
Koalition plant schärfere Tabaksteuererhöhung – Zigarettenpackung soll bis 2030 rund 12 Euro kosten
Die schwarz-rote Koalition will die Tabaksteuer stärker anheben als noch das Kabinett vergangene Woche beschlossen hatte – rund 40 Cent mehr pro Packung und bis 2030 zusätzliche Einnahmen von 4,4 Milliarden Euro jährlich.
Was die Koalition plant
Die deutsche Regierungskoalition beabsichtigt, die Tabaksteuer aggressiver anzuheben als der Gesetzesentwurf, den das Kabinett erst vergangene Woche gebilligt hatte. Eine „Formulierungshilfe“ aus dem Bundesfinanzministerium, die mehreren Redaktionen vorliegt, darunter dem ARD-Hauptstadtstudio und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, skizziert einen steileren Anstieg. Der Durchschnittspreis einer 20er-Schachtel Zigaretten würde von derzeit rund 8 Euro auf 9,10 Euro im Jahr 2027 steigen und dann jährlich anziehen, um bis 2030 11,78 Euro zu erreichen. Das sind etwa 42 Cent mehr als der ursprüngliche Gesetzesentwurf des Ministeriums vorsah. Markenzigaretten wie Marlboro oder Lucky Strike könnten nach Schätzung von Branchenvertretern bereits im nächsten Jahr 11 Euro und bis 2030 13 Euro kosten.
Die Überarbeitung verfolgt zwei Ziele: die Schließung einer Lücke im Bundeshaushalt und die Stützung der gesetzlichen Krankenversicherung, die ein Defizit von 750 Millionen Euro aufweist. Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) sagte im ARD-„Morgenmagazin“, die zusätzlichen Einnahmen könnten Krankenhäusern und der stationären Versorgung zugutekommen. „Wir müssen sehen, wie wir das System insgesamt so halten können, dass die 19 Milliarden Euro im nächsten Jahr eingespart werden, ohne dass die Beitragssätze steigen“, so Frei.
Wie die Steuermechanik funktioniert
Die Steuer pro Zigarette soll von derzeit 14,34 Cent im Jahr 2027 auf dann 18,57 Cent im Jahr 2030 steigen. Gleichzeitig würde die ad-valorem-Komponente, die als Prozentsatz des Verkaufspreises erhoben wird, von 20 % auf 21,05 % steigen. Zusammen erhöhen diese Änderungen den Steueranteil einer Packung von derzeit rund 4 Euro auf 6,19 Euro im Jahr 2030. Der ursprüngliche Gesetzesentwurf der Regierung sah zusätzliche Jahreseinnahmen von rund 0,8 Milliarden Euro im Jahr 2027 vor; der schärfere Plan verdoppelt diesen Betrag im ersten Jahr auf etwa 1,6 Milliarden Euro. Bis 2030 sollen die jährlichen Mehreinnahmen 4,4 Milliarden Euro erreichen, sodass die gesamten Tabaksteuereinnahmen in diesem Jahr bei rund 21 Milliarden Euro liegen.
Feinschnitttabak für selbstgedrehte Zigaretten war zunächst für eine stärkere Erhöhung vorgesehen, der jüngste Entwurf nimmt hier jedoch etwas zurück. Zigarrenraucher hingegen müssen mit einer Verzehnfachung der ad-valorem-Steuer auf den Verkaufspreis rechnen.
- Das Kabinett billigt den ursprünglichen Tabaksteuergesetzentwurf mit einem niedrigeren Erhöhungspfad.
- Das Finanzministerium legt eine schärfere Formulierungshilfe vor; die Koalition plant steilere Erhöhungen.
- Die erste Stufenerhöhung tritt in Kraft; der durchschnittliche Packungspreis steigt auf 9,10 Euro.
- Der Packungspreis steigt auf 9,91 Euro.
- Der Packungspreis erreicht 10,81 Euro.
- Der Packungspreis erreicht 11,78 Euro; die jährlichen Mehreinnahmen werden auf 4,4 Milliarden Euro prognostiziert.
Öffentliche Meinung und politische Unterstützung
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von Stern und RTL, veröffentlicht am 14. Juli, ergab, dass 70 % der Deutschen höhere Zigarettenpreise befürworten, während 27 % dagegen sind. Mehrheiten unter den Wählern von CDU/CSU, SPD, Grünen und Die Linke unterstützen die Erhöhung. Der Widerstand kommt hauptsächlich von regelmäßigen Rauchern und Anhängern der AfD.
Hendrik Streeck (CDU), der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, befürwortete den Schritt. „Die deutliche Erhöhung der Tabaksteuer ist eine richtige Entscheidung“, sagte Streeck der Frankfurter Rundschau. „Der Preis ist einer der wirksamsten Hebel, um Jugendliche vom Einstieg abzuhalten und Raucher beim Ausstieg zu unterstützen.“
Die deutliche Erhöhung der Tabaksteuer ist eine richtige Entscheidung. Der Preis ist einer der wirksamsten Hebel, um Jugendliche vom Einstieg abzuhalten und Raucher beim Ausstieg zu unterstützen.
Widerstand der Industrie und Stimmen aus dem Gesundheitswesen
Die Tabakindustrie reagierte mit Unglauben. Jan Mücke, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BVTE, nannte die Einnahmeprognosen „reine Fantasie“ und warnte, dass höhere Preise die Verbraucher in den Schwarzmarkt treiben würden. „Die Steuererhöhung wäre ein Konjunkturprogramm für die organisierte Kriminalität“, sagte Mücke. Er wies darauf hin, dass die bundesweiten Tabaksteuereinnahmen nach einer 15-Cent-Erhöhung zu Jahresbeginn 2026 im ersten Halbjahr nur 5,2 Milliarden Euro erreichten, verglichen mit 17,6 Milliarden Euro im gesamten Jahr 2025. „Der Vorjahreswert wird in diesem Jahr nicht erreicht, und wenn die Steuerlast in den kommenden Jahren deutlich steigt, wird dieser Rückgang der Steuereinnahmen anhalten.“
Die Bundesregierung plant mit zusätzlichen Einnahmen, die reine Fantasie sind; nichts davon wird Realität.
Christian Cordes von Reemtsma schloss sich der Sorge an und verwies auf Frankreich und die Niederlande, wo der legale Markt seiner Aussage nach praktisch zusammengebrochen sei und der grenzüberschreitende sowie illegale Handel boome. Krebsforscher hingegen begrüßten den Plan. Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum betonte, dass höhere Preise ein bewährtes Mittel zur Senkung des Konsums seien, insbesondere bei preissensiblen Jugendlichen.
Wie es weitergeht
Die Formulierungshilfe geht nun zur Beratung an die Bundestagsfraktionen. Sollte sie angenommen werden, würde die erste Stufenerhöhung am 1. Januar 2027 in Kraft treten. Die Regierung stellt die Maßnahme sowohl als fiskalisches Konsolidierungsinstrument als auch als gesundheitspolitischen Eingriff dar, der im Einklang mit ihrem Ziel steht, die Raucherquoten bei Jugendlichen und Erwachsenen zu senken. Von der Deutschen Welle zitierte Eurostat-Zahlen zeigen, dass etwa ein Viertel der Deutschen ab 15 Jahren regelmäßig raucht.


