
Selenskyj: Russische Angriffe beschädigen das ukrainische Stromnetz – Kritik an Kiews Wintervorbereitungen
Nach russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur haben die Behörden in mehreren ukrainischen Regionen den Strom abgeschaltet und Einschränkungen verhängt. Selenskyj kritisierte zudem die von Vitali Klitschko geführte Stadtverwaltung von Kiew für unzureichende Wintervorbereitungen.
Schäden am Stromnetz
Selenskyj schrieb am Freitag in den sozialen Medien, die Stromnetze und die Anlagen zur Stromübertragung hätten erhebliche Schäden erlitten. Nach den russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur in den vergangenen Tagen mussten die Behörden in mehreren Regionen den Strom abschalten und Einschränkungen verhängen. Die Reparaturarbeiten liefen Tag und Nacht weiter, so der Präsident.
Leider haben die Stromnetze und die Anlagen zur Stromübertragung erhebliche Schäden erlitten. Die Reparaturarbeiten laufen Tag und Nacht weiter.
Selenskyj erklärte außerdem, die Ukraine werde ihren Partnern aktualisierte Anfragen für „Energieausrüstung“ und „Luftverteidigung“ übermitteln. Der Ukraine fehlen amerikanische Patriot-Systeme, insbesondere die Abfangraketen, die diese Systeme benötigen, um russische ballistische Raketen abzufangen.
Kritik an den lokalen Behörden
Selenskyj hob Verzögerungen der lokalen Behörden bei der Umsetzung regionaler „Resilienzpläne“ hervor, die die Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur sicherstellen sollen. Er machte das Infrastrukturministerium und die Regionalverwaltungen persönlich verantwortlich.
Die Langsamkeit dieser Arbeiten ist absolut inakzeptabel, und die Verantwortlichen im Infrastrukturministerium sowie in den Regionalverwaltungen tragen persönliche Verantwortung.
Anschließend wandte er sich Kiew zu und kritisierte die von Vitali Klitschko geführte Stadtverwaltung, mit dem er im Konflikt liegt, und erklärte, deren Behörden hätten die notwendigen Maßnahmen fast vollständig versäumt. Selenskyj bat die Beamten zudem, bis Ende der Woche ein Lösungspaket für Priluky in der Region Tschernihiw vorzubereiten, das die von den Anwohnern dort vorgebrachten Probleme aufgreift.
Kiews Wintervorbereitungen
Klitschko sagte am Donnerstag gegenüber AFP, die Stadt installiere Notheizsysteme und baue Reserven an Brennstoff, Lebensmitteln und Trinkwasser auf, falls es im Winter zu längeren Unterbrechungen komme. Die Angriffe hätten bereits zu Stromausfällen geführt und die Wasserversorgung beeinträchtigt, und Klitschko beschrieb die Stadt als im „Überlebensmodus“, während sie auf den Winter warte. Er verteidigte die von der Verwaltung der Hauptstadt ergriffenen Maßnahmen.
Egal wie gut wir uns vorbereiten, wenn die Luftverteidigung nicht funktioniert, könnten wir vor einem schlimmen Szenario stehen.
Wirtschaftlicher Druck und der Haushalt 2027
Eine Analyse von Carnegie kommt zu dem Ergebnis, dass die Bergbaubetriebe von ArcelorMittal in Krywyj Rih, dem Industriezentrum der Ukraine, stillstehen und andere große Werke nur mit einem Bruchteil ihrer Vorkriegskapazität arbeiten. Im vergangenen Monat erklärte ArcelorMittal, wiederholte Raketenangriffe auf sein Werk hätten bedeutet, dass der Betrieb des Stahlwerks nicht sicher wieder aufgenommen werden könne. Sinkende Steuereinnahmen zwingen die Stadt zu Ausgabenkürzungen, und im nächsten Jahr wird die Aufrechterhaltung der Grundversorgung Priorität haben.
Der Entwurf des ukrainischen Haushalts für 2027 sieht 104 Mrd. Dollar für Sicherheit und Verteidigung vor, was 43,8 % des prognostizierten BIP und etwa zwei Dritteln der Gesamtausgaben entspricht. Vize-Finanzminister Roman Jermolitschew sagte, das Verteidigungsministerium werde 2027 175 Mrd. Dollar benötigen, verglichen mit 155 Mrd. Dollar in diesem Jahr. Die Ukraine prognostiziert ein Haushaltsdefizit von 15 % des BIP und benötigt 2027 78,1 Mrd. Dollar an externer Finanzierung. Russland plant, 2027 203 Mrd. Dollar für die Verteidigung bereitzustellen – ein Rekord seit Beginn der umfassenden Invasion.
- Verteidigungsansatz im ukrainischen Haushaltsentwurf 2027
- 104 Mrd. USD
- Bedarf des ukrainischen Verteidigungsministeriums 2026
- 155 Mrd. USD
- Bedarf des ukrainischen Verteidigungsministeriums 2027
- 175 Mrd. USD
- Geplante russische Verteidigungsausgaben 2027
- 203 Mrd. USD
Ein Bericht über einen russischen Plan gegen das Netz
Journalisten von Radio Swoboda erhielten ein russischsprachiges Dokument, datiert auf August und veröffentlicht von der New York Times, das 60 strategische Ziele in der Ukraine auflistet. Der Untersuchung zufolge würde die erste Phase Umspannwerke in der Westukraine treffen, über die das Land Strom aus Europa importiert. Danach folgten Wasserkraftwerke und anschließend drei der wichtigsten Kernkraftwerke unter ukrainischer Kontrolle. Zu den als vorrangig genannten Städten gehören Kiew, Charkiw, Odessa, Dnipro, Saporischschja, Mykolajiw, Cherson und Lwiw.
Die Echtheit des Dokuments wurde offiziell nicht bestätigt, doch Quellen in den ukrainischen Verteidigungskräften erklärten, es scheine eine vorbereitende Berechnung des russischen Verteidigungsministeriums oder ihm unterstellter Einheiten zu sein.
- Dokument mit 60 strategischen Zielen ist auf August datiert
- Premierminister Schmyhal bestätigt, dass Russland die Angriffe auf die Energieinfrastruktur wieder aufgenommen hat
- Klitschko sagt, Kiew installiere Notheizungen und lege Vorräte an Brennstoff, Lebensmitteln und Wasser an
- Selenskyj meldet erhebliche Netzschäden und kritisiert die lokalen Behörden
Premierminister Denys Schmyhal sagte, die Regierung bereite sich auf einen „extrem schwierigen“ Winter vor. Er bestätigte am 1. September 2026, dass Russland die Angriffe auf die Energieinfrastruktur bereits wieder aufgenommen habe, und in neun Regionen seien Stromausfälle registriert worden, von denen Hunderttausende Menschen betroffen seien. Oleg Popenko, Leiter des ukrainischen Verbands der Versorgungsverbraucher, sagte dem Netzwerk Current Time, die Bemühungen konzentrierten sich vor allem auf den Schutz von Umspannwerken und die Sicherung der Notstromversorgung für sie.
Es wird viel getan, aber meiner Meinung nach reicht es nicht aus, um unsere Anlagen zu schützen.
Die ukrainische Armee erklärte, sie habe in der Nacht drei Raketenproduktionsstätten in Russland angegriffen, darunter ein Werk in der Region Twer, das Raketenbauteile herstellt, und ein Zentrum, in dem Interkontinentalraketen zerlegt werden.


