemperatur notiert, wie auf den alten Kreidetafeln, auf denen der Bademeister eine Zahl wegwischt und eine wärmere anschreibt.
Ein Weg zurück ins Leben
Das Ergebnis ist ein Debüt, das nachzeichnet, wie eine Mutter den Lebenswillen wiederaufbaut. Pawlik, aus dem oberbayerischen Inntal, fand durch Schreiben und Schwimmen einen Weg durch die Krise. Der Roman bietet keinen einfachen Trost, sondern dokumentiert einen Prozess: die langsame, repetitive, körperliche Bewegung durchs Wasser, bis die Hoffnung wieder an die Oberfläche kommt.

