
45-Jähriger stirbt einen Monat nach Schultereingriff im Krankenhaus Radom – Staatsanwaltschaft bestellt Gutachtergremium
Ein 45-jähriger Mann aus Pionki starb im Februar, nachdem er bei der Reposition einer Schulterluxation in der Notaufnahme von Radom das Bewusstsein verloren hatte. Der Fall wurde durch einen anonymen Tipp von Rettungssanitätern bekannt; die Staatsanwaltschaft hat nun forensische Sachverständige bestellt.
Wie der Patient in die Notaufnahme kam
Am 10. Januar 2026 suchte ein 45-jähriger Einwohner von Pionki bei Radom die Notaufnahme (SOR) des Mazowiecki Szpital Specjalistyczny in Radom wegen einer Schulterluxation auf. Nach Angaben der Ermittler wurde dem Patienten anschließend eine Vollnarkose verabreicht, ohne dass ein Anästhesist anwesend war und ohne Geräte zur Überwachung der Vitalfunktionen. Kurz nach dem Eingriff verlor der Mann das Bewusstsein.
Die Staatsanwaltschaft hat ein Team von forensischen Sachverständigen bestellt, die prüfen sollen, ob die im Krankenhaus angewandten medizinischen Verfahren den medizinischen Standards entsprachen.
Anschließend wurde er auf die Intensivstation (OIOM) verlegt. Anfang Februar wurde er in eine Langzeitpflegeeinrichtung in Legionowo verlegt, wo er bereits nach einem Tag verstarb. Sein Leichnam wurde eingeäschert, was eine Obduktion unmöglich machte und die Ermittler dazu zwang, sich ausschließlich auf Krankenakten und andere gesammelte Beweise zu stützen.
Der anonyme Hinweis und die frühen Ermittlungen
Der Fall wurde durch eine anonyme Anzeige bekannt, die von Rettungssanitätern der Notaufnahme unterzeichnet war. Im Februar erklärte der Leiter der Bezirksstaatsanwaltschaft Radom-Wschód, Cezary Ołtarzewski, dass der Brief auf Unregelmäßigkeiten bei der Verabreichung von Medikamenten und auf Einschüchterung des Personals durch den behandelnden Arzt hinweise. Die Tageszeitung Gazeta Wyborcza berichtete als erste über die Geschichte.
Sachverständigenteam der Staatsanwaltschaft
Fast fünf Monate später weitete die Bezirksstaatsanwaltschaft in Radom die Ermittlungen aus. Sprecherin Aneta Góźdź kündigte die Bildung eines forensischen Gremiums an, dem Fachärzte für Notfallmedizin, Anästhesiologie und Orthopädie angehören werden. Das Gremium soll feststellen, ob der Patient durch eine fehlerhafte Diagnose und Behandlung einer unmittelbaren Lebensgefahr oder einer schweren Gesundheitsschädigung ausgesetzt war, was letztlich zu seinem unbeabsichtigten Tod führte. Derzeit werden Zeugen (Ärzte, Pflegekräfte und Hilfspersonal) befragt und die medizinische Dokumentation ergänzt.
Allgemeine Bedenken bezüglich des Krankenhauses
Das Mazowiecki Szpital Specjalistyczny, das von den Behörden der Woiwodschaft Masowien unter Marschall Adam Struzik betrieben wird, sah sich wiederholt Vorwürfen der Unterbesetzung in seiner Notaufnahme ausgesetzt. Eine frühere Inspektion des Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ) bestätigte diese Probleme. Lokale Medienberichte weisen auch auf eine politische Dimension hin: Die Krankenhausleitung und der Aufsichtsrat umfassen zahlreiche Parteialtivisten von PSL und KO.


