
EU-Drogenbehörde warnt vor „unberechenbarem“ Markt: Synthetische Opioide verbreiten sich, 7.600 Tote durch Überdosen
Die Europäische Drogenagentur erklärt, der illegale Drogenmarkt des Kontinents werde komplexer und unberechenbarer. Potente synthetische Opioide wie Nitazene treiben einen Anstieg tödlicher Überdosen an.
Die Europäische Drogenagentur (EUDA) hat eine deutliche Warnung zur rasanten Entwicklung des illegalen Drogenmarktes in Europa ausgesprochen und dabei auf die wachsende Bedrohung durch synthetische Opioide sowie die zunehmende Vielfalt psychoaktiver Substanzen auf der Straße hingewiesen. Die Ergebnisse wurden im Jahresbericht der Agentur vom 9. Juni 2026 veröffentlicht.
Ein Markt im Wandel
Der Bericht, der auf Daten der 27 EU-Mitgliedstaaten, Norwegens und der Türkei basiert, stellt fest, dass im Jahr 2025 in Europa mindestens 50 neue psychoaktive Substanzen erstmals identifiziert wurden. Damit steigt die Gesamtzahl der vom EU-Frühwarnsystem überwachten Substanzen auf 1.050. Die Exekutivdirektorin der Agentur, Lorraine Nolan, beschrieb einen Markt, der sich in atemberaubendem Tempo bewegt.
Die Drogenmärkte entwickeln sich rasant, und die Vielfalt der Substanzen auf Europas Straßen wird immer unberechenbarer. Dies erhöht das Risiko, dass Menschen hochpotente Drogen konsumieren, oft ohne es zu wissen.
Die Bedrohung durch synthetische Opioide
Ein zentrales Anliegen ist der Aufstieg synthetischer Opioide, insbesondere von Nitazenen. Diese Substanzen wurden in gefälschten Benzodiazepinen und gängigen Straßendrogen wie Kokain, Heroin und Ketamin gefunden. In England und Wales wurden Nitazene im Jahr 2024 mit 195 Todesfällen in Verbindung gebracht – fast viermal so viele wie im Vorjahr. In Bulgarien wurde Fentanyl zwischen 2024 und 2025 mit über 100 Todesfällen in Verbindung gebracht, wobei sich die Todesfälle über die Hauptstadt Sofia hinaus ausbreiteten. Allein im Jahr 2025 wurden über das EU-Frühwarnsystem sieben neue synthetische Opioide gemeldet.
Überdosierungen und Mischkonsum
Die EUDA schätzt, dass es im Jahr 2024 in der EU mindestens 7.600 tödliche Überdosierungen gab, mit einer Sterblichkeitsrate von 25 Todesfällen pro eine Million Einwohner im Alter von 15 bis 64 Jahren. Opioide, darunter Heroin, waren für etwa sieben von zehn dieser Todesfälle verantwortlich. Die Agentur betonte zudem, dass Mischkonsum weit verbreitet ist, wobei Menschen verschiedene Drogen kombinieren und so die Risiken erhöhen.
Mischkonsum ist ebenfalls verbreitet, wobei Menschen verschiedene Drogen auf eine Weise kombinieren, die die Risiken erhöht.
Cannabis und Kokain bleiben dominierend
Cannabis bleibt die am weitesten verbreitete illegale Droge in Europa: 24,9 Millionen Erwachsene im Alter von 15 bis 64 Jahren gaben an, im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert zu haben. Der illegale Cannabismarkt in Europa wird auf rund 12 Milliarden Euro geschätzt, und Cannabis machte 68 % der rund eine Million von den EU-Ländern im Jahr 2024 gemeldeten Drogenbeschlagnahmungen aus. Der Bericht verweist auch auf das Aufkommen synthetischer und halbsynthetischer Cannabinoide, die in E-Zigaretten und essbaren Produkten verkauft werden, was Bedenken hinsichtlich des Konsums durch jüngere Nutzer aufkommen lässt. Kokain bleibt die zweithäufigste Droge, mit 4,3 Millionen Erwachsenen, die für 2024 einen Konsum angaben.
Schmuggelrouten und Rekrutierung Jugendlicher
Der Bericht hebt eine Neustrukturierung der Lieferrouten hervor. Kokain gelangt zunehmend über kleinere, weniger kontrollierte Häfen nach Europa, während Cannabis nun aus Kanada und den Vereinigten Staaten eingeführt wird, wo regulatorische Änderungen und Überproduktion die Preise gesenkt haben. Schmuggler setzen zudem auf Drohnen, Schnellboote und halbtauchfähige Schiffe. Die EUDA warnt davor, dass in die Lieferketten zunehmend junge Menschen eingebunden werden, die von Kartellen aus benachteiligten Vierteln europäischer Städte rekrutiert werden; ihre Aufgaben reichen dabei über die Logistik hinaus bis hin zu Einschüchterung und Gewalttaten.
- Cannabis
- 24.9 millions of users
- Kokain
- 4.3 millions of users


