
Totale Sonnenfinsternis verdunkelt Spanien und lockt bis zu 15 Millionen Zuschauer in ganz Europa
Die erste totale Sonnenfinsternis auf dem spanischen Festland seit 1905 lockte am 12. August bis zu 15 Millionen Zuschauer an. Die Totalität dauerte entlang eines 300 Kilometer breiten Streifens von Galicien bis zu den Balearen bis zu zwei Minuten.
Pfad und Zeitplan der Finsternis
Die totale Sonnenfinsternis begann gegen 19:00 Uhr in Nordsibirien, der Kernschatten des Mondes zog über Grönland und Island, bevor er Spanien erreichte. In A Coruña verschwand die Sonne um 20:27:41 hinter dem Mond – die erste totale Finsternis auf dem spanischen Festland seit 1905. Die Totalität dauerte dort 1 Minute und 18 Sekunden. Der Schatten zog dann über Kastilien und León, Aragonien und Valencia bis zu den Balearen, wobei die Totalität je nach Standort zwischen etwa 30 Sekunden und knapp zwei Minuten dauerte. In Deutschland, wo der Mond 85 bis 90 Prozent der Sonne bedeckte, begann die partielle Phase um 19:15 Uhr, erreichte ihr Maximum um 20:08 Uhr und endete gegen 20:37 Uhr mit dem Sonnenuntergang. In der Schweiz trat der Höhepunkt kurz nach 20:00 Uhr ein. In Reykjavík war es die erste totale Sonnenfinsternis seit 1433, allerdings trübten Wolken und Regen die Sicht.
- Totale Finsternis beginnt in Nordsibirien
- Mond beginnt von Deutschland aus gesehen die Sonne zu bedecken
- Maximale Bedeckung von 85 % in Berlin erreicht
- Totalität erreicht A Coruña, erste in Spanien seit 1905, Dauer 1 Min 18 Sek
- Finsternis endet mit Sonnenuntergang in Deutschland
Millionen schauen in ganz Europa zu
Schätzungen zufolge verfolgten bis zu 15 Millionen Menschen das Ereignis zwischen A Coruña und der Insel Formentera. Die etwa 300 Kilometer breite Zone der Totalität erstreckte sich von Galicien bis zu den Balearen. Hunderte offizielle Beobachtungsstationen wurden von Regionen und Gemeinden eingerichtet. In Deutschland versammelten sich Millionen an Aussichtspunkten wie dem Olympiaberg im Münchner Olympiapark. In Berlin drängten sich etwa 3.000 Menschen vor dem Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg, was die Polizei dazu veranlasste, den nahegelegenen S-Bahnhof Prenzlauer Allee zu schließen. In der Schweiz lockten erhöhte Aussichtspunkte wie die Rigi und der Kronberg in Appenzell Innerrhoden Menschenmassen an, obwohl Schutzbrillen am Kronberg-Eingang ausverkauft waren.
Reiseansturm und wirtschaftlicher Aufschwung
Die Finsternis löste bereits Tage im Voraus eine Reisewelle aus. Hotels in der Totalitätszone waren Monate im Voraus ausgebucht, und Privatpersonen vermieteten Balkone und Dächer für mehrere hundert Euro. In Madrid waren Mietwagen nur ab 2.800 Euro pro Tag erhältlich. Die Behörden rechneten mit bis zu 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten. Auf Mallorca bildeten sich bereits am frühen Morgen Staus rund um Sóller und entlang der Serra de Tramuntana; Parkplätze waren Stunden vor der Finsternis belegt und einige Zufahrtsstraßen gesperrt. Viele Besucher mussten ihre Beobachtungspunkte zu Fuß erreichen. Das ländliche „España vacía“, das dünn besiedelte Landesinnere, das im internationalen Tourismus selten eine Rolle spielt, profitierte besonders von dem Zustrom.
Sicherheit und Zwischenfälle
Spanien setzte mehr als 35.000 Polizisten ein, verstärkt durch die Armee, hauptsächlich aufgrund der extremen Waldbrandgefahr an einem Tag, an dem die Temperaturen stellenweise fast 40 Grad erreichten. Die Behörden senkten die Alarmstufe bald, da es zu keinen größeren Vorfällen kam. In der Nähe von Peñíscola in Castellón fing auf einem Parkplatz eines Beobachtungspunkts ein Auto Feuer, und die Flammen griffen auf 33 weitere Fahrzeuge über. Die Feuerwehr konnte den Brand schnell eindämmen. Befürchtungen, dass die Menschenmassen in ländlichen Gebieten weitere Waldbrände auslösen könnten, bestätigten sich nicht.
Reaktionen
Sara García, eine junge Astronautin, sprach mit Tränen in den Augen zum staatlichen Sender RTVE.
Ich bekam eine Gänsehaut. Ich hätte nie gedacht, dass es so überwältigend sein würde. Es war wirklich eine der schönsten Erfahrungen, die ich je in meinem Leben gemacht habe.
Óscar Pérez, ein 24-jähriger Physikstudent, der aus Deutschland nach Medinaceli in Zentralspanien gereist war, sagte, es sei das erste Mal, dass er eine totale Sonnenfinsternis in Spanien erlebe, und er wisse nicht, wann die nächste stattfinden werde. Ein deutscher Tourist auf Mallorca beschrieb das Erlebnis als absolut magisch und sagte, die zwei Minuten seien den Flug und die 90-minütige Fahrt zum Beobachtungspunkt wert gewesen. Die nächste in der Schweiz sichtbare totale Sonnenfinsternis wird erst 2081 erwartet, die nächste ringförmige Finsternis erst 2075.


