
Russland schließt EU-Grenzen und importiert Treibstoff, nachdem ukrainische Drohnenangriffe landesweite Engpässe auslösen
Ukrainische Drohnenangriffe haben bis zur Hälfte der russischen Raffineriekapazität lahmgelegt und Moskau gezwungen, Benzin aus Indien und Kasachstan zu importieren, seine EU-Grenzen zu schließen und landesweit Treibstoff zu rationieren.
Drohnenangriffe legen Raffineriekapazität lahm
Ukrainische Streitkräfte haben ihre Langstrecken-Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien und -lager intensiviert und damit laut dem ukrainischen Energieanalysten Mychajlo Hontschar bis zur Hälfte der primären Ölverarbeitungskapazität des Landes lahmgelegt. Die Angriffe haben zu einem Einbruch der heimischen Treibstoffproduktion um 25 Prozent im Jahresvergleich geführt, so dass Russland, einer der größten Ölproduzenten der Welt, Schwierigkeiten hat, die Nachfrage zu decken. Präsident Wladimir Putin räumte am Sonntag „eine gewisse Knappheit“ ein, während Vize-Ministerpräsident Alexander Novak sagte, alle Raffinerien arbeiteten mit maximaler Kapazität, Reparaturen würden beschleunigt und planmäßige Wartungsarbeiten verschoben.
Wir haben eine gewisse Knappheit. Es ist besonders wichtig, die Treibstoffversorgung des Agrarsektors sicherzustellen, denn die Ernte hängt davon ab.
Öffentliche Angst und Rationierung
In ganz Russland haben sich lange Schlangen an Tankstellen gebildet, sogar in Moskau, wo Fahrer stundenlang warten, um zu tanken. Die Behörden haben Rationierungen verhängt, den Verkauf auf 20–30 Liter pro Fahrzeug begrenzt und das Befüllen von Kanistern verboten. Auf der 2014 annektierten Krim wurden Treibstoffverkäufe an Privatpersonen vollständig eingestellt. In sozialen Medien kursieren Aufnahmen von Schlägereien in Schlangen, und ein virales Video mit dem Titel „Der ultimative Luxus 2026“ macht sich darüber lustig, Benzin in einen Rasenmäher zu füllen. Online-Suchen nach „Wie man Treibstoff abzapft“ stiegen laut Yandex-Daten, die von iPhones.ru zitiert wurden, bis zum 21. Juni auf 9.300, gegenüber 697 einen Monat zuvor.
Ich habe große Angst vor der Unsicherheit und dem fehlenden Verständnis, wohin sich die Situation entwickelt.
Ich denke, die Dinge könnten außer Kontrolle geraten, wenn die Krise zur Schließung großer Industrien führt.
Grenzschließungen und Angst vor Einberufung
Am 1. Juli hat Russland den Personen-, Fahrzeug- und Güterverkehr über sieben Grenzübergänge zu Finnland, Estland und Lettland auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Die Durchführungsverordnung, die wichtige Eisenbahn- und Straßenverbindungen blockiert, wurde allgemein als Versuch gewertet, eine neue Fluchtwelle wehrpflichtiger Männer aus dem Land im Vorfeld einer möglichen weiteren Mobilmachung zu verhindern. Russen heben bereits Rekordbeträge von 13 Milliarden Rubel (etwa 150 Millionen Euro) pro Tag ab, was die wachsende Besorgnis über den Krieg und die wirtschaftliche Instabilität widerspiegelt.
Importe aus Indien und Kasachstan
Um das heimische Defizit auszugleichen, hat Russland begonnen, Benzin auf dem Seeweg aus Indien zu importieren. Mindestens 60.000 Tonnen wurden bereits verschifft, und es ist geplant, bis zu 400.000 Tonnen pro Monat zu importieren. Indien, das im Juni Rekordmengen an rabattiertem russischem Rohöl kaufte, raffiniert dieses Öl und verkauft es zu einem Aufschlag an Moskau zurück. Kasachstan hat sich außerdem bereit erklärt, im Juli und August 50.000 Tonnen AI-92-Benzin zu liefern, möglicherweise im Austausch gegen russischen Düsenkraftstoff, den es für die Sommernachfrage benötigt. Das benachbarte Belarus hat seine Bahnlieferungen von Benzin verdreifacht.
Indirekte Belege deuten darauf hin, dass ukrainische Drohnenangriffe etwa ein Viertel der russischen Ölraffineriekapazität lahmgelegt haben. Die Krise hat zu steigenden Treibstoffpreisen und lokalen Engpässen geführt, da einigen Regionen schlichtweg Ölraffinerien fehlen.
Wirtschaftliche und politische Folgen
Die Treibstoffkrise verschärft die allgemeine wirtschaftliche Pessimismus-Stimmung: Eine aktuelle Umfrage zeigte, dass die Russen pessimistischer gegenüber der Wirtschaftslage sind als zu jedem anderen Zeitpunkt in den letzten 20 Jahren. Die Regierung hat die Ausfuhr von Benzin und Düsenkraftstoff verboten und erwägt ein Dieselausfuhrverbot. Analysten warnen, dass höhere Transportkosten auf die Preise für Waren und Dienstleistungen durchschlagen werden, während der Agrarsektor Ernteausfälle befürchtet. Der Kreml, der Treibstoff importieren, Grenzen schließen und Vorräte rationieren muss, stellt eine krasse Kehrtwende für ein Land dar, das bis vor kurzem ein bedeutender Energieexporteur war.
- Online-Suchen nach 'Wie man Treibstoff abzapft' steigen auf 9.300.
- Putin räumt Treibstoffknappheit ein, verspricht Maßnahmen.
- Russland schließt sieben Grenzübergänge zu EU-Staaten.
- Berichte bestätigen Benzinimporte aus Indien und Abkommen mit Kasachstan.


