
SYRIZA ernennt Rena Dourou zur Fraktionschefin und Nikos Pappas zum Sekretär, um die Auflösung zu stoppen
Nach einer 12-stündigen Sitzung des Zentralkomitees installierte die griechische Linkspartei eine kollektive Führung, um sich auf die nationalen Wahlen vorzubereiten. Pavlos Polakis übernimmt trotz Spannungen eine strategische Rolle.
Eine Partei im Überlebensmodus
Das Zentralkomitee von SYRIZA trat am 18. Juli 2026 zu einer etwa 12-stündigen Sitzung zusammen, um die Abwanderungswelle zu stoppen, die die Fraktion schrumpfen und den Parteiapparat lahmlegen ließ. Das Treffen fand statt, nachdem Rena Dourou ohne Gegenkandidaten zur neuen Vorsitzenden der Fraktion gewählt worden war und die bisherige Führung ablöste. Die Partei verliert seit einer umstrittenen Entscheidung im Juni über die Zusammenarbeit mit anderen linken Kräften kontinuierlich Abgeordnete und mittlere Kader, insbesondere in den Regionen. Die Führung präsentierte die Umstrukturierung als Beginn eines Wiederaufbaus, obwohl interne Spannungen sichtbar blieben.
Die neue Führungsriege
Am Ende der Sitzung wurde Nikos Pappas zum Sekretär des Zentralkomitees gewählt, mit Natasa Gkara als Stellvertreterin und Giannis Boulekos als Organisationssekretär. Das neu gebildete Politische Sekretariat, ein 34-köpfiges Gremium, wurde ebenfalls gebilligt. Pavlos Polakis, der sich aus dem Rennen um den Fraktionsvorsitz zurückgezogen hatte, wurde zum Sekretär für strategische Planung ernannt. Dimitris Melidis wurde Pressesprecher, mit Giorgos Panagiotopoulos als seinem Stellvertreter. Die Zusammensetzung des Wahlausschusses wird später vom Politischen Sekretariat entschieden.
- Rena Dourou wird Fraktionsvorsitzende von SYRIZA, ohne Gegenkandidaten.
- Das Zentralkomitee tritt zu einer etwa 12-stündigen Sitzung zusammen.
- Nikos Pappas wird zum Sekretär des Zentralkomitees gewählt.
- Ein neues 34-köpfiges Politisches Sekretariat wird gebilligt.
- Pavlos Polakis wird zum Sekretär für strategische Planung ernannt.
- Die Zusammensetzung des Wahlausschusses wird dem Politischen Sekretariat zur späteren Entscheidung überlassen.
Dourous Aufruf zur Einheit
Rena Dourou, die mit Applaus empfangen wurde, bezeichnete den Moment als eine "kritische Wegmarke" und betonte, dass "niemand überflüssig" für die Wiederaufbaubemühungen sei. Sie übte deutliche Kritik an der bisherigen Führung, nannte die Entscheidung des Zentralkomitees vom Juni zur Strategie der Partei gegenüber der ELAS-Gruppierung "höchst unglücklich" und argumentierte, dass sie "im Wesentlichen zur Auflösung von SYRIZA geführt habe." Dourou sagte, die Partei werde bei den nächsten nationalen Wahlen entweder mit einem breiteren progressiven Bündnis oder eigenständig antreten, und wies die Vorstellung zurück, dass SYRIZA ihren historischen Zyklus abgeschlossen habe.
Pappas: 'SYRIZA ist da'
Nikos Pappas schlug einen trotzigen Ton an und erklärte, dass "SYRIZA da ist und steht" und gelobte, die Vorhersagen über das Ende der Partei zu widerlegen. Er räumte die Schwierigkeit der Aufgabe ein und bezog sich auf den Ausspruch des verstorbenen linken Politikers Ilias Iliou: "Wir sind die Fraktion der unendlichen Opfer." Pappas bestand darauf, dass die Partei ins Parlament einziehen und eine Hauptrolle in der breiteren Linken spielen werde. Er richtete auch eine scharfe Botschaft an die Abgeordneten, die die Partei verlassen haben, aber ihre Sitze behalten.
Der Parlamentssitz ist kein persönliches Gepäck, das man herumtragen und versteigern kann. Wer einen anderen politischen Weg wählt, muss ihn abgeben.
Polakis beschuldigt Tsipras
Die kämpferischste Rede kam von Pavlos Polakis, der dem ehemaligen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras direkt vorwarf, einen "Plan zur Auflösung von SYRIZA" zu schmieden. Polakis, der sich gegen eine Kandidatur für den Fraktionsvorsitz entschieden hatte, sagte, seine weitere Anwesenheit in der Partei hänge davon ab, ob ihre politische Richtung ihn repräsentiere – ein Zeichen für eine fragile Koexistenz. Seine Ernennung zum Sekretär für strategische Planung hält ihn im Boot, aber die Spannungen mit dem Tsipras-Lager bleiben ungelöst.
Was als Nächstes kommt
Die Partei billigte eine kollektive Führungsstruktur, um sie bis zu den nationalen Wahlen zu steuern, die bereits im Herbst stattfinden könnten. Für September ist eine große Initiative geplant, um das Parteiprogramm vorzustellen, das einen 10-Punkte-Plan umfasst, der eine öffentliche Bank, die staatliche Kontrolle über die Public Power Corporation und Hellenic Petroleum sowie eine starke öffentliche Säule im Energie- und Bankensektor fordert. Das Zentralkomitee kritisierte auch die Regierung Mitsotakis dafür, dass sie die Wohnungskrise und die hohen Preise nicht in den Griff bekomme, und beschuldigte sie, die verfügbaren Mittel in Höhe von 120 Milliarden Euro nicht zu nutzen. Die Führung rief unabhängige Abgeordnete auf, ihre Sitze zurückzugeben, und betonte, dass die Partei wieder aufgebaut werde und ins Parlament zurückkehren werde.

