
Singapurs Film ‚The Violinist‘ gewinnt höchsten Cristal beim Annecy-Festival
Singapurs handgezeichnetes Zweiter-Weltkrieg-Epos 'The Violinist' hat am Samstag beim Internationalen Trickfilmfestival Annecy 2026 den Cristal-Preis als bester Spielfilm gewonnen – eine Überraschung gegen Favoriten aus Cannes wie 'Iron Boy'.
Cristal für ‚The Violinist‘
„The Violinist“ unter der Regie von Ervin Han und Raul Garcia ist ein historisches Drama, das Singapur und Malaya von 1929 bis zur japanischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg verfolgt. Es erzählt von zwei Kindheitsfreunden, Kai und Fei, beide virtuose Geiger, deren Leben durch den Krieg zerrissen wird. Der Film ist eine singapurisch-spanisch-italienische Koproduktion und markiert das erste singapurische Werk im Hauptwettbewerb von Annecy seit 15 Jahren. Seine handgezeichnete 2D-Animation, die in Schlüsselszenen durch 3D angereichert wird, weckte Vergleiche mit Anime und erwies sich als Höhepunkt des Festivals.
‚Iron Boy‘ räumt drei Preise ab
Louis Clichys „Iron Boy“, ein französisches Drama über einen 11-jährigen Jungen im ländlichen Frankreich der 1980er Jahre, der gegen eine Wirbelsäulenerkrankung kämpft, die ihn zum Tragen eines eisernen Korsetts zwingt, gewann den Jury-Preis, den Publikumspreis und den Gan Foundation Award for Distribution. Der Film feierte in Cannes‘ Un Certain Regard Premiere, wo er den Spezialpreis der Jury gewann und von Sony Pictures Classics erworben wurde. Seine warmherzige Aufnahme in Annecy dürfte die Diskussion um einen möglichen Preisverleihungserfolg anheizen.
Contrechamp und andere Preise
In der Seitenreihe Contrechamp erhielt „Blaise“, eine Dramödie der französischen Regisseure Dimitri Planchon und Jean-Paul Guigue über einen schüchternen 16-Jährigen und seine dysfunktionale Familie, den Grand Prize. Der Film, der eine Fernsehserie erweitert, feierte in Cannes‘ ACID-Reihe Premiere. Der Contrechamp-Jurypreis ging an „A New Dawn“, einen Anime von Japans Yoshitoshi Shinomiya, der in Berlin debütierte. Alberto Vázquez‘ „Decorado“, eine spanische Fabel über eine arbeitslose Maus, die gegen eine kontrollierte Stadt rebelliert, gewann den Paul-Grimault-Preis. In den Fernsehkategorien gewann Rémi Durins Vorschulserie „The Great Dreamscape“ den Cristal, während „Takopi's Original Sin“ und „The Broos“ Jury- und Publikumsehren einheimsten.
Ein düsterer Tribut
Die Zeremonie fand am Samstagabend in Annecy statt. Festivalintendant Marcel Jean würdigte Luis de la Rosa, einen mexikanischen Illustrator und Animator, der an „Spider-Man: Across the Spider-Verse“ und „Space Jam: A New Legacy“ mitwirkte. De la Rosa starb am Mittwochabend bei einem Zugunglück in Annecy und warf einen Schatten auf die Feierlichkeiten.


