
Spaniens Steuerchefin tritt zurück, nachdem Ministerium ihren katalanischen Steuerplan überstimmt – Inspektoren fordern keine politische Einmischung
Die Generaldirektorin der spanischen Steuerbehörde, Soledad Fernández Doctor, verlässt zusammen mit zwei weiteren Spitzenbeamten ihren Posten und löst damit einen offenen Konflikt zwischen der Steuerinspektion und der Regierung über die katalanische Steuerautonomie und die institutionelle Unabhängigkeit aus.
Rücktritte nach Treffen zu katalanischer Steuer
Gestern, am 1. Juli, wurde bekannt, dass Soledad Fernández Doctor, Generaldirektorin der Agencia Tributaria (AEAT), bereits vor Monaten um ihren Rücktritt gebeten hatte. Zwei weitere leitende Direktoren, die Leiter der Bereiche Einnahmen und Finanzinspektion, verlassen ebenfalls die Behörde und haben sich um Posten als Finanzberater an Botschaften beworben. Die Ankündigung erfolgte nur wenige Stunden nach einem Treffen zwischen dem Staatssekretär für Finanzen und der katalanischen Finanzministerin Alicia Romero, dessen Inhalt unbekannt ist. Inspektor Francisco de la Torre bezeichnete das verdächtige Timing auf Antena 3.
Mich hat besonders getroffen, dass diese Rücktrittswelle nur wenige Stunden nach diesem Treffen stattfand. Unter den Inspektoren und dem Rest der Belegschaft herrscht ein Gefühl der Unruhe.
Erster Vizepräsident Carlos Cuerpo bezeichnete den Wechsel als „eine natürliche und normale Ersetzung“.
Eine Geschichte ministerieller Überstimmungen
Quellen innerhalb der Behörde teilten ABC mit, dass Fernández in mindestens sechs wichtigen Angelegenheiten überstimmt wurde – ein Delegitimierungsprozess, der fast von Beginn ihrer Amtszeit an einsetzte. Besonders bemerkenswert: Im April 2024 bezeichnete sie den Vorschlag, Katalonien solle 100 % seiner Steuern einziehen, öffentlich als „Experiment“, doch vier Monate später übernahm das Finanzministerium dieselbe Formel in einem PSC-ERC-Investiturpakt. Sie wurde angewiesen, sich nicht mehr öffentlich dazu zu äußern. Ein weiterer Vorfall betraf einen entlastenden Steuerbericht zum Bruder von Premierminister Pedro Sánchez, der ununterschrieben an das Gericht geschickt wurde – eine Anomalie, die die Mitarbeiter als Akt des Trotzes ansahen und die später mit drei Unterschriften aus dem Büro in Extremadura korrigiert wurde.
Die letzten Monate waren ein Pulverfass.
Inspektoren schlagen Alarm
Der Verband der staatlichen Steuerinspektoren (IHE) gab eine harte Erklärung ab, in der er die Situation als „einen merkwürdigen Schwebezustand“ bezeichnete und forderte, dass die nächste Ernennung „professionell und objektiv“ erfolgen müsse. Sie finden es „auffällig“, dass kein Nachfolger benannt wurde – eine Lücke, die sie mit dem kürzlichen Treffen mit Katalonien in Verbindung bringen.
Der Mangel an offiziellen Informationen trägt zu einer institutionellen Unsicherheit bei, die in einer Behörde dieser Art niemals auftreten sollte. Die Erklärungen zum Fehlen eines designierten Nachfolgers sind nicht glaubwürdig.
Die Inspektoren bestehen darauf, dass die AEAT nicht fragmentiert werden darf und dass keine externen Eingriffe die Wettbewerbsprüfungen für Steuerbeamte verändern dürfen.
Gewerkschaften mobilisieren wegen Arbeitsbedingungen
Zur internen Unruhe kommt hinzu, dass die Gewerkschaft CSIF ab dem 30. September eine Reihe von Protesten in ganz Spanien angekündigt hat, mit der Begründung, dass die Verhandlungen über Karriereentwicklung, Telearbeit und die Anerkennung des Risikoberufs für den Zollfahndungsdienst ins Stocken geraten seien. Ein zweistündiger Streik ist für den 26. Oktober geplant, weitere Aktionen im November und Dezember. Die CSIF fordert zudem Aufklärung über die Führungskrise und bringt diese mit der Unzufriedenheit über die regionale Finanzierung und die geplante Übertragung der Steuererhebungskompetenzen an Katalonien in Verbindung.
Steuerergebnisse vorzeitig veröffentlicht
Die Technikergewerkschaft Gestha vermutet, dass die AEAT positive Vollstreckungsergebnisse vorschnell veröffentlicht habe, um von der Krise abzulenken. Die Behörde nahm 2025 22,743 Milliarden Euro ein – ein Anstieg gegenüber 17,274 Milliarden Euro im Jahr 2020, der teilweise auf die Erlaubnis zurückzuführen ist, dass Inspektoren ab April 2025 Firmen mit einem Umsatz von bis zu 10 Millionen Euro prüfen dürfen. Gestha warnte jedoch vor einem Einbruch der Steuerstrafanzeigen und einem Rekordschuldenstand von 46,607 Milliarden Euro Ende 2025.
- 2020
- 17274 Mio. €
- 2025
- 22743 Mio. €


