
Gouverneur der Bank von Griechenland nennt 13. Rente „fiskalischen Wahnsinn“ und mahnt zur Disziplin
Yannis Stournaras, Gouverneur der Bank von Griechenland, wies die Rückkehr der 13. Monatsrente als unverantwortlichen Schritt zurück, der keinen fiskalischen Spielraum habe und erneut schwierige Bedingungen für das Land heraufbeschwören würde.
Kein Spielraum für ungedeckte Geschenke
Griechenland kann sich eine 13. Rente nicht leisten, ohne zuvor dauerhafte Einnahmequellen zu schaffen oder andere Ausgaben zu kürzen, sagte der Gouverneur der Bank von Griechenland, Yannis Stournaras, in einem Interview mit OPEN TV am 24. Juli 2026. Er bezeichnete die von der PASOK und anderen Oppositionsparteien bevorzugte Idee als „Wahnsinn“, der die vom Stabilitäts- und Wachstumspakt festgelegte Ausgabenobergrenze sprengen würde. Der Gouverneur betonte, dass jede Leistung durch nachhaltige Produktivitätssteigerungen oder durch Einsparungen an anderer Stelle ausgeglichen werden müsse.
Das wären Leistungen, die nicht durch fiskalischen Spielraum gedeckt sind. Leistungen ohne Gegenstück an Produktivität und fiskalischem Spielraum. Das wird wieder zu schwierigen Situationen führen.
Er forderte die Befürworter auf, konkrete Maßnahmen zu benennen, die die Einnahmen dauerhaft erhöhen oder andere Ausgaben kürzen würden, bevor sie Rentenzuschläge versprechen. Stournaras wies darauf hin, dass der derzeitige Haushaltsrahmen eine strikte Ausgabenobergrenze vorsieht und dass ein Überschreiten ohne Ausgleich die seit der Schuldenkrise erzielten Fortschritte zunichtemachen würde.
Griechisches Wirtschaftswunder
Stournaras wies auf die internationale Anerkennung der griechischen Erholung hin und bezeichnete sie als wirtschaftliches „Wunder“, das selbst Skeptiker mittlerweile anerkennen. Er erinnerte daran, dass 2012 und erneut 2015 rund 80 % der Analysten, Akademiker und Politiker glaubten, das Land werde den Euro verlassen und zusammenbrechen. Stattdessen blieb Griechenland in der Währungsunion, wächst heute schneller als die meisten Vergleichsländer und baut seine Staatsverschuldung stetig ab.
Die internationale Finanzwelt spricht von einem Wirtschaftswunder, ob es uns gefällt oder nicht. Wir sind nicht nur geblieben, sondern wachsen heute viel schneller als die anderen.
Der Chef der griechischen Notenbank verriet, dass er im November nächsten Jahres nach Argentinien eingeladen wurde, um über die griechische Wende zu sprechen – ein Zeichen dafür, dass die Episode weltweit Aufmerksamkeit erregt.
Rentensystem nicht in Gefahr
Auf eine Frage zu einem Bericht der Kathimerini, der für 2029 ein Defizit von 1,3 Milliarden Euro im Sozialversicherungsfonds EFKA vorhersagte, antwortete Stournaras eindeutig: Das System sei sicher, sofern kein „Wahnsinn“ zurückkehre. Er erläuterte, dass die Reformen der Memorandum-Jahre die langfristige Tragfähigkeit des Defizits sicherstellten und der Staat jährlich 17 Milliarden Euro zum Rentenbudget beitrage. Er hob auch die Einführung einer kapitalgedeckten Säule (TEKA) hervor, eine Reform, die andere Länder schon lange vor Griechenland umgesetzt hätten.
Die während der Memoranden ergriffenen Maßnahmen sichern die Tragfähigkeit des Defizits des Versicherungssystems für viele Jahre.
Schweigen zu Zinsen angesichts globaler Spannungen
Auf die Frage nach den Kämpfen in der Straße von Hormus und deren möglichen Auswirkungen auf die globalen und griechischen Zinssätze wollte sich der Notenbankchef nicht äußern und verwies auf die Schweigepflicht der Europäischen Zentralbank vor geldpolitischen Entscheidungen. Er beschränkte sich auf die Aussage, er befinde sich in einer Phase, in der Kommentare untersagt seien, und lenkte den Fokus auf die Haushaltsdisziplin im Inland.


