Bayerisches Gericht stoppt Bau neuer Seilbahn im Allgäu wegen fehlender EU-Umweltprüfung
Das Augsburger Verwaltungsgericht hat den Bau der Scheidtobelbahn bei Oberstdorf vorläufig gestoppt, bis geprüft ist, ob die Befreiung des Projekts von einer Umweltverträglichkeitsprüfung mit europäischem Recht vereinbar ist.
Die Gerichtsentscheidung
Im Eilverfahren erließ das Augsburger Verwaltungsgericht eine einstweilige Anordnung, die sämtliche Bauarbeiten an der neuen Scheidtobelbahn am Fellhorn stoppt. Das Gericht betonte, dass dies noch kein endgültiges Urteil über die Rechtmäßigkeit der Genehmigung sei, sondern dass in der Hauptverhandlung geklärt werden müsse, ob die Genehmigung den Anforderungen des EU-Rechts genügt.
Diese Entscheidung stellt noch keine abschließende Aussage zur Rechtmäßigkeit der Genehmigung des Gondelbahnprojekts dar.
Rechtlicher Hintergrund
Das Projekt ist das erste, das nach dem dritten Bayerischen Modernisierungsgesetz genehmigt wurde, das Bürokratie abbauen soll und für bestimmte Bauvorhaben auf eine zwingende Umweltverträglichkeitsprüfung verzichtet. Das Landratsamt Oberallgäu argumentierte, dass die Seilbahn dem gleichen Trassenverlauf wie die bestehende folge und die Luftlinien-Grenze von 1.500 Metern für Seilbahnen nicht überschritten werde, sodass keine vollständige Umweltprüfung erforderlich sei. Die neue Bahn wird durch die Verlegung von Tal- und Bergstation 320 Meter länger.
Getrennte Entscheidungen
Wenige Wochen zuvor hatte dasselbe Gericht einen Eilantrag gegen den Bau der Skipisten abgelehnt. Die Richter befanden, dass diese Arbeiten weder gegen das Bodenschutzprotokoll der Alpenkonvention noch gegen die Richtlinien zum Habitat-, Arten- oder Landschaftsschutz verstießen.
Wie es weitergeht
Die Richter kamen zu dem Schluss, dass die Frage, ob die Befreiung von einer Umweltverträglichkeitsprüfung mit EU-Recht und der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs vereinbar ist, zu komplex sei, um im Eilverfahren geklärt zu werden. Eine vollständige rechtliche Prüfung steht nun bevor. Das Projekt war zudem wiederholt von der Opposition im Bayerischen Landtag kritisiert worden.


