
SYRIZA-Präsident Sokratis Famellos tritt zurück, Partei spaltet sich vor der Zentralkomitee-Showdown in zwei Lager
Sokratis Famellos ist am Donnerstagabend als Vorsitzender der größten griechischen Oppositionspartei zurückgetreten, noch vor einem Misstrauensvotum, und hat damit einen offenen Machtkampf zwischen rivalisierenden Lagern unter Führung von Pavlos Polakis und Nikos Pappas ausgelöst.
Rücktritt und seine Ursachen
Sokratis Famellos gab seinen Rücktritt vom Vorsitz der SYRIZA Progressiven Allianz am Abend des 9. Juli 2026 nach einem Treffen mit engen Mitarbeitern in der Parteizentrale bekannt. Er erklärte, er könne nicht länger „einen anderen politischen Plan“ verfolgen und wolle eine erneute Spaltung der Linken vermeiden. Die Entscheidung fiel Wochen, nachdem das Zentralkomitee der Partei mit Unterstützung der von Ex-Ministerpräsident Alexis Tsipras gegründeten Griechischen Linksallianz (ELAS) gestimmt hatte, ein Schritt, der den Exodus von Mitgliedern und Abgeordneten zur neuen Formation nicht stoppen konnte.
Ich trete vom Vorsitz der SYRIZA Progressiven Allianz zurück. Ich trete nicht aus dem Parlament zurück. Ich trete nicht aus der SYRIZA-PS zurück. Ich ehre das Volksmandat, ich glaube an die Linke und an politisches Handeln.
Famellos bleibt Abgeordneter und Parteimitglied. In seiner Rücktrittserklärung machte er interne Sabotage und wiederholte Fehler seit 2023 dafür verantwortlich, während er auch der PASOK, der Neuen Linken und Tsipras‘ ELAS vorwarf, sich einer progressiven Konvergenz zu verweigern.
Fraktionen und der Kampf um die Nachfolge
Innerhalb weniger Stunden nach dem Rücktritt bestätigten zwei getrennte Treffen, dass sich die Partei in zwei unterschiedliche Lager gespalten hatte. Eines versammelte Nikos Pappas, Rena Dourou, Yiannis Boulekos und Funktionäre des Parteiapparats; das andere brachte Pavlos Polakis, Tryfonas Alexiadis, Giorgos Panagiotopoulos und ihre Verbündeten zusammen. Beide Seiten sind sich einig, dass SYRIZA bei der nächsten nationalen Wahl autonom antreten muss, unterscheiden sich jedoch im Führungsmodell und den nächsten Schritten.
Der Kreis um Pappas schwebt ein kollektives Führungsmodell mit breiter Beteiligung vor, während Dourou gedrängt wird, eine Präsidentschaftskandidatur zu erwägen. Viele Funktionäre glauben, dass Pappas und Dourou bald koordinieren müssen, da ohne ein Mindestmaß an Abstimmung zwischen den beiden keine stabile Führung entstehen kann. Polakis, der öffentlich den Rücktritt von Famellos gefordert hatte, genießt weiterhin starke Unterstützung in der Parteibasis und wird von einigen Mitgliedern als die einzige Figur angesehen, die SYRIZA zurück ins Parlament führen könnte.
Der Streit um das Zentralkomitee
Das Zentralkomitee der Partei soll am Samstag, 11. Juli, im Wyndham Athens Hotel tagen. Die Sitzung war ursprünglich einberufen worden, nachdem Polakis und Pappas genügend Unterschriften gesammelt hatten, um Famellos herauszufordern. Nach dem Rücktritt entbrannte eine Debatte darüber, ob das Treffen stattfinden sollte. Einige argumentierten, dass das Gremium ohne einen Vorsitzenden nicht zusammentreten könne und dass zuerst das Politische Sekretariat tagen solle, möglicherweise bereits am Freitag, 10. Juli.
Es gibt keine Verschiebung des Zentralkomitees!!! Jetzt, wo Famellos zu Recht zurückgetreten ist, wie ich es gefordert hatte, ist seine Sitzung umso notwendiger!! Das Zentralkomitee wurde auf Antrag seiner Mitglieder einberufen und niemand kann es verschieben.
Die Stunden sind entscheidend. Die Partei muss kollektiv vorankommen. Niemand hat die Autorität, das Zentralkomitee zu verschieben. Niemand wird den Mitgliedern das Recht und die Pflicht nehmen, Stellung zu beziehen.
Sowohl Polakis als auch Pappas bestehen darauf, dass das Treffen stattfinden muss, und verwandeln den Nachfolgekampf in einen Kampf um die Legitimität der nächsten Schritte der Partei.
Was als nächstes kommt
Nach den Parteistatuten muss ein Prozess zur Wahl eines neuen Vorsitzenden aus der Mitgliederbasis zügig eingeleitet werden. Der starke Rückgang der Partei in den Umfragen macht eine solche Abstimmung jedoch problematisch. Berichte deuten auch auf eine bevorstehende Welle von Rücktritten von Abgeordneten und Zentralkomiteemitgliedern hin, was die Organisationskrise vertieft. Der Status der Parlamentsfraktion bleibt unklar, da Famellos noch kein Rücktrittsschreiben als deren Vorsitzender an den Parlamentspräsidenten gesendet hat.
- Sokratis Famellos tritt als SYRIZA-Vorsitzender nach einem Treffen mit engen Mitarbeitern zurück.
- Getrennte Fraktionstreffen: Das Lager Pappas-Dourou und das Lager Polakis diskutieren die nächsten Schritte.
- Der Druck steigt für ein sofortiges Treffen des Politischen Sekretariats zur Planung des Übergangs.
- Das Zentralkomitee soll im Wyndham Athens Hotel tagen; Polakis und Pappas bestehen darauf, dass es nicht verschoben werden kann.
Die kommenden Tage werden zeigen, ob SYRIZA zusammenhalten kann oder ob die zentrifugale Anziehungskraft von ELAS und interne Rivalitäten die Zersplitterung beschleunigen.


