
Shein-Kleidung: Chemikalien bis zum 12.000-fachen des EU-Grenzwerts gefunden; DUH stellt Abmahnung aus
Labortests an 18 Shein-Kleidungsstücken haben PFAS- und Phthalatwerte weit über den europäischen Sicherheitsschwellenwerten festgestellt, darunter eine Kinderjacke mit einer PFAS-Konzentration, die mehr als 1.100 Mal über dem gesetzlichen Grenzwert lag.
Was die Tests ergaben
Das Bremer Umweltinstitut testete im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) 18 bei Shein gekaufte Kleidungsstücke. Sieben Artikel überschritten die EU-Chemikaliengrenzwerte. Bei einer Kinderjacke lag ein PFAS-Stoff um mehr als das 1.100-Fache über dem Grenzwert; bei einer an Jugendliche vermarkteten Jacke betrug die Überschreitung mehr als das 12.000-Fache des zulässigen Werts. Ein Paar Damen-Schnürstiefel enthielt 179.000 Milligramm pro Kilogramm des Weichmachers DEHP, während der gesetzliche Höchstwert bei 1.000 mg/kg liegt.
- Kinderjacke (PFAS)
- 1100 Mal über dem Grenzwert
- Jugendjacke (PFAS)
- 12000 Mal über dem Grenzwert
- Damenstiefel (DEHP)
- 179 Mal über dem Grenzwert
Gesundheitsrisiken
PFAS sind sogenannte Ewigkeitschemikalien, die sich im menschlichen Körper und in der Umwelt anreichern. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass bestimmte PFAS den Stoffwechsel, Hormone und das Immunsystem beeinträchtigen können; einige stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Phthalate wie DEHP haben hormonähnliche Eigenschaften und können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
Wir haben in den Produkten eine ganze Reihe verschiedener Chemikalien gefunden – von Schwermetallen über Weichmacher bis hin zu mehreren PFAS. Es ist ein bunter Chemikaliencocktail, darunter auch Stoffe, die möglicherweise nicht streng reguliert sind, aber dennoch ein Gesundheitsrisiko darstellen können.
Sheins Reaktion
Shein erklärte, man nehme die Vorwürfe sehr ernst und prüfe die Sachlage. Bis zum Abschluss der Untersuchung würden die betroffenen Produkte weltweit aus dem Verkauf genommen, entsprechend der unternehmenseigenen Produktsicherheitsrichtlinien. Shein fügte hinzu, dass es von Händlern und Lieferanten verlange, interne und geltende Produktsicherheitsstandards einzuhalten, und mit international anerkannten Prüfstellen wie dem TÜV Süd zusammenarbeite.
Weiterer Kontext
Shein ist nicht der einzige Billig-Mode-Discounter, der ins Visier gerät. Die EU-Kommission verhängte kürzlich eine Geldstrafe von 200 Millionen Euro gegen den Konkurrenten Temu, unter anderem wegen Sicherheitsbedenken bei Ladegeräten und übermäßiger Chemikalien in Kinderspielzeug. Temu bezeichnete die Strafe als unverhältnismäßig und argumentierte, die Entscheidung spiegele eine Risikobewertung von 2024 wider, die nicht mehr den aktuellen Systemen entspreche.
Nächste Schritte
Die DUH hat Shein eine formelle Unterlassungsaufforderung zugesandt. Die Organisation plant weitere Tests auf anderen Online-Plattformen und fordert die EU-Regulierungsbehörden auf, die Durchsetzung von Chemikalienverunreinigungen in importierten Textilien zu verschärfen.


