
Lena Schätte gewinnt 50. Ingeborg-Bachmann-Preis mit Geschichte über zwei dicke Mädchen
Die 32-jährige deutsche Autorin und Psychiatriekrankenschwester erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis und den Publikumspreis bei der Jubiläumsausgabe des renommierten deutschsprachigen Literaturwettbewerbs in Klagenfurt, Österreich.
Der Siegertext
Lena Schättes „Was wir tragen“ erzählt die Geschichte zweier übergewichtiger Realschülerinnen, die Fatshaming und soziale Ausgrenzung erleiden und sich mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Grausamkeit wehren. Der Text vermeidet einfache Empowerment-Erzählungen und erkundet stattdessen die Ambivalenz des Opferseins. Schätte, 1993 in Lüdenscheid geboren und heute in Altena lebend, arbeitete als Psychiatriekrankenschwester, bevor sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierte. Ihr Debütroman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ (2025) stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.
Lob der Jury
Die siebenköpfige Jury war ungewöhnlich einhellig. Der Schweizer Juror Thomas Strässle, der Schätte zum Wettbewerb eingeladen hatte, lobte die „existenzielle Wucht“ und die „verblüffende Ungerührtheit“ des Textes.
Der Text hat eine existenzielle Wucht und eine verblüffende Ungerührtheit.
Die Jurorin Laura de Weck sagte, Schätte besitze eine „literarische Superkraft“, und stellte fest, dass ihre klare, einfache Sprache etwas „sehr Komplexes und Emotionales“ hervorbringe.
Sie hat eine literarische Superkraft. Obwohl ihre Sprache sehr klar, einfach und nüchtern ist, entsteht etwas sehr Komplexes und Emotionales.
Ein doppeltes Jubiläum
Die Ausgabe 2026 markierte die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur und den 100. Geburtstag der Namensgeberin des Preises, Ingeborg Bachmann (geboren am 25. Juni 1926). Aus diesem Anlass wurde der Hauptpreis auf 30.000 Euro erhöht. Der Wettbewerb begann am 24. Juni mit einer Rede der Preisträgerin von 2020, Helga Schubert, die das Publikum aufforderte, Bachmanns Werke zu lesen, anstatt sich auf ihre Biografie zu konzentrieren. Schubert selbst war 1980 zum Wettbewerb eingeladen worden, durfte aber die DDR nicht verlassen. In den folgenden drei Tagen lasen 14 Autoren (10 Frauen und 4 Männer) aus unveröffentlichten Texten, wobei die Jury jeden Beitrag in bemerkenswert fairer und präziser Weise diskutierte.
- Eröffnungsrede von Helga Schubert
- Erster Lesetag; 14 Autoren treten an
- Lena Schätte gewinnt Hauptpreis und Publikumspreis
Weitere Preise
Schätte gewann auch den Publikumspreis und den Kärntner-Sommer-Preis, womit sich ihre Gesamtsumme auf 40.000 Euro belief. Der Kelag-Preis (15.000 Euro) ging an die ungarischstämmige Dichterin und Performancekünstlerin Kinga Tóth für „Ostblock-Mädel“, einen musikalischen Text über Arbeitsmigration, Identität und Sprache. Die Schweizer Autorin Seraina Kobler, die einzige Kandidatin aus der Schweiz, ging leer aus.
Reaktionen
Schätte, die derzeit als Erfurter Stadtschreiberin tätig ist, nannte den Sieg „einen Fiebertraum“.
Es ist ein Fiebertraum.
Sie sagte, sie sei froh, dass der Preis mehr Aufmerksamkeit auf Body Positivity lenke, und merkte an, dass viele Betroffene „so isoliert leben und nicht wirklich gesehen werden, obwohl sie eigentlich so sichtbar sind“. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn lobte sie als „eine bedeutende literarische Stimme unserer Zeit“.

