SPD-Jugend fordert Debatte über Unterstützung von AfD-gestützten Richtern am Thüringer Verfassungsgericht
Der Jugendflügel der SPD drängt auf eine interne Parteidiskussion, da die Sperrminorität der rechtsextremen AfD die Thüringer Koalition zwingt, deren Kandidaten für das höchste Gericht des Landes in Betracht zu ziehen.
Die Sperrminorität und das Richterdilemma
Zwei Sitze am Thüringer Verfassungsgerichtshof werden in diesem Herbst besetzt, und die parlamentarische Stärke der AfD verleiht ihr ein faktisches Vetorecht. Die Partei hält mehr als ein Drittel der Sitze im Erfurter Landtag, eine Sperrminorität, die es ihr ermöglicht, jeden Richterkandidaten an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit zu hindern. Der rechtspolitische Sprecher der AfD, Sascha Schlösser, signalisierte bereits vor Wochen, dass seine Fraktion ein funktionierendes Gericht wolle.
Wir sind die besten Kunden des Verfassungsgerichts.
- Die Brombeer-Koalition (CDU, BSW, SPD) wurde gebildet, um die AfD von der politischen Gestaltung auszuschließen.
- Die Thüringer Jusos fordern eine interne SPD-Debatte über den Umgang mit Kandidaten der AfD für das Richteramt.
- Zwei Verfassungsrichterposten sollen besetzt werden; der AfD-Kandidat Ralf Hornemann wird vorgeschlagen.
AfD-Kandidat kommt ins Spiel
Die AfD hat ihr Recht auf Nominierung eines der beiden Richter angemeldet und bereits Ralf Hornemann ins Spiel gebracht, den persönlichen Anwalt des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke. Der zweite Kandidat soll voraussichtlich von der regierenden „Brombeer“-Koalition aus CDU, BSW und SPD vorgeschlagen werden, die 2024 geschmiedet wurde, nachdem die AfD bei der Landtagswahl zur stärksten Kraft geworden war.
Der Koalitionsvertrag hält ausdrücklich fest: „Eine Zusammenarbeit mit der AfD findet nicht statt; Gespräche über notwendige parlamentarische Verfahren und Entscheidungen sind aufgrund der Sperrminorität zu führen.“
Rote Linien und pragmatische Auswege
Die SPD-Fraktionsvorsitzende Sophie Ringhand wies darauf hin, dass die SPD der einzige Koalitionspartner sei, der strikt an den roten Linien gegenüber der AfD festhalte, während CDU und BSW lockerer seien. Dennoch räumte sie ein, dass die SPD „keine leichten Karten“ habe. Ein passiver Weg existiert: Die SPD könnte sich einfach enthalten, anstatt aktiv für einen AfD-Kandidaten zu stimmen, und so die Wahl ohne offene Unterstützung ermöglichen.
Ich glaube, das ist tatsächlich ein Punkt, an dem die Fraktion wirklich keine leichten Karten hat. Sie ist die Einzige in dieser Koalition, die strikt darauf besteht, dass die roten Linien gegenüber der AfD eingehalten werden müssen.
Jusos fordern Sommerdebatte
Die Thüringer Jusos, die Jugendorganisation der SPD, fordern eine interne Parteidiskussion vor Ende der Sommerpause. Ringhand, die auch die Jusos leitet, warnte davor, einen AfD-Kandidaten einfach zu akzeptieren.
Es kann nicht sein, dass wir jemanden wählen, den uns die AfD vor die Nase setzt.
Sie bestand darauf, dass die Partei diese Debatte führen müsse, obwohl die Koalition ursprünglich gebildet wurde, um die AfD von der politischen Gestaltung auszuschließen. „Ich will das in keiner Weise gutheißen, aber ich denke zumindest, dass eine innerparteiliche Debatte geführt werden muss, und die hat noch nicht stattgefunden“, sagte Ringhand.
Was als Nächstes kommt
Es gibt noch kein Abstimmungsdatum, aber die Herbstfrist rückt näher. Die SPD-Basis ist unruhig, und der Vorstoß der Jusos stellt sicher, dass die Partei ihre Position öffentlich klären muss. Ob Pragmatismus oder Prinzipientreue siegt, wird entscheiden, ob der von der AfD vorgeschlagene Kandidat auf die Richterbank gelangt.


