
Nach Rekordhitze bereitet sich Deutschland auf schwere Gewitter und Überschwemmungen vor
Nach einem Wochenende beispielloser Hitze, das dreimal nationale Temperaturrekorde brach, steht Deutschland nun vor heftigen Gewittern, sintflutartigem Regen und der Gefahr großer Überschwemmungen.
Rekordhitze
Deutschland erlebte sein heißestes Wochenende seit Beginn der Aufzeichnungen, nur wenige Tage bevor die Gewitter zuschlugen. Am Freitag, dem 26. Juni, stellte das Land mit 41,3 °C einen Allzeitrekord auf; dieser Wert wurde am Samstag mit 41,5 °C übertroffen, und der Sonntag brachte einen dritten Tagesrekord in Folge. Die extreme Hitze war Teil eines Junis, den der Deutsche Wetterdienst (DWD) nun als den zweitwärmsten seit Messbeginn einstuft, mit einem vorläufigen bundesweiten Mittelwert von 19,5 °C – nur der Juni 2019 war mit 19,8 °C wärmer.
Unwetterwarnungen
Als die Hitzewelle zusammenbrach, gab der DWD dringende Warnungen vor einer Umstellung auf heftige Gewitter heraus. Der Meteorologe Adrian Leyser Sturm von der Vorhersagezentrale des DWD erklärte, dass sich die Lage über Nacht verschärfen werde.
In der Nacht wird es richtig turbulent. Dann besteht eine hohe Gefahr von Unwettern, vor allem in Baden‑Württemberg, Bayern, Thüringen und Sachsen, hauptsächlich durch Starkregen.
Die Niederschläge könnten 30 bis 50 Liter pro Quadratmeter erreichen, mit lokalen Extremen von bis zu 80 Litern – Mengen, die innerhalb weniger Stunden das ein- bis zweifache des üblichen Monatssolls ausmachen. Der DWD warnte vor Sturzfluten, überfluteten Kellern, hohen Wasserständen an Bächen und Flüssen, Erdrutschen und der Gefahr von Aquaplaning.
Das entspricht dem ein- bis zweifachen des üblichen Monatsniederschlags innerhalb weniger Stunden.
- Deutschland verzeichnet mit 41,3 °C den heißesten Tag seiner Geschichte
- Temperaturrekord mit 41,5 °C erneut gebrochen
- Hitzerekord zum dritten Mal in Folge gebrochen
- Schwere Gewitter mit Hagel und Starkregen treffen München
- DWD warnt vor ‚Verschärfung‘ der Gewitter mit 30‑80 mm Regen, Überschwemmungsgefahr in Mittel- und Süddeutschland
Erste Welle am Montagabend
Das Unwettersystem begann sich am Montagabend auszuwirken. In München traf das Gewitter gegen 20:00 Uhr mit Blitzen, Donner, Starkregen und Hagel ein. Innerhalb weniger Minuten verwandelten sich Straßen in Bäche, und die Temperaturen – noch über 26 °C – stürzten ab. Der Flughafen blieb von einem direkten Treffer verschont, aber Flugverspätungen und -ausfälle häuften sich, da die Flugsicherung den Betrieb in den betroffenen Regionen reduzierte. In Bayern verzeichnete der Blitzortungsdienst Aldis/Blids am Montag 2.577 Wolke-Erde-Einschläge, die höchste Tageszahl des Jahres.
Breite Auswirkungen und Notfallmaßnahmen
Bis Dienstagnacht warnte der DWD vor einer „Verschärfung“ der Gewitteraktivität, wobei sich das unbeständige Wetter ost- und nordostwärts ausbreitete. Im Landkreis Schwandorf waren über 400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Rettungsdiensten im Einsatz, um überflutete Keller auszupumpen und überschwemmte Unterführungen zu räumen. Im Landkreis München rückte die Feuerwehr zu rund 150 Einsätzen aus – hauptsächlich aufgrund von Wasser in Kellern und umgestürzten Ästen oder Bäumen. Es wurden keine Verletzten oder größeren Verkehrsunfälle gemeldet.
Klima und Anpassung
Angesichts der extremen Wetterlage forderte die Umweltwissenschaftlerin Ana Maria Vicedo Cabrera die Deutschen auf, ihr Verhalten während Hitzewellen zu überdenken.
In diesem Land ist es immer noch üblich, dass die Menschen bei Sonnenschein und Wärme mehr Zeit im Freien verbringen. Aber jetzt sind die Außentemperaturen nicht mehr gesund.
Sie rief zu einem kulturellen Wandel hin zu einem Aufenthalt in Innenräumen während der heißesten Stunden auf, wie es in südeuropäischen Ländern üblich ist.


