
SPD-Ministerien drängen auf Grundgesetzänderung zur Klimaanpassung im Hitzesommer
Fünf SPD-geführte Bundesministerien haben einen gemeinsamen Aktionsplan vorgelegt, der eine Grundgesetzänderung zur Klimaanpassung fordert und den Koalitionspartner CDU/CSU in einem Sommer mit Hitzewellen, Dürre und Waldbränden in ganz Deutschland unter Druck setzt.
Fünf SPD-Ministerien legen gemeinsamen Hitzeschutz-Aktionsplan vor
Fünf SPD-geführte Bundesministerien haben einen vierseitigen Aktionsplan vorgelegt, der den Koalitionspartner CDU/CSU zu mehr Maßnahmen gegen extreme Hitze, Dürre, Waldbrände und Überschwemmungen drängt. Das Papier, das zuerst vom Spiegel am Sonntag berichtet und von Tagesspiegel und AFP erhalten wurde, wurde von den Ministerien für Finanzen (Lars Klingbeil), Umwelt (Carsten Schneider), Arbeit und Soziales (Bärbel Bas), Bau (Verena Hubertz) und Entwicklung (Reem Alabali Radovan) unterzeichnet. Es stellt fest, dass sich Deutschland seit vorindustrieller Zeit um 2,5 Grad erwärmt hat und dass Europa sich schneller erwärmt als der Rest der Welt. Die Minister fordern, noch in dieser Legislaturperiode eine „Gemeinschaftsaufgabe Klimaanpassung und Naturschutz“ im Grundgesetz zu verankern, und argumentieren, dies sei die Voraussetzung dafür, dass der Bund die Länder und Kommunen bei Klimaanpassungsaufgaben langfristig, rechtssicher und bundesweit kofinanzieren könne.
Sofortmaßnahmen und Finanzierungsvorschläge
Bis zur Grundgesetzänderung schlagen die Minister ein „Sofortprogramm Klimaanpassung und Hitzeschutz“ vor, um bestehende Bundesförderinstrumente in den kommenden drei Jahren zu bündeln. Der Plan sieht vor, kommunale Hitzeaktionspläne in Zusammenarbeit mit Bund und Ländern zu einem nationalen Hitzeaktionsplan weiterzuentwickeln. Er schlägt die Wiedereröffnung des Förderprogramms „Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen“ mit einem neuen Förderfenster für Projekte in Pflegeheimen und Krankenhäusern vor. Die SPD-Minister wollen zudem das schuldenfinanzierte „Sondervermögen“ für Infrastruktur und Klimaschutz nutzen, um Fassadendämmung, Fensteraustausch, Dachsanierungen und Kühlsysteme zu finanzieren. Der Arbeitnehmerschutz vor extremen Temperaturen soll angepasst werden, wobei Kurzarbeitergeld für hitzebedingte Produktionsunterbrechungen zur Verfügung stehen soll. Die Klimaanpassung soll im Baurecht verankert werden, mit Anforderungen an eine klimaresiliente und wassersensible Stadtentwicklung und einem besseren Schutz von Grünflächen und Baumbeständen.
Koalitionspartner und Opposition reagieren
Die CDU/CSU hat sich skeptisch geäußert. Klaus Mack, der stellvertretende umwelt- und klimapolitische Sprecher der Unionsfraktion, sagte der AFP, ob eine Grundgesetzänderung sinnvoll sei, könne erst beurteilt werden, wenn ein konkreter Vorschlag vorliege, und sie müsse einen Mehrwert bringen. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hatte der Rheinischen Post Tage zuvor gesagt, eine Grundgesetzänderung sei wohlfeil und bringe nichts, und argumentiert, sie würde dem Bund immer neue Kompetenzen geben und zu Zuständigkeitsstreitigkeiten führen. Sie nannte es „der falsche Weg“. Die Grünen haben Unterstützung signalisiert, wobei Fraktionsvize Julia Verlinden am Sonntag sagte, die Grünen unterstützten eine Grundgesetzänderung. Allerdings ist eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag erforderlich, was Oppositionsstimmen nötig macht. Die Linke kritisierte die Initiative laut DIE WELT als halbherzigen Vorstoß von SPD-Spitzenleuten.
- Umweltminister Schneider sagt, ihm seien die Hände gebunden, und fordert Grundgesetzänderung zur Klimaanpassung
- CDU-Generalsekretärin Hoppermann sagt der Rheinischen Post, die Änderung sei wohlfeil und bringe nichts
- Fünf SPD-Ministerien legen vierseitigen Aktionsplan vor, zuerst berichtet vom Spiegel am Sonntag
- Grünen-Fraktionsvize Verlinden unterstützt die Grundgesetzänderung am Sonntag
SPD-Fraktion schließt sich dem Plan an
Die SPD-Bundestagsfraktion hat den Vorschlag unterstützt. Der umweltpolitische Sprecher Jakob Blankenburg sagte der DIE WELT, Waldbrände in der Eifel, Niedrigwasser an Elbe, Rhein und Donau sowie Ernteausfälle in der Landwirtschaft seien der Alltag im Sommer in Deutschland.
Waldbrände in der Eifel, Niedrigwasser an Elbe, Rhein und Donau, Ernteausfälle in der Landwirtschaft: Das ist der Alltag im Sommer in Deutschland.
Nur mit der Grundgesetzänderung könne der Bund Länder und Kommunen dauerhaft unterstützen, anstatt jedes Jahr um neue Förderprogramme zu kämpfen, fügte er hinzu. Fraktionsvize Esra Limbacher sagte der Rheinischen Post, die Fraktion unterstütze sowohl das Aktionsprogramm als auch die Grundgesetzänderung. Umweltminister Schneider hatte zuvor gesagt, ihm seien in vielerlei Hinsicht die Hände gebunden, was Klimaanpassungsmaßnahmen wie die Finanzierung von Klimaanlagen oder Verschattung nur unter sehr schwierigen Bedingungen möglich mache.


