
Schweizer Armee prüft Reaktivierung stillgelegter Bunker für sichere Lagerung
Die Schweiz evaluiert einen Plan, ihre stillgelegten unterirdischen Militärbunker als sichere Lagerstätten für Munition, Medikamente und elektronische Ausrüstung umzunutzen. Für eine Machbarkeitsstudie wurde bereits eine Ausschreibung veröffentlicht.
Studie gestartet
Das Bundesamt für Rüstung, Armasuisse, hat eine öffentliche Ausschreibung für eine Studie veröffentlicht, die bewerten soll, wie unterirdische Militäranlagen in der ganzen Schweiz wieder in Betrieb genommen werden können. Die vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) in Auftrag gegebene Evaluierung soll Wege finden, ehemalige Bunker kosten- und ressourceneffizient zu reaktivieren, wo möglich ohne umfassende Renovierung.
Die Anforderungen an Schutz, Resilienz und Dezentralisierung der Schweizer Armee sind gestiegen, und auch der Bedarf an sicheren Lagermöglichkeiten hat zugenommen.
Aus Vertraulichkeitsgründen werden keine Details darüber bekannt gegeben, wie viele Bunker in Betracht gezogen werden könnten oder wie der Umfang des Projekts ist. Die Schweizer Regierung bestätigte, dass die ehemaligen Liegenschaftsportfolios der Armee eine große Anzahl unterirdischer Versorgungsanlagen, Munitionskavernen, Militärspitäler, geschützte Flugplätze, befestigte Stellungen, Unterstände und Kommandoposten umfassten.
Warnung des Verteidigungsministers
Verteidigungsminister Martin Pfister warnt seit Monaten, dass sich die Schweiz besser auf mögliche Bedrohungen vorbereiten müsse, insbesondere auf Angriffe auf kritische Infrastruktur. Der Vorstoß zur Umnutzung von Bunkern erfolgt vor dem Hintergrund einer sich verschlechternden Sicherheitslage in Europa, die die Schweizer Armee veranlasst hat, ihren Schutz- und Resilienzbedarf neu zu bewerten.
Was die Bunker lagern könnten
Die geplante Reaktivierung konzentriert sich zunächst auf sichere Lagerung. Die Anlagen sollen Verbrauchsmaterialien, Ersatzteile, Medikamente, elektronische Geräte, Gefahrgüter und Munition aufnehmen. Das VBS hat nicht ausgeschlossen, einige unterirdische Standorte auch für die Produktion oder Montage kritischer Güter zu nutzen. Die Studie wird definieren, wie bestehende Anlagen mit minimalem Investitionsaufwand an die aktuellen Anforderungen angepasst werden können.
Historische Dimensionen
Die genaue Zahl der unterirdischen Militäranlagen der Schweiz ist nicht öffentlich bekannt. Historische Quellen, auf die sich die deutschsprachige Tageszeitung Blick bezieht, nennen rund 20.000 „Verteidigungsbauten“. Hinzu kommen rund neun Millionen Schutzplätze, die auf etwa 370.000 private und öffentliche Schutzräume verteilt sind, so das Bundesamt für Bevölkerungsschutz. Diese sind ungleichmäßig über das Land verteilt. Mit dem Ende des Kalten Krieges wurden viele dieser Anlagen stillgelegt, verkauft oder abgebaut.
Sicherheitspolitischer Kurswechsel
Die Ausschreibung und die breitere Evaluierung markieren eine deutliche Abkehr vom Abrüstungskurs der Schweizer Militärinfrastruktur nach dem Kalten Krieg. Es wurde kein Zeitplan für die Reaktivierung von Bunkern festgelegt, und die Studie ist der erste konkrete Schritt, um die Machbarkeit auszuloten. Der Prozess unterstreicht einen Wandel im Schweizer Verteidigungsdenken angesichts der sich verschlechternden Sicherheitslage in Europa.


