
Mitarbeiter der ATM Mailand untersucht, nachdem Passagier sexistischen Chat mit Überwachungsfotos von Frauen entdeckt
Ein Fahrgast fotografierte einen dienstfreien Straßenbahnfahrer, der auf seinem Handy durch eine WhatsApp-Gruppe scrollte, in der Kollegen Standbilder der Überwachungskameras von Fahrgästinnen und vulgäre Kommentare teilten. Ein Mann wird nun formell untersucht.
Entdeckung in einer vollen Straßenbahn
Eine junge Frau, die mit der Mailänder Straßenbahnlinie 15 fuhr, bemerkte einen dienstfreien Fahrer der ATM, der auf seinem Handy durch eine WhatsApp-Gruppe namens „Ticinese-Mitarbeiter“ scrollte. Auf dem Bildschirm war das Foto des Körpers einer Fahrgästin zu sehen, das offenbar von den fahrzeuginternen Überwachungskameras stammte. Sie fotografierte den Bildschirm selbst ab, hielt so das Bild und die Benutzernamen anderer Gruppenmitglieder fest und reichte später über ihre Anwältin Cathy La Torre eine Anzeige ein.
Der Inhalt des Chats
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Gruppe – Schätzungen zufolge mit mindestens sieben, nach anderen Angaben mehr als zehn Teilnehmern – dazu genutzt wurde, Standbilder von Frauen, die aus den Überwachungskameras von Bussen und Straßenbahnen stammten, zu teilen. Die Bilder waren von sexistischen und vulgären Kommentaren begleitet. Eines der Mitglieder soll ein pensionierter ATM-Mitarbeiter sein. Der Mailänder Generalstaatsanwalt Marcello Viola hat ein Ermittlungsverfahren wegen unbefugten Zugangs zu einem Computersystem eingeleitet.
Ermittlungen ausgeweitet
Die Polizei vollstreckte Durchsuchungsbefehle bei dem Tatverdächtigen, einem Fahrer der Linie 15, sowie bei vier weiteren ATM-Angestellten, die derzeit nicht formell untersucht werden. Handys und andere IT-Geräte wurden beschlagnahmt. Die Staatsanwälte Grazia Colacicco und Carlo Enea Parodi versuchen zu klären, ob die Bilder durch einfaches Abfotografieren des Monitors im Fahrerstand oder durch Zugriff auf die Unternehmensdatenbank erlangt wurden, in der die Aufnahmen bis zu sieben Tage gespeichert werden. Nur Mitarbeiter der Leitstelle sind zum Zugriff auf dieses Archiv befugt.
Reaktion der Institutionen
Die ATM erstattete Strafanzeige und meldete den Vorgang zudem der italienischen Datenschutzbehörde, dem Garante della Privacy. Alle an dem Chat beteiligten Mitarbeiter wurden vom Dienst und von der Bezahlung suspendiert. Das Unternehmen erklärte, es lehne jede Form schädlichen Verhaltens ab.
Breitere Reaktionen
Der Fall verbreitete sich schnell in den sozialen Medien. Die Autorin und Aktivistin Carlotta Vagnoli griff ihn in ihrem Newsletter auf, und weitere Influencer beteiligten sich an der Diskussion. Im Regionalrat der Lombardei kritisierte der Fraktionsvorsitzende der Demokratischen Partei, Pierfrancesco Majorino, öffentliche Persönlichkeiten, die seiner Ansicht nach Gewalt gegen Frauen verharmlosen, und nannte als Beispiel Roberto Vannacci.


